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Von Stefan Otto
18.04.2011

Bittere Schokolade

Der Konzert-Klub Schokoladen in Mitte hofft, dass der Senat für den Erhalt sorgt

Fassade des Schokoladens in der Ackerstraße in Mitte
Fassade des Schokoladens in der Ackerstraße in Mitte

Die Schlinge um den Konzert-Klub Schokoladen beginnt sich immer fester zu ziehen. Die Gewerberäume in dem Hausprojekt in der Ackerstraße sind zum Jahresanfang gekündigt, und vermutlich wird der nächste Verhandlungstermin vor dem Landgericht dem Eigentümer Markus Friedrich den Räumungstitel bringen. »Für Gewerberäume müssen keine Kündigungsgründe angegeben werden«, erläutert Moritz Heusinger, der Anwalt des Schokoladens. Nach dem Vertragsende gebe es für einen Mieter kaum mehr eine Chance, in den Räumen zu verbleiben. Davon betroffen ist der Schokoladen selbst, aber auch der Club der Polnischen Versager nebenan und ein Theater sowie Ateliers und Proberäume.

Angesichts der ausweglosen Situation hofft die Hausgemeinschaft nun auf eine Rettung durch die Politik. Ephraim Gothe (SPD), der Baustadtrat in Mitte, signalisierte bereits seine Unterstützung. Er bestätigte am Freitag während eines Frühstücks im Schokoladen das öffentliche Interesse am Erhalt des Projektes. »Hier trifft man noch das Lebensgefühl der 90er Jahre. Damit ist Berlin bekannt geworden«, sagte er.

Das erste Konzert im Schokoladen fand am 2. Oktober 1990 statt. Es war eines der vielen besetzten Häuser in Berlin. Im Rückblick erscheint diese Aufbruchszeit nach der Wende so legendär wie Berlins späte 20er Jahre, und nicht zuletzt darauf fußt der Touristenboom der Stadt. Noch immer treten im Schokoladen fast täglich Bands auf. Nachdem das Café Zapata im Tacheles und der Knaack-Club in der Greifswalder Straße schließen mussten, wird der Schokoladen für die Berliner Musik-Szene immer wichtiger.

Gothe versucht bereits seit einigen Monaten, in dem sich zuspitzenden Konflikt zu vermitteln. Er bot Friedrich ein Kompensationsgeschäft an: Wenn er das Haus an die derzeitigen Nutzer verkauft, erhält er dafür Bauland auf der Freifläche an der Ecke Ackerstraße, Invalidenstraße. Inhaber des 7500 Quadratmeter umfassenden Geländes ist der landeseigene Liegenschaftsfonds. Gothe will das Areal in kleine Grundstücke unterteilen, um dort sowohl Platz für die Kreativwirtschaft als auch zum Wohnen in unterschiedlichen Preissegmenten zu ermöglichen. Eine dieser Parzellen soll Friedrich erhalten.

Bislang lehnte der Eigentümer des Schokoladens zwar ein Kaufangebot der Nutzer über eine Million Euro ab – angeblich habe er einen Interessenten, der ihm für die Immobilie 1,8 Millionen biete. Doch gegenüber einem Tausch, wie ihn der Bezirk vorsieht, zeigt er sich nicht abgeneigt. Nur wolle er dabei nicht übers Ohr gehauen werden, betont Friedrich in einem Telefonat mit ND. Ein denkmalgeschütztes Haus mit 1700 Quadratmeter Nutzfläche werde er nicht gegen eine 400 Quadratmeter umfassende Parzelle auf der Wiese aufgeben.

Am Frühstückstisch saß Friedrich nicht; derzeit gibt es keine direkten Gespräche zwischen ihm und dem Schokoladen, nur die Anwälte tauschen Schriftstücke aus. Mittlerweile sind nicht nur die Gewerberäume im Haus gekündigt, sondern auch den 20 Bewohnern des Hauses. Ein solches Verhalten ärgert Moritz Heusinger. Der Anwalt appelliert an Friedrich, die Klagen während der Verhandlungen ruhen zu lassen, um eine bessere Atmosphäre zu schaffen.

Auf einen Beginn der Gespräche vor dem nächsten Gerichtstermin hoffen jetzt die Nutzer des Schokoladens. Noch hat aber Baustadtrat Gothe dafür kein Mandat vom Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds erhalten, dem die Senatsverwaltungen für Finanzen, Wirtschaft und Stadtentwicklung angehören. Der Grund für die zögerliche Haltung liegt an Alternativoptionen für eine Vergabe. Denn auch die Modemacherin Jette Joop will dorthin ihren Firmensitz verlegen. Bekäme sie den Zuschlag, wären die Tage des Schokoladens gezählt.

Die Alternativkultur hätte dann in Berlins Mitte wieder einmal das Nachsehen.

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