Linker Journalismus ist nicht umsonst! Was soll das hier?

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Wolfgang Hübner
21.04.2011

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Focus, Lötzsch und Thälmann

Das Münchner Magazin »Focus« hat einen Artikel über Ernst Thälmann veröffentlicht, der alle Anforderungen an antikommunistische Publizistik erfüllt. Beinahe mehr als die Figur Thälmann beschäftigt den Autor, warum es heute in Ostdeutschland immer noch so viele Thälmannstraßen und -plätze gibt und ob man sie nicht schleunigst umbenennen sollte.
Garniert ist der drei Seiten lange Beitrag mit Politikerstimmen über Thälmann. Die Linkspartei-Vorsitzende Gesine Lötzsch wird nach der kommentierenden Bemerkung »In Treue fest verbunden zu dem KPD-Führer steht die Linkspartei« so zitiert: »Die Linke wird immer daran erinnern, dass es mutige Menschen gab, die sich Hitler in den Weg stellten und dafür ihr Leben opferten.« Aha, sollen die Leser assoziieren, alles klar: Thälmann – Lötzsch – Wege zum Kommunismus.

Einer Redaktion steht es natürlich frei, Zitate auszuwählen und wegzulassen. Von Interesse ist dennoch, welche Fragen der »Focus« schriftlich an Lötzsch gerichtet und was diese geantwortet hatte. Deshalb tragen wir das hier nach:

Focus: Wie sehen Sie (die Linke) heute Thälmann, der ja für die Zwangsvereinigung mit der SPD steht?
Lötzsch: Nach elf Jahren Isolationshaft wurde Ernst Thälmann 1944 in Buchenwald im Auftrage Hitlers erschossen. Die Vereinigung von KPD und SPD erfolgte 1946. Allein die Chronologie zeigt, dass die Frage absurd ist.

Focus: Ist er so uneingeschränkt positiv zu sehen, dass es immer noch rund 600 Plätze und Straßen gegeben sollte, die nach ihm benannt sind?
Lötzsch: Thälmann hat große Verdienste im Kampf gegen Hitler erworben, der den schlimmsten Krieg in der Geschichte der Menschheit geführt hat. Deshalb ist es für mich erstaunlich, dass es in unserem Land noch vor wenigen Jahren Städte gab, die Hitler als Ehrenbürger führten.

Focus: Könnte das riesige Thälmann-Denkmal in Prenzlauer Berg nicht endlich abgerissen werden?
Lötzsch: Natürlich gibt es in der Bundesrepublik Menschen, die die Erinnerung an den kommunistischen Widerstand gegen den Faschismus auslöschen wollen. DIE LINKE wird immer daran erinnern, dass es mutige Menschen gab, die sich Hitler in den Weg stellten und dafür ihr Leben opferten.

Eine seriöse Zeitung hätte angesichts der geistfreien ersten Frage schamhaft geschwiegen. Aber das kann man vom »Focus« wohl nicht erwarten.

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