Am Dienstag legte die Krankenkasse DAK den Gesundheitsreport 2011 für Berlin vor. Schwerpunktthema der jährlichen Untersuchung war erstmals die Gesundheit junger Arbeitnehmer. Über die gebe es bisher kaum Erkenntnisse, sagte Susanne Hildebrandt vom IGES Institut Berlin, das die Auswertung durchgeführt hat.
Gerhard Loder, Leiter des DAK-Regionalzentrums in Berlin, stellte insgesamt für die Hauptstadt fest: »Auffällig ist, dass insbesondere die Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen gestiegen sind.« Ausgewertet wurden die Daten der knapp 100 000 erwerbstätigen DAK-Mitglieder Berlins. Die Krankschreibungen aufgrund von Depressionen und ähnlichen Leiden sind im vergangenen Jahr, wie bereits 2009, um zwölf Prozent gestiegen. Auch junge Arbeitnehmer sind zunehmend von psychischen Krankheiten betroffen, so ein Fazit der Teilstudie, für die zusätzlich eine repräsentative Telefonumfrage durchgeführt wurde. Bundesweit wurden 3000 Erwerbstätige im Alter von 18 bis 29 Jahren befragt, darunter 200 junge Berliner. Häufigste Diagnose seien Infekte. Doch in Berlin seien auch psychosomatische Störungen auf dem Vormarsch. Fast ein Drittel der unter 30-Jährigen ist davon betroffen, bei acht Prozent wurde schon mindestens einmal die Diagnose Depression gestellt.
Das hänge unter anderem mit den Arbeitsbedingungen zusammen: Die lebenslange Anstellung sei ein Auslaufmodell, so Loder, zudem müsse man jederzeit erreichbar sein und sich ständig weiterbilden, um Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. »Das ist eine enorme mentale Belastung. Wer dem Tempo nicht gewachsen ist, läuft Gefahr psychisch zu erkranken.« Bundesweit finden 20 Prozent der Befragten ihren Beruf »sehr belastend«, 51 Prozent schätzten ihn »etwas belastend« ein.
Gleichzeit wies Loder auf ein unerwartetes Befragungsergebnis für Berlin hin: Rund 64 Prozent der jungen Arbeitnehmer fühlen sich unterfordert. Auch das führe zu Frust und psychischem Stress. In der betrieblichen Gesundheitsvorsorge solle der Fokus daher nicht nur auf Überforderung und Burn-Out liegen, sondern auch darauf, wie sich Unterforderung auswirke.
Als alarmierend befindet die Studie zudem, dass jeder zweite Befragte unter Rückenschmerzen leidet und Fettsucht und Bluthochdruck schon in jungem Alter zu den 50 häufigsten Krankheiten gehören. Die DAK appellierte an die Betriebe, ihren jungen Mitarbeitern Gesundheitskompetenz zu vermitteln und sie im Stressmanagement zu schulen.
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