Wann immer es in dieser Stadt um linke Aktionen oder Aktivitäten geht, lassen die reflexhaft krittelnden oder gar diffamierenden Stimmen nicht lange auf sich warten. Was in Print und Web publiziert wird, hat dann häufig mit sachlichem Journalismus nichts mehr zu tun.
Nicht nur die Springerpresse verstieg sich beispielsweise im Vorfeld der Demonstration am Samstag in Kreuzberg in düsterste Bilder, befürchtete Krawalle schlimmer als am 1. Mai. Hinterher berichten die einen dann doch wahrheitsgetreu von einer friedlichen Demo, während andere es nicht lassen können, antirassistisches und antifaschistisches Engagement klein zu reden. Hätte es Ausschreitungen gegeben, wären mit Sicherheit wieder »hunderte linksradikaler und gewaltbereiter Autonome« durch die Medien gegeistert – da es jedoch friedlich blieb, wird die Zahl mancherorts stur von 1500 auf 100 Teilnehmer reduziert, die am Samstag gegen Nazi- und Polizeigewalt auf die Straße gingen. Selbst der Grund für die Demo wird kontra links eingefärbt. Eine »Demonstration von Neonazis war in Schlägereien zu Ende gegangen«, hieß es in einer der Meldungen. Mit Verlaub, der Angriff von zig prügelnden Nazis auf sitzende Demonstranten und unbeteiligte Menschen ist nicht als »Schlägerei« zu bezeichnen.
Gesprochen mit den hierzu passenden Worten des VVN-BdA: »Derlei Versuche, diese Übergriffe zu einer Auseinandersetzung von ›Rechten‹ und ›Linken‹ umzudeuten, schwächen und denunzieren die von der Politik immer wieder zumindest nach außen beschworene Zivilcourage.«
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Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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