Von Barbara Martin, Stuttgart
21.04.2011

Zu viel Atomkraft im Mix

EnBW ist für eine Energiewende schlecht aufgestellt

Der drittgrößte Atomkonzern Deutschlands soll grün werden. So will es jedenfalls die neue grün-rote Landesregierung, einer der beiden Hauptanteilseigner. Wie das zu machen sein soll, blieb auch auf der EnBW-Hauptversammlung am Dienstag in Karlsruhe unklar.

EnBW-Chef Hans-Peter Villis erklärte zwar, er wolle mit der neuen Landesregierung gut zusammenarbeiten. Da er aber auch seiner alten Überzeugung treu blieb, wonach Atomenergie eine Zukunftstechnologie sei, gelang es ihm nicht so recht, die versammelten Aktionäre von einem ernsthaften Umsteuern zu überzeugen. In Baden-Württemberg betreibt die EnBW vier Atomkraftwerke. Durch das Moratorium der schwarz-gelben Bundesregierung ist die Hälfte davon – Neckarwestheim I und Philippsburg I – derzeit nicht am Netz. Sollten die Werke abgeschaltet bleiben, prognostizierte Finanzvorstand Thomas Kusterer 150 Millionen Euro Verlust in diesem Jahr. Vorstandschef Villis sprach gar von »400 bis 450 Millionen Euro im schlimmsten Fall«.

90 Prozent ihres Gewinns erwirtschaftet EnBW mit Stromerzeugung, zwei Drittel davon mit Atomkraft. In erneuerbare Energiegewinnung hat der Konzern in den vergangenen Jahren mehr auf Schau als auf Masse gesetzt. Hier mal ein Wasserkraftwerk, dort mal ein paar Investitionen in Windkraft. Letztlich haben Villis und Co sich stets auf den Atomkurs der Bundesregierung verlassen. Die Katastrophe von Fukushima ist hier noch nicht begriffen worden.

Auch der Regierungswechsel im Ländle wird dem Konzern Schwierigkeiten bereiten. Als der demnächst scheidende Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) Ende vorigen Jahres etwas mehr als 45 Prozent der EnBW-Aktien für etwa fünf Milliarden Euro gekauft hatte, waren Grüne und SPD bei der Absegnung des Deals aus dem Landtag ausgezogen. Sie hatten sich darüber geärgert, dass sie vorab nicht gefragt worden waren, die Teil-Verstaatlichung an sich allerdings fanden beide Fraktionen damals im Grunde genommen in Ordnung.

Inzwischen wissen die neuen Regierungsparteien, dass sie mit dem EnBW-Paket vor allem Geldsorgen übernehmen. Die Idee von Mappus, den Kauf aus den Ausschüttungen des Konzerns zu bezahlen, ist nach Fukushima eher unwahrscheinlich. Die EnBW ist schlecht aufgestellt für die Energiewende und mit Atomkraft will eine grün-rote Landesregierung keine Gewinne erzielen. So haben sich die beiden Parteien in ihren derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen bereits darauf geeinigt, die beiden alten AKW Neckarwestheim und Philippsburg I endgültig abzuschalten.

Um eine neue Politik in dem Unternehmen durchzusetzen, braucht es auch entsprechenden Einfluss im Aufsichtsrat. Die alte schwarz-gelbe Regierung hatte noch Justizminister Ulrich Goll (FDP) und Staatsminister Helmut Rau (CDU) dafür nominiert. Nach der Landtagswahl forderte der designierte Ministerpräsident Kretschmann die beiden auf, die Posten nicht anzutreten – die zwei lehnten ab und wurden nun gewählt. Laut Kretschmann hätten beide erklärt, ihre Aufsichtsratsämter zur Verfügung zu stellen, wenn die neue grün-rote Landesregierung im Amt sei. Goll signalisierte, dass er dazu bereit wäre, Rau ließ verlauten, er wolle das auf vier Jahre vergebene Amt »bis auf weiteres« ausüben.

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