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Multimedia ist Trumpf beim Jugendpolitischen Kongress der IG Metall.
Foto: Marcus Meier
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»Dieser Kapitalismus gehört weg«, ist auf einem Transparent hinter dem Präsidium, in einem eingespielten Film und dem immerhin knapp drei Zentimeter dicken Buch zur Kampagne »Operation Übernahme« zu lesen. Nur »dieser«? Oder der Kapitalismus generell? Auch darüber diskutieren in diesen Tagen 200 Delegierte der als diskussionsfreudig bekannten IG-Metall-Jugend – mit derzeit 200 000 Mitgliedern immerhin die stärkste politische Jugendorganisation Deutschlands.
Getroffen hat man sich in Sprockhövel bei Wuppertal, wo die IG Metall eine Bildungsstätte unterhält, deren Größe gefühlt jeden zweiten Universitätsdirektor vor Neid erblassen lassen würde. Doch längst finden die Debatten nicht nur im Saale, auf Fluren und Raucherbalkonen, sondern auch im Internet statt: Die IG Metall-Jugend nutzt soziale Netzwerke wie Facebook, um zu debattieren und Botschaften nach draußen zu tragen. Natürlich gibt es auch eine App für's internetfähige Handy – »nicht nur für's iPhone«, wie ein Redner betont.
Und selbst der Rechenschaftsbericht des Vorstandes gerät zu einer Multimedia-Show: Bundesjugendsekretär Eric Leiderer spielt den Moderator. Bittet Vorstands-Kollegen zum Kurzreferat auf die Bühne. Ruft durchaus professionell gemachte Einspielfilme mit schnellen Schnitten auf. Das Funk-Mikro vor dem Mund, modisches Sakko, auf die übliche altfränkische Krawatte verzichtend, wirkt Leiderer, immerhin Enddreißiger, manchmal etwas bemüht berufsjugendlich. So lobt er die eigene Kampagne »Operation Übernahme« mit den Worten »Der Titel rockt!«. Insgesamt gerät schon der Rechenschaftsbericht zu einem »Feuerwerk der guten Laune«, wie Sitzungsleiter Mark Seeger ganz unironisch feststellt. Einziger Wermutstropfen: Jürgen Klopp, Trainer des künftigen Deutschen Fußballmeisters Borussia Dortmund, hat den Jung-Metallern einen Korb gegeben.
Eigentliches Motto der im Vier-Jahres-Turnus stattfindenden Konferenz: »Mission Gerechtigkeit«. Um die ist es gerade nicht gut bestellt in der Welt, in Deutschland und insbesondere in den Betrieben der deutschen Metallindustrie. So muss es die IG-Metall-Jugend als »Erfolg« feiern, dass die Azubis der Metall- und Elektroindustrie »garantiert« für 12 Monate übernommen wurden – also mindestens für ein Jahr im gerade erlernten Beruf arbeiten dürfen.
Wie in die Offensive kommen? Durch den Mut zum Konflikt, betont Eric Leiderer. Außerdem soll die IG Metall-Jugend wachsen: Um ein Viertel, also um 50 000 Mitglieder. Bis zur nächsten Konferenz im Jahr 2015. Das sei ein ehrgeiziges, aber erreichbares Ziel, betont Eric Leiderer. Der Funktionär will die Gewerkschaftsjugend zudem auf einen neuen Theoretiker einschwören: Saul D. Alinsky (1909 - 1972) heißt der Mann.
Ganz im Sinne neuerer Werbe-Strategien werden die »Kunden« (sprich: potenziellen Alinsky-Fans) auf mehreren Kommunikationskanälen angesprochen: Leidinger lobt Alinsky in seiner Rede. IG-Metall-Jugendliche tragen Alinsky-Kapuzen-Pullover. Und natürlich gibt es auch eine – selbstredend multimedial ausgerichtete – Webseite. Doch damit nicht genug: »Call me A Radical«, nennt mich einen Radikalen, so heißt ein Alinsky-Buch, das vom IG-Metall-Vorstand eigens neu aufgelegt und in Sprockhövel kostenlos an die Delegierten verteilt wurde.
»Wir sprechen von einer Massenorganisation, die die Welt so verändert, dass alle Menschen aufrecht ihren Weg gehen können«, wird der Erfinder der Organizing-Strategie zitiert. Gewerkschaften sollen sich am Konflikt und an den Interessen der Basis orientieren – und die eigene Basis, aber auch außergewerkschaftliche Bündnispartner beteiligen.
Ein »Radikaler« als strategisches und praktisches Vorbild? Alinsky verstand sich zwar als radikaler Demokrat, nicht jedoch als Sozialist. Und IG-Metall-Vize Detlef Wetzel bemüht sich denn auch, Alinsky einzunorden: So sei die Basisbeteiligung längst Realität der IG Metall – dank Vertrauensleuten. Und auch Otto Brenner, der große Altvordere der IG Metall, habe bereits (wie Alinsky!) betont, dass der Kampf um Verbesserungen im täglichen Leben nicht möglich sei ohne den Kampf um die Verbesserung der sozialen Position der Arbeitnehmer. Spätestens jetzt ahnt man: Nicht jeder, der Radikaler genannt werden will, ist wirklich Einer.
Konferenz-Webseite: www.mission-gerechtigkeit.de
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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