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Dass Libyen im Mai 2006 in Washington endgültig von der Liste der »Schurkenstaaten« gestrichen wurde, hatte nicht zuletzt mit Einschätzungen der CIA zu tun. Gaddafis Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus sei »hervorragend«, Atomwaffen besitze oder produziere Tripolis sowenig wie Langstreckenraketen. Nun wurde bekannt, dass der USA-Auslandsgeheimdienst schon seit Wochen in Libyen agiert, um Gaddafi zu stürzen. Wie die »New York Times« und der Nachrichtensender CNN mit Berufung auf Regierungsmitarbeiter berichteten, unterstütze Washington die Aufständischen auch durch den Einsatz von Agenten. Nachdem die CIA-Vertretung in Tripolis nach Beginn der Unruhen schließen musste, weitete Präsident Obama die Rolle des Geheimdienstes bereits vor einigen Wochen per Direktverfügung aus – und das nicht nur, um bei der Rettung des Piloten eines über Rebellengebiet zerschellten Kampfjets zu helfen oder Kontakt zu den Aufständischen zu knüpfen. Die Agenten seien Teil einer »Schattenmacht« westlicher Akteure, von der man hoffe, dass sie mit verdeckten Aktionen Gaddafis Militär schaden können, schrieb die »New York Times«. Das Weiße Haus dementierte nicht. Nach Angaben von Regierungsbeamten in London operierten zudem Dutzende Agenten des britischen Geheimdienstes MI6 und Mitglieder von britischen Spezialkommandos in Libyen.
Die paramilitärische Spezialeinheit der CIA wird hauptsächlich in Afghanistan und in Irak eingesetzt. Ihre Personalstärke schätzen Experten auf einige hundert Mann; je nach Auftrag werden »Special Operations Groups« zusammengestellt, wobei die Teams meist aus vier bis zwölf Agenten bestehen. Während der Präsident vorgibt, sich an das Mandat des UN-Sicherheitsrats zum Schutz der Zivilbevölkerung zu halten und betonte, es werde keine Bodentruppen in Libyen geben, agieren die USA-Kampfflugzeuge als Bomberstaffel der Aufständischen, und den zitierten Insidern zufolge soll das CIA-Kommando mögliche Ziele für Luftschläge auskundschaften.
Bei Luftangriffen auf die libysche Hauptstadt sind nach Angaben des Vatikans auch Zivilisten getötet worden. »Die sogenannten humanitären Angriffe haben Dutzende Zivilisten in einigen Vierteln von Tripolis getötet«, sagte Giovanni Innocenzo Martinelli, der Apostolische Vikar von Tripolis, am Donnerstag der katholischen Nachrichtenagentur Fides. »Ich habe mehrere Augenzeugenberichte von vertrauenswürdigen Personen.« Im Stadtviertel Buslim sei ein ziviles Gebäude nach der Bombardierung eingestürzt. 40 Menschen seien dabei ums Leben gekommen.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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