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Von Andreas Heinz
21.04.2011

»Die Mauer haben wir adoptiert«

Topographie des Terrors: Ausstellungsgraben wieder geöffnet / Rundgang mit Andreas Nachama

Andreas Nachama im Ausstellungsgraben der Topographie des Terror
Andreas Nachama im Ausstellungsgraben der Topographie des Terrors

Er hat die Übersicht und gleichzeitig einen Blick fürs Detail. Trotz allen Entsetzens über die ihm täglich sichtbaren Hinterlassenschaften des Hitler-Faschismus auf dem Gelände der Topographie des Terrors im Berliner Stadtteil Kreuzberg hat Andreas Nachama auch ein Schmunzeln über die Bürokratie der Gegenwart übrig. Der Geschäftsführende Direktor der gleichnamigen Stiftung tritt im Ausstellungsgraben auf eine Gehwegplatte, die noch bedenklich wackelt, bittet einen Handwerker um Beseitigung der Stolperfalle. Nach einer Winterpause, die der Auffrischung der Dokumentation diente, ist der Graben ab Ostersamstag wieder täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet

Dann deutet Nachama im Ausstellungsgraben auf metallene, etwa dackelkleine Gebilde, die im Boden entlang des Weges stecken. »Das sind Leuchten, die der Sicherheit der Besucher dienen sollen. Zwei Lux Leuchtkraft müssen sie haben. Ob das hilft ...?«

Zwischen zwei dieser Bodenleuchten macht Nachama auf verwitterte Treppenstufen aufmerksam. »Das war der Haupteingang des Hotels Prinz Albrecht, des späteren Hauptquartiers der Gestapo.« In den Jahren 1887/88 wurde der Hotelkomplex mit dem Namen »Römerbad« errichtet, später umbenannt in Hotel »Prinz Albrecht«. Ab 1934 besetzte die SS das Gebäude als Hauptquartier.

Auf der gegenüber liegenden Seite zieht sich ein Teil der Berliner Mauer entlang des Gehsteigs, ein Geländer soll zu große Nähe der Besucher verhindern. »Manche können es nicht lassen«, meint Nachama und zeigt auf Löcher, die den Blick auf die Wilhelmstraße freigeben. »Da versuchten schon Menschen durchzukriechen und blieben stecken.« »Um sie davor abzuhalten, haben wir den Handlauf gebaut. So haben wir die Mauer adoptiert«, lächelt er.

Ein Teil des Gehsteigs ist nach altem Vorbild gestaltet: kleinformatiges Pflaster neben großen Steinquadraten. »Das ist die Charlottenburger Platte«, erklärt Andreas Nachama.

In einer Wand davor ist ein Kalender installiert, der über die im Hitler-Faschismus geschaffenen Feiertage informiert. Unter dem Datum 9. November 1938 ist der »Gedenktag für die Gefallenen« zu finden. »Aus diesem Treffen heraus kam es zur Reichspogromnacht«, erläutert der Stiftungsdirektor. Der 30. Januar 1933 war für die Nazis der »Tag der nationalen Erhebung«. Hitler übernahm die Macht.

Auch die 1933 geschaffenen »Eintopfsonntage« fehlen nicht. Am zweiten Sonntag der Monate Oktober bis März sollte in allen deutschen Haushalten nur Eintopf gegessen werden. Die Differenz zwischen den Kosten für ein »normales Sonntagsessen« und denen für den Eintopf wurde generell mit 50 Pfennig veranschlagt und dem Winterhilfswerk zugeschlagen. Der Eintopfsonntag wurde am 1. Oktober 1933 als »Zeichen der Solidarisierung mit der Volksgemeinschaft« eingeführt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff »Eintopfsonntag« durch die Bezeichnung »Opfersonntag« getauscht.

In unmittelbarer Nachbarschaft erinnern großformatige Fotos an die Verfolgung der »Asozialen«. Nach einem Erlass von 1933 konnten gegen Bettler, Landstreicher und »Asoziale« harte Strafen verhängt werden. Als »asozial« galt, wer sich »gemeinschaftswidrig« verhielt.

Beim Blick auf den Ausstellungsgraben erinnert Andreas Nachama auch an die aktuellen Probleme, die mit solch einer Freiluftausstellung einhergehen. »Die Tafeln und Hörstationen sind ja Tag für Tag Wind und Wetter ausgesetzt. Die Glasscheiben zum Beispiel bekommen Frost und können zerspringen. Die Medienstationen sind auch anfällig. Insgesamt ist die Wartung sehr mühevoll. Deshalb nutzen wir die Wintermonate, um die Dokumentation auch äußerlich aufzufrischen.«

»Pro Stunde zählen wir im Schnitt 200 Besucher auf dem Gelände«, berichtet der Pressesprecher der Stiftung, Kay-Uwe von Damaros. »Wir hoffen das bisherige Jahresniveau von 500 000 Besuchern halten zu können.« Seit 1987 wird auf dem Areal gegenüber dem Abgeordnetenhaus und des Martin-Gropius-Baus, des damaligen Kunstgewerbemuseums, an den Verfolgungs- und Terrorapparat der Nazis erinnert. Hier saßen die Schaltzentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamtes.

Topographie des Terrors, Niederkirchnerstr. 8, Kreuzberg, täglich geöffnet von 10 bis 20 Uhr, Eintritt frei; www.topographie.de

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