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Von Katja Herzberg 07.05.2011 / Titel

»Aufschrei« gegen deutsche Waffenexporte

Ein breites Bündnis von Kriegsgegnern will den Handel von Rüstungsgütern »made in Germany« mit neuer Kampagne stoppen

Mit einer bundesweiten Kampagne wollen Nichtregierungsorganisationen Waffenexporte aus Deutschland stoppen. Ihr Sprecher ist der Träger des Aachener Friedenspreis 2011.
Protestaktion der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereini
Protestaktion der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner gegen die Indienststellung eines Kriegsschiffs

Die Nachricht hätte für ihn zu keinem besseren Zeitpunkt bekannt werden können: Der langjährige Abrüstungs- und Friedensaktivist Jürgen Grässlin erhält den diesjährigen Aachener Friedenspreis. Die Kampagne »Aktion Aufschrei« gegen den Waffenhandel der deutschen Bundesregierung, die Grässlin als deren Sprecher gestern in Berlin vorstellte, wird damit noch mehr Beachtung finden. Zehn Organisationen der Friedens- und Menschenrechtsarbeit fordern ein generelles Exportverbot deutscher Waffen und Rüstungsgüter im Grundgesetz. Bis zur Bundestagswahl 2013 wollen die Initiatoren 262 000 Unterschriften sammeln.

Deutschland ist nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Dabei nehme die Bundesregierung keine Rücksicht darauf, ob die Empfängerländer der Gewehre, U-Boote und alten Panzer von Diktatoren oder autoritären Regimes geführt werden, meint das Bündnis. So gelangten deutsche Waffen etwa im libyschen Bürgerkrieg auf beide Seiten. »Krieg ist gut fürs Geschäft«, interpretiert Grässlin diese Politik. Doch das wolle die deutsche Bevölkerung nicht mehr. Die »Aktion Aufschrei« werde von Kirchen, Friedensaktivisten, Ärzten und Juristen unterstützt und stehe damit für eine »breite Masse in der Bundesrepublik«, erklärte Christine Hoffmann, Generalsekretärin der katholischen Friedensorganisation »pax christi«.

Der internationale Waffenhandel töte Menschen und konterkariere die Bekämpfung von Hunger und Armut in vielen Entwicklungsländern. Als besonders verwerflich stellten sich laut Grässlin zurzeit die Waffenexporte Deutschlands nach Tunesien, Ägypten und Libyen dar. »Die Bundesregierung verschweigt ihre massive Mitschuld an Repression in Ländern, wo sich nun die Bevölkerung wehrt«, kritisierte der Freiburger die mangelnde Transparenz über die Rüstungsexporte. Die entsprechenden Berichte der Bundesregierung seien wenig aussagekräftig. Erwiesen ist, dass Deutschland 2009 Waffen im Wert von sieben Milliarden Euro ins Ausland lieferte. Vor allem Kleinwaffen gelten als Exportschlager. Wie viele Menschen durch Waffen »made in Germany« bislang starben, könne man nur schätzen. Grässlin geht allein von 1,5 Millionen Toten durch Waffen von »Heckler & Koch« aus. »Das ›G36‹ ist das tödlichste Gewehr der Welt«, so der Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner.

»Seit den 80er Jahren arbeitet er mit beeindruckender Energie und Unermüdlichkeit für den Frieden, vor allem für Verbote von Rüstungsproduktion und Rüstungsexporten«, begründete der Aachener Friedenspreis die Wahl Grässlins. Die neue Kampagne zeigt, dass sich der 57-Jährige auch weiter mit Veröffentlichungen sowie Protest- und Hilfsaktionen für Frieden und Abrüstung einsetzen will. Neben Grässlin erhält die Tübinger Informationsstelle Militarisierung e.V. am 1. September den Aachener Friedenspreis. Die »antimilitaristische Denkfabrik« habe während ihres 15-jährigen Wirkens Hintergrundinformationen, Analysen und Einschätzungen geleistet, »die für die Friedensbewegung so wichtig sind«, erklärte Verein, der den Preis seit 1988 vergibt.

www.aufschrei-waffenhandel.de

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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • JaneO., 07. Mai 2011 13:20

    Transparenz

    möchte ich. Denn ich würde wirklich sehr gerne wissen aus welchen Posten sich die unglaublich tolle Exportbilanz dieses Landes zusammen setzt, welche schon länger durch die Medien wabert.
    Wie hoch wohl der Anteil an Rüstungsexporten hierbei ist?
    JaneO.

    • Permalink

  • Realkritiker, 08. Mai 2011 03:34

    Nieder mit den deutschen Kriegswaffen

    hoch mit den "Russischen Friedenswaffen !!! Das beste Beispiel sind die "Russischen Friedenspanzer" die gerade in Syrien Frauen, Kinder und Zivilisten niedermetzeln, was im ND bislang verschwiegen wurde. Nicht zu vergessen sind die russischen Kalaschnikows bei der Jagd auf die nach Freiheit rufenden Bevölkerung auf den Straßen in Syrien. Kompletttiert wird das von den russischen MIGS mit denen auch Gaddafi die libyesche Zivilbevökerung bombardierte bis die NATO eingriff. Aber wie es aus dem Tenor der ND Redakteure hervorgeht, sind das ja "Russische Friedenswaffen" und nur die Deutschen exportieren Kriegswaffen. Demnach müssen wir von den Russen noch den kleinen aber feinen Unterschied lernen um nicht mehr von den Linken und ihren Hofschreibern vom ND als einzige Waffenexporteure der Welt verurteilt und gebrandmarkt zu werden. Ich liebe die ausgewogene und neutrale Berichterstattung des ND. Schätze aber, dass sich das bei der Deutschen Bevölkerung noch nicht rumgesprochen hat und deshalb das ND um Abonnenten betteln gehen muß !!!

    • Permalink

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