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Von Folke Havekost, Hamburg
02.04.2011

Der Pott könnte strahlen

In Hamburg und Rotterdam wird über den Umgang mit radioaktiv verseuchten Frachtern diskutiert

Der GAU in Fukushima sorgt für Diskussionen in europäischen Häfen. Was tun mit potenziell verstrahlten Schiffen aus der Katastrophenregion?

Dieser Gast war in Hamburg willkommen: Auf ihrer Jungfernfahrt zur Taufe nach Kiel machte das 252 Meter lange Kreuzfahrtschiff »Aidasol« am Donnerstag in der HafenCity fest. Über kommende Gäste wird dagegen diskutiert: Mitte des Monats werden sechs Frachtschiffe aus Japan erwartet, die möglicherweise eine erhöhte radioaktive Belastung aufweisen. Der Hamburger Grünenvize Anjes Tjarks wies auf das »unkalkulierbare Risiko einer möglichen Kontamination« hin und forderte einen Notfallplan: »Wenn in zwei Wochen die ersten strahlenbelasteten Schiffe im Hamburger Hafen einlaufen wollen, muss klar sein, wie die Behörden damit umgehen.«

Die Hamburger Innenbehörde versammelt wöchentlich Vertreter von Hafenbehörde, Zoll und Flughafen, um ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Der Zoll, der im Kampf gegen Atomschmuggel regelmäßig Messungen vornimmt, kündigte an, Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk zu den Untersuchungen heranzuziehen. Der frisch ernannte Innensenator Michael Neumann (SPD) und Klaus-Dieter Peters, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), forderten vom Bundesumweltministerium »eindeutige Grenzwerte, die bisher nicht bestehen«.

»Scheinbar herrscht bei den Verantwortlichen große Ratlosigkeit, was mit den verseuchten Frachtern aus Japan passieren soll«, meint Norbert Hackbusch, hafenpolitischer Sprecher der Linksfraktion: Wenn selbst renommierte Prüfunternehmen wie der Germanische Lloyd (GL) darauf hinwiesen, dass es keine Erfahrungen mit verstrahlten Schiffen gibt, »unterstreicht dies umso mehr, dass sich die Welt seit dem Atomunglück in Fukushima verändert hat«. Der GL hatte Regelungen aus Brüssel verlangt, die EU den Umgang mit verdächtigen Schiffen jedoch zur einzelstaatlichen Angelegenheit erklärt.

Hamburg ist auf der Frachtschiffroute aus Ostasien eine der letzten europäischen Stationen. Andere Häfen, etwa Hamburgs großer Konkurrent Rotterdam, werden zuvor angelaufen. Die Niederländer verlangen von den Reedereien derzeit schriftliche Unbedenklichkeitserklärungen. »Sollte sich herausstellen, dass ein Schiff stark mit Strahlen belastet ist, haben wir die Möglichkeit, es in unseren Anlagen abzulehnen«, sagte Hafenfunktionär Peters. In der Praxis sei dies jedoch »nicht ganz so einfach«, erklärte der HHLA-Chef: »Sie können das Schiff dann ja nicht einfach irgendwo schwimmen lassen.«

Jährlich laufen etwa 300 Schiffe aus Japan den Hamburger Hafen an. Im vergangenen Jahr sorgten sie für 2,5 Prozent des Containerumsatzes. Davon entfällt allerdings nur ein minimaler Teil auf Schiffe, die in der Krisenregion um Fuku-shima beladen werden. Dennoch herrschen nun große Unruhe und Furcht vor erheblichen Einschränkungen im Warenverkehr. Die Hamburger Handelskammer ermittelte, dass 22 Prozent der örtlichen Unternehmen bereits jetzt über Umsatzeinbußen durch die Atomkatastrophe klagen. »Es ist uns ein Anliegen, dass nur wirklich notwendige Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen werden«, so CDU-Hafenexperte Olaf Ohlsen.

Reedereien treibt nicht nur die Sorge um ihre Besatzungen um: Strahlungsschäden an Schiffen werden von Versicherungen gewöhnlich nicht abgedeckt. Die Hamburger Reederei Hapag Lloyd lief zwischenzeitlich nur die japanischen Häfen Kobe und Nagoya an. Eine dreistellige Zahl von Containern im Umkreis von 120 Kilometern um Fukushima sei als Vorsichtsmaßnahme aus dem Verkehr gezogen worden, sagte eine Sprecherin.

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