Von Folke Havekost
10.06.2011

Brennstoffzellen – vielfältig einsetzbar

Messe H2Expo in Hamburg diskutiert über umweltschonende Antriebstechniken

Die Konferenz-Messe H2Expo in Hamburg diskutierte über umweltschonende Antriebstechniken: Die Marktreife wird bis 2020 anvisiert.

Die Technik ist bereit. Viele Aufgaben im Transportwesen könnten schon heute durch den Antrieb mit Brennstoffzellen (BZ) bewältigt werden. Auf der 8. Fachmesse für Wasserstoff, Brennstoffzellen und Elektromobilität H2Expo beschäftigten sich 70 Referenten aus elf Ländern zwei Tage lang mit den neuesten Entwicklungen im Bereich umweltschonender Fortbewegungstechnik. Gerade die manchmal zur Unzeit angebotenen Spitzenleistungen von Wind- und Solarkraftwerken könnten künftig zur Wasserstoffproduktion verwendet werden, der dann bei Bedarf in Brennstoffzellen wieder in Strom umgewandelt wird.

Während die Wissenschaftler in den Vorjahren immer einer gewissen Skepsis an der Umsetzbarkeit der »ewigen Zukunftstechnologie« gegenüber standen, herrschte an den beiden Messetagen in Hamburg Zuversicht vor. »Die generelle Akzeptanz ist da«, sagt Klaus Taube, der am Geesthachter Helmholtz-Zentrum im Bereich Nanotechnologie arbeitet, »schön wäre es, wenn wir das Produkt auch noch sexy gestalten könnten, wie es beim iPod der Fall ist. Nach dem Motto: Du fährst ein Elektroauto? Cool!«

Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf maritimen Anwendungen, die bislang weniger öffentliche Aufmerksamkeit fanden. Eine Marktstudie des Germanischen Lloyd prognostiziert, dass BZ-Anwendungen an Bord von Seeschiffen ab 2020 mit den herkömmlichen Dieselmotoren konkurrieren könnten. Vorgestellte Leuchtturmprojekte untersuchen spezielle Aspekte wie die Bordstromversorgung durch Brennstoffzellen, die auch die emissionsintensive Dieselverbrennung während der Hafenliegezeiten unterbinden soll. Der Praxistest mit einer durch Methanol betriebenen Zelle beim Autotransporter MV Undine ergab 1700 Betriebsstunden. Ein weiteres Testaggregat erreichte auf dem Versorgungsschiff »Viking Lady« über 7000 Betriebsstunden unter Nordsee-Bedingungen. »Das ist eine Initialzündung für die Verwendung alternativer nachhaltiger Brennstoffe in der Seefahrt«, skizziert Edwart Fort von der Universität Liverpool. Die Papenburger Meyer Werft will bis zum Herbst 2011 ein Standardenergiemodul entwickeln, das dann an Bord getestet werden soll. Projektleiter Gerhard Untiedt hofft, dass bis 2013 die Arbeit an einer Systemkonfiguration abgeschlossen werden kann, die die Kraft-Wärme-Kopplung optimiert.

Eine entscheidende Frage ist demgemäß, ob die Infrastruktur mithält. Gibt es etwa ein ausreichendes Tankstellennetz? Mauricio Schieda, der im Helmholtz-Zentrum an nachhaltigen Energietechnologien forscht, plädiert dafür, »Forscher und Industrie zusammenzubringen, um den Technologietransfer zu beschleunigen«.

»Es gibt große Bestrebungen, diese Technologien auch im Freizeitbereich anzubieten«, skizziert sein Kollege Taube den Weg zur BZ-Yacht. Bis hin zu Motorbooten oder kleineren Fähren könnten Schiffsfahrzeuge bereits mit Brennstoffzellen betrieben werden. Dass Kreuzfahrtriesen mit BZ-Antrieb unterwegs sind, ist allerdings noch ferne Zukunftsmusik.

Am Messeort Hamburg erhält die bislang überschaubare emissionsfreie Flotte allerdings Zuwachs. Der wasserstoffbetriebene Brennstoffzellendampfer »Alsterwasser« befördert seit 2008 Passagiere durch das Binnengewässer. »Demnächst kommen weitere Schiffe mit dieser Technologie zum Einsatz«, kündigte Petra Kampmann von der Landesinitiative Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie an.

Auch in der Luft gibt es Fortschritte. Das BZ-Flugzeug »Antares H3« soll nach seinem Jungfernflug im nächsten Jahr den Atlantik überqueren.

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