Von Sonja Vogel
11.05.2011

Der Wohnraum wird knapp

BBU verzeichnet immer weniger Leerstand / Bisher sind nur wenige Neubauten geplant

Im Zehnjahresvergleich halbierte sich der Leerstand. Grafik: BBU
Im Zehnjahresvergleich halbierte sich der Leerstand. Grafik: BBU

In Berlin wird der Wohnraum knapp. Das bestätigte gestern der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU). Ende 2010 standen demnach nur noch 3 Prozent der Wohnungen aus dem Bestand der 142 BBU-Mitgliedsunternehmen leer. Vor zehn Jahren war der Leerstand noch doppelt so hoch. Insgesamt bewirtschaften die BBU-Mitglieder 700 000 Wohnungen und decken rund 40 Prozent des Berliner Mietwohnbestandes ab. 2010 blieben 20 055 Wohnungen des BBU-Bestandes unvermietet.

»In den meisten innerstädtischen Bezirken liegen die Leerstandquoten sogar bei unter drei Prozent«, berichtete BBU-Vorstand Maren Kern. Mit 1,3 Prozent am niedrigsten ist der Leerstand demnach in Tiergarten. Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der der Leerstand in einigen Bezirken zurückgeht: In Tiergarten sank die Quote im Vergleich zum Jahr 2009 mit 1,4 Prozentpunkten am schnellsten; in Wedding, Marzahn und Hellersdorf sank der Leerstand um 1 Prozent.

Demnach bietet zwar die Innenstadt die begehrtesten Wohnlagen. Gleichzeitig geht der Leerstand in den Randbezirken am schnellsten zurück. »Auch die zentrumsfernen Bezirke haben Rückenwind erhalten«, so Maren Kern. »Der Leerstand wird dort im nächsten Jahr stark sinken.« Die stark rückläufigen Leerstände der Außenbezirke legen nah, dass vermehrt einkommensschwache Mieter an den günstigeren Rand verdrängt werden. Insgesamt nehme die Fluktuation laut BBU jedoch ab. 2010 zählte der Verband 8000 Umzüge weniger als im Vorjahr. Für Kern eine positive Nachricht. »Die Berliner sind sehr ortstreu«, erklärte sie. Bei der jetzigen Wohnungsmarktsituation schlägt jedoch jeder Wohnungswechsel zu Buche. Bei Neuvermietungen werden bis zu 20 Prozent auf den Mietpreis aufgeschlagen – einen Umzug versuchen darum viele zu vermeiden.

Die Leerstandquote von 3 Prozent unter den BBU-Mitgliedsunternehmen ist deckungsgleich mit der vom Senat angestrebten Fluktuationsreserve. Zieht man jedoch die 0,8 Prozent des Bestandes ab, die nach Angaben der BBU »schwer vermietbar« sind, beträgt die Leerstandsquote nur noch 2,2 Prozent. Damit gebe es Handlungsbedarf, neue Wohnungen müssten her. Der Verband verweist allerdings auf die besonders niedrige Leerstandquote der eigenen Mitglieder. »Es gibt noch genügend Wohnraum«, so Kern. Insgesamt stünden in Berlin 80 000 Wohnungen zur Verfügung.

Bereits im April hatte eine vom Senat in Auftrag gegebene Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) solche Zahlen allerdings nach unten korrigiert. 66 Prozent des Leerstands stehen den Mietern laut IBB gar nicht zur Verfügung. Nimmt man die Vattenfall-Stromzähler-Ergebnisse zur Grundlage, waren 2010 sogar nur 32 500 Wohnungen marktaktiv leer – das sind lediglich 1,72 Prozent des Berliner Wohnungsbestandes. Ein gesteigerte Bedarf an Wohnraum wird die Lage zukünftig noch weiter verschärfen. Nach Schätzungen des Senats wird die Zahl der Haushalte in Berlin bis 2020 um 130 000 wachsen. Der BBU geht darum von einem Bedarf an mindestens 60 000 Neubauten aus. Die Mitgliedsunternehmen des Verbandes planen für dieses Jahr 157 neue Wohnungen. Zwar steige der Bedarf an Neubauten, erklärt Maren Kern diesen Widerspruch, doch »ein Gros der Berliner kann sich die Neubaumieten nicht leisten«. Zur Zeit liegt deren Durchschnittswert bei 9,5 Euro nettokalt. Eine 60-Quadratmeterwohnung kostet also 600 Euro kalt – doppelt so viel wie die BBU-Durchschnittsmiete. Kern erwartet, dass die Neubaumieten mit Hilfe des Senats bis auf 6 Euro zu drücken sind. Konkret würde das bedeuten: zinsverbilligte Darlehen und vergünstigte Grundstücke. Bauland gebe es auch im Innenstadtbereich genug.

Für jene, die sich Neubaumieten von bis zu 10 Euro nicht leisten können, wird das Angebot weiter schrumpfen. Ausgerechnet das Scheitern des Sozialen Wohnungsbaus in Berlin nehmen die BBU nun zum Anlass, eine Verschärfung des Zugangs zu subventioniertem Wohnraum zu fordern. »Eine Neuordnung der Gieskannenförderung« forderte Kern. Wohnraumförderung solle es künftig nicht mehr für die 700 000 Mieter mit Wohnberechtigungsnachweis geben, sondern nur noch »für nachgewiesen Bedürftige«.

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