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Von Martin Koch
12.04.2011

Endzeitprophet verliert sein Publikum

US-Sender »Fox News« entlässt rechts-konservativen Skandalmoderator Glenn Beck

Er ist einer der bekanntesten und einer der umstrittensten Journalisten der USA: der Rechtspopulist Glenn Beck (47), der in den Medien häufig gegen Homosexualität und Klimaschutz wettert, mehr öffentlichen Einfluss für die christliche Religion fordert und in Barack Obama einen Vorreiter der kommunistischen Weltverschwörung sieht. Wegen sinkender Quoten schmeißt ihn der TV-Sender »Fox News« nun raus.

Seit 2009 moderierte der zum Mormonentum konvertierte einstige Katholik eine tägliche Show, die anfangs Traumquoten erzielte. Doch damit ist es nun vorbei. In den letzten Monaten verlor Beck über zwei Drittel seiner Zuschauer, die er zuvor eindringlich gewarnt hatte, dass Linke und Islamisten seit dem Aufstand in Ägypten die Welt in ein globales Kalifat verwandeln wollten.

Erst vor wenigen Wochen hatte Beck mit seiner Äußerung, dass das Erdbeben in Japan eine Strafe Gottes für das verdorbene Verhalten der Menschheit gewesen sei, für Empörung gesorgt. Die kam sogar aus dem konservativen Lager, wo Becks zynische Attacken gegen Demokraten, Sozialisten, Gewerkschaftler und Umweltschützer ansonsten viel Applaus finden.

Obwohl mit den Zuschauern auch viele Werbekunden Beck den Rücken kehrten, weigerte er sich beharrlich, von seinen Verschwörungstheorien abzurücken. Immerhin genießt er als eine Art Lautsprecher der erzkonservativen »Tea-Party-Bewegung« die Unterstützung von Sarah Palin und wurde kurzzeitig sogar als künftiger Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten gehandelt.

Auch am vergangenen Donnerstag trat Beck vor die Kameras von »Fox News« und drohte seinem Publikum, wie so oft in den letzten Wochen, mit der bevorstehenden Apokalypse: »Das Ergebnis wird ein katastrophaler Kollaps sein. Es gibt keinen Ausweg. Was kommt, wird übel.« Um die Zuschauer nach dieser Hiobsbotschaft dennoch etwas zu trösten, fügte er leise hinzu: »Alles, was ich will, ist, dass ihr gerüstet seid. Damit ihr ein Obdach finden könnt.«

Nach diesem Auftritt, so scheint es, war selbst für den schwer rechtslastigen TV-Sender »Fox News« das Maß voll. Becks Vertrag, der im Dezember diesen Jahres ausläuft, wurde nicht verlängert. Man befürchte, erklärte Senderchef Roger Ailes, dass die Art und Weise, in der Beck die drängenden Probleme der Vereinigten Staaten bisher erzählt habe, bei den Zuschauern nicht mehr so recht ankomme. Ob Beck deshalb gefeuert worden sei oder vorsorglich gekündigt habe, ließ Ailes zwar offen, erklärte aber vielsagend: »Wir sind mit beidem ganz zufrieden!«

Trotz dieser Niederlage will der selbst ernannte Endzeitprediger »weiterkämpfen«. So spielt Beck bereits mit dem Gedanken, einen eigenen Fernsehkanal zu gründen, um seinen Landsleuten beizustehen, wenn die linke Weltverschwörung weiter an Boden gewinnt oder China sich gar anschickt, die USA zu versklaven.

Bedenkt man die nie versiegende Kommunistenangst vieler US-Amerikaner, dann ist ein baldiges Comeback des zornigen Propheten nicht ausgeschlossen, eher sogar wahrscheinlich. Vielleicht macht Beck ja noch als Politiker von sich reden.

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