Den Alexander, ja den mochte jeder – damals, als er gut 25 Jahre lang mit seinen Samstagabend-Shows im Fernsehen West auch die Zuschauer Ost begeisterte, bis zu 38 Millionen Deutsche vor der TV-Kiste vereinigte. Fast sechs Jahrzehnte platzierte er sich in Hitparaden, verkaufte 46 Millionen Tonträger, spielte in zahllosen Filmen. Große Stimme, Talent zur Parodie, Mut selbst zum Albernen mit Niveau – das war Peter Alexander.
Anders der Fall Mireille Matthieu. Eine begnadete Stimme, die sie in die Nachfolge von Edith Piaf rückte, was sie verständlicherweise nicht wollte. Daheim in Frankreich sang sie anspruchsvolle Chansons, in Deutschland ließ sie sich aufs Seichte fixieren: Banale Schlager à la »Hinter den Kulissen von Paris« und »An einem Sonntag in Avignon« bescherten ihr 40 Millionen abgesetzter Tonträger, aber auch den Ruch des Verrats an ihrer Kunst.
Ein bisschen Spott hat sie sich damit wohl verdient. Den bescheren ihr nun abgemildert die Geschwister Pfister. Für die Bar jeder Vernunft haben sie die beiden ähnlich Erfolgreichen zusammengesperrt und ernten damit gegenwärtig ungeahnte Resonanz in ausverkauften Vorstellungen. »Servus Peter – Oh là là Mireille!« ist sanfte Persiflage und liebende Hommage, sieht den zwei Schlagerbarden genau auf Gestik und Grandezza, stellt sie dar, ohne sie ganz bloßzustellen.
Aber etwas Spaß will man ja doch auch haben. Und so kommen die ungleichen Sänger nicht ohne Blessuren fort, die vom Publikum einfach weggelacht werden. Tobias Bonn alias Toni Pfister gibt den Peter Alexander perfekt. Im schwarzen Smoking, mit toupierter Tolle, begrüßt er strahlend vor guter Laune den Saal und das begleitende Jo Roloff Trio, parliert, kokettiert. Hinter ihm eine Bar, rechts daneben Einblick in die Künstlergarderobe, wo sich unter Kreuz und Familienfotos sein Stargast drapiert. Im dunklen Plisseekleid ist Christoph Marti alias Ursli Pfister die Matthieu, schüttelt hektisch die Pony-Perücke, reißt weit den Mund auf, singt mit freilich dunklerem Timbre. Der Effekt der Wiedererkennung tritt dennoch ein, der »Spatz aus Avignon« ist mit seinen stereotypen, weltumspannenden Handgesten leicht zu überzeichnen. Bis zum Augenblinzeln und dem Bescheidentun gibt auch Toni dem Peter, was er war, und stattet ihn zudem mit jenem baritonalen Glanz aus, der Alexanders Stimme einzigartig gemacht hat. Mit dem Loblied auf die »Mehlspeis« läuft er zu Hochform auf.
Freude hat man ebenso am Sangeswettstreit Wiener Schmäh contra Pariser Charme. Matthieu in Hellblau mit Perlschnüren und Boa beim »Pariser Tango«, dem Alexander herrlich blödelnd seinen »Badewannen-Tango« nachschiebt. Charleston tanzen sie gemeinsam und haben sehr schnell den Saal voller erinnerungsseliger Fans im Griff. Die beziehen in ihre Sympathie auch weitere Gäste der Show ein: einen burschikosen Heintje mit dem unvermeidlichen Muttersong, den seidigen Roy Black im Jabothemd »Ganz in Weiß«, eine hausbackene Anneliese Rothenberger. Nicht umsonst haben beide, Ursli und Peter, den Kellner Leopold im »Weißen Rössl« gespielt: Ein Medley – falsettierend und schuhgeplattelt – hebt die Stimmung, die Alexanders »Hier ist ein Mensch« ins unfreiwillig Heitere manövriert. Aber: »Der Papa wird’s schon richten«, denn das ist mehr sein Milieu.
Plötzlich rivalisieren zwei Peter auf der Szene, tanzen Bump, bis wieder Mireille ihren Auftritt hat, »Akropolis Adieu« im Funkelkleid trällert, das »e« zerkaut. Ein letztes Mal wirft sie den Pony im Duett mit Peter. »Good-Bye my love« folgen aber noch mehrere Zugaben ans enthusiastische Publikum: ein hochdramatisches, wunderbar komisch gestaltetes Abschiedsduo, deutsches Kulturgut dann mit Heines »Loreley«. Bald wieder so etwas, ihr Pfisters!
Bis 19.6., Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Charlottenburg, Kartentelefon 883 15 82, Infos unter www.bar-jeder-vernunft.de
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