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Von Mark Wolter, London
28.05.2011

Lyon stößt Turbine von Europas Thron

Potsdamerinnen können Champions-League-Titel beim 0:2 in London nicht verteidigen

Anja Mittag hatte es schon geahnt: Der einen Enttäuschung mit Turbine Potsdam in London folgte die nächste aus Frankfurt am Main, wo Bundestrainerin Silvia Neid gestern ihren Kader für die in vier Wochen beginnende Fußball-WM der Frauen bekannt gab. »Mein Gefühl hat mir schon gesagt, dass ich nicht im Team bin. Ich war ja lange genug bei der Vorbereitung dabei«, sagte Potsdams Angreiferin, die am Morgen nach dem 0:2 im Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon genauso den unheilvollen Anruf bekam wie ihre Mitspielerin Josephine Henning.

Auch die für die WM nominierten Kolleginnen Fatmire Bajramaj, Babett Peter und Bianca Schmidt konnten Mittag und Henning beim gestrigen Sightseeing in der englischen Hauptstadt nicht trösten, bevor sie schon heute zum Nationalmannschaftslehrgang aufbrechen müssen. »Die Niederlage ist ärgerlich, und es tut weh, den Verein so zu verlassen«, sagte Spielmacherin Bajramaj, die beim verlorenen Finale gegen die überlegenen Französinnen zum letzten Mal vor ihrem Wechsel nach Frankfurt für die Potsdamerinnen auflief. »Es ist traurig, weil das mein letzter Abend mit der Mannschaft war.«

Bei der »Abschiedsfeier« nach dem Spiel im Londoner Hard Rock Café hatte sich auch Trainer Bernd Schröder wieder etwas mit den Widrigkeiten vor der Finalneuauflage des Vorjahres versöhnt. »Wir wären schlechte Verlierer, wenn wir die Saison nicht ordentlich feiern und Lyon nicht gratulieren könnten«, sagte Schröder. »Sie waren wesentlich offensiver und aggressiver als letztes Jahr. Wir hatten nichts entgegenzusetzen.«

Bis auf 15 engagierte Potsdamer Minuten in der zweiten Halbzeit, als Mittag und Isabel Kerschowski zwei Großchancen vergaben, hatten die technisch starken und läuferisch überlegenen Französinnen die Partie im Griff und belohnten sich mit den Toren von Wendie Renard in der 27. Minute und Lara Dickenmann (85.).

Nach dem Abpfiff im mit nur 15 000 Zuschauern nicht voll besetzten Craven Cottage hatte sich Schröder noch mal über die lange Spielpause und die wochenlang fehlenden Nationalspielerinnen zugunsten der WM-Vorbereitung geärgert. »Da fehlt der Respekt vor Turbine Potsdam«, so der 68-Jährige, der der Bundestrainerin zudem vorwarf, kein glückliches Händchen mit dem Nominierungstermin bewiesen zu haben. Auch dass seine Nationalspielerinnen nicht mehr mit dem Rest des Teams das heutige Männerfinale im traditionsreichen Wembley Stadium besuchen können, könne er nicht verstehen.

Bei Wein, Miniburgern und Zigarre auf der launigen Party im legendären Musikcafé konnte Schröder die Saison, die Turbine immerhin mit der Meisterschaft und als zweitbestes Team Europas abgeschlossen hat, dann doch gelöst ausklingen lassen. Der mitfeiernde Ministerpräsident Brandenburgs, Matthias Platzeck, ordnete den Erfolg auf sehr anschauliche Weise ein: »Wir aus Potsdam reisen um die Welt, nach Madrid und London. Da sind wir schon sehr verwöhnt.«

Bernd Schröder will, dass das so bleibt und kündigte trotz insgesamt sechs abwandernder Spielerinnen an, dass Turbine auch in der kommenden Saison gut aufgestellt sein wird. Drei Neue habe er schon verpflichtet, und eine international erfahrene Spielerin soll bis zur Bekanntgabe am 5. Juli auch noch kommen: »Manche werden sich wundern, wo wir auf einmal die Spieler herbekommen.«

Ol. Lyon - Turbine Potsdam 2:0 (1:0)

Tore: 1:0 Renard (27.), 2:0 Dickenmann (85.).

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