Von Dominik Clemens
30.04.2011

Rechtsextreme ohne Raum

NRW: Wirt setzt »Akademiekreis« vor die Tür

Zu einer Tagung mit dem Titel »Die europäischen Völker und ihre abendländische Kultur« hatte der extrem rechte »Akademiekreis« für diesen Sonnabend in ein Gasthaus in Euskirchen eingeladen. Nun hat der Gastwirt sein Haus in der Voreifel für die Veranstaltung gesperrt.

Eine für den heutigen Sonnabend im nordrhein-westfälischen Euskirchen geplante Veranstaltung des extrem rechten »Akademiekreises« fällt aus. Mit falschen Angaben hatte sich der rechte Diskussionszirkel in ein Gasthaus in der Voreifel eingemietet. Auf Hinweise reagierte der Wirt am Donnerstag prompt – und setzte die illustre Gesellschaft vor die Tür. Zu der Tagung mit dem Titel »Die europäischen Völker und ihre abendländische Kultur« hatten die Organisatoren bis zu 160 Teilnehmer erwartet.

Weg in die NPD

Die braunen Fäden laufen bei Werner Keweloh aus dem benachbarten Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) zusammen. Der Diplom-Politologe ist ein umtriebiger Referent bei Organisationen verschiedener Strömungen der extremen Rechten. Zunächst war er im rechtskonservativen Milieu aktiv, etwa im Umfeld der »Deutschen Partei«.

In den vergangenen Jahren wandte sich Keweloh zunehmend dem offen neonazistischem Spektrum zu. Ende 2009 meldete die NPD, dass der »in nationalen Zusammenhängen geschätzte Autor und Referent« künftig die Reihen der Partei im Rhein-Sieg-Kreis stärken werde. Keweloh ist auch Autor des Neonazi-Blattes »Volk in Bewegung & Der Reichsbote«. In einer älteren Selbstdarstellung präsentierte sich sein Diskussionszirkel unverfänglich: »Der Akademiekreis wendet sich mit Vortrags- und Diskussionsprogrammen an die Öffentlichkeit.«

Das Fachportal »Blick nach Rechts« berichtete, dass Keweloh für die in Euskirchen geplante Veranstaltung neben anderen Olaf Rose und Rigolf Henning eingeladen habe. Rose gilt als Geschichtsrevisionist und ist seit 2006 für die NPD tätig. Für die Partei sitzt er auch im Stadtrat des sächsischen Pirna. Auch Henning ist NPD-Kommunalpolitiker und vertritt seine Partei in Stadtrat und Kreistag in Verden (Niedersachsen).

Redner aus dem Ausland

Eine erste Veranstaltung des »Akademiekreises« mit rund 60 Teilnehmern hatte in der betroffenen Gaststätte bereits im November 2010 stattgefunden. Seine Gäste habe der Wirt damals nicht als Rechtsextremisten erkannt. »Aber ich hatte schon damals ein mulmiges Gefühl.« Es seien Redner aus dem Ausland angereist, in den Vorträgen sei vom »Deutschen Reich« gesprochen worden.

Damals referierte neben anderen die vorbestrafte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Auch eine Delegation rechtsextremer und antisemitischer Russlanddeutscher um Johann Thießen hatte an der Veranstaltung in Euskirchen teilgenommen. Thießen ist Vorsitzender der »Schutzgemeinschaft ›Deutsche Heimat‹ der Deutschen aus Russland e.V.«, einer beim Amtsgericht Düren eingetragenen neonazistischen Kleinstorganisation sogenannter Spätaussiedler.

Mit den rechten Treffen in Euskirchen ist nun erst einmal Schluss: »Die kommen hier nicht mehr rein. Und wenn ich die Türen verschließen muss«, versicherte der Gastronom.

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