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Von Volkmar Draeger
20.05.2011

Radio in drei Dimensionen

ARD-Hauptstadtstudio zeigt ungewohnte Ansichten alter Rundfunkgeräte

In manche Exponate ist man auf Anhieb verliebt. Nora, Modell W3 L von 1930, ein Halbrund-Hochformat in dunklem Bakelitgehäuse, würde mit seiner fast jugendstilhaft verschlungenen Blume vor dem Verstärker noch heute jedem Wohnzimmer zur Zier gereichen. Und Modell 215 WL der AEG aus dem Jahr 1935, ein Dreiröhren-Einkreiser mit der Zusatzbezeichnung »Deutschlandmeister« und einer unten vorstehenden Skala, erinnert in seiner eleganten Gliederung beinah an ein Empire-Möbel. Sie beide und 28 weitere Rundfunk-Oldtimer kann man derzeit im ARD-Hauptstadtstudio bestaunen. Nicht die Geräte selbst, wohl aber dreidimensionale Ansichten, wie sie eine 3D-Brille ermöglicht. Von den wahren Abmaßen erhält man keinen Eindruck, etwa dem nur 18 Zentimeter hohen Metz-Baby, einem Röhren-Kofferradio von 1950, wohl aber von der Entwicklung einer Unterhaltungsindustrie, die noch vor dem Fernsehen und dem Internet unser Leben revolutioniert hat.

Rund 1500 Geräte der Empfangstechnik wie Radios und Fernseher umfasst die Sammlung im Deutschen Rundfunkarchiv; hinzu kommen circa 300 Geräte der Studio- und Sendertechnik wie Mikrofone, Verstärker, Film- und Fernsehkameras, zudem 2500 Zubehörteile und Röhren. Was ein 1964 gegründeter Verein gesammelt und unter dem Funkturm ausgestellt hatte, fand ab 1997 seinen Platz im Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) Potsdam. Auch die nun im ARD-Studio mit seiner modernsten Sendetechnik gezeigten Aufnahmen stammen aus den Beständen des DRA.

Was sich mit der gewählten Aufnahmemethode, dem schon 1853 von Wilhelm Rollmann zu Leipzig erfundenen Anaglyphverfahren, gut wiedergeben ließ, präsentiert die Schau »Libelle, Baby, Heinzelmann«: Radios verschiedener Firmen und mit liebevollen Namen, die so plastisch lauten, wie die Bilder mit Brillenblick wirken. Fast ein halbes Jahrhundert Bemühen um den besten Rundfunkempfänger spiegelt sich in ihnen.

Älteste Exemplare sind Geräte von 1924, ob der hölzerne Lautsprecher von Neufeldt & Kuhnke, Telefunkens kastenförmiger Detektor-Empfänger für Kopfhörer-Betrieb, ein Steilpult-Radio unbekannter Herstellung nur für Ortssender. Was Grundig 1973 als Modell Stellit 2000 auf den Markt brachte, ein tragbarer Weltempfänger mit leistungsstarkem Kurzwellenbereich, bildet den Übergang zu modernerer Technik. Dazwischen liegen all die Versuche einer Verfeinerung von Hörqualität und Design.

An Loewes Modell OE 333 von 1926, mit einer Röhre als komplexem Mehrfachsystem, hat Manfred von Ardenne mitentwickelt. Modell 10 von 1928, ein monströser Drei-Röhren-Ortsempfänger von Telefunken mit diversen Einstellmöglichkeiten, schaut aus, als wolle es gleich die ganze Welt elektrifizieren. Zum finsteren Propagandainstrument der Nationalsozialisten wurde der auch äußerlich düstere Volksempfänger, wie ihn hier Modell VE 301 W von 1933 repräsentiert. Seibts Modell Violine GW von 1948 steht für die Radios aus den Mangeljahren nach dem Weltkrieg; mit Hochglanzgehäuse punktet bereits Philips’ Modell Jupiter von 1950.

Dann bricht die Ära der Kofferradios an, so 1953 Modell Johnny von Akkord: mit einer Bespannung aus Krokodilimitat für die Damenwelt. Bei Schaubs Modell Libelle aus demselben Jahr, preiswert und schlicht, liegt die Skala oben, Telefunkens Modell Jubilate 7 von 1956 bot UKW, Mittelwelle und Langwelle an. Und Sabas Modell Wildbad 12 von 1962, mit »Raumklang«- respektive »3D-Klang«-Eigenschaften, sah ungefähr so aus wie die Radios, vor denen wir zeitgleich auch in der DDR saßen: im Kurzwellen-Gefummel nach Radio Luxemburg und seiner meist wüst gestörten »Hitparade« am Sonntagnachmittag suchend. Kalter Krieg tobte sich da wohl auch im Äther aus.

Bis 27.5., ARD-Hauptstadtstudio, Wilhelmstr. 67a, Mitte, Anmeldung unter Telefon 22 88 11 00, www.ard-hauptstadtstudio.de

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