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Von Kristin Palitza, Kapstadt
15.06.2011

Baschir lässt die Muskeln spielen

Besetzung in Südsudan ist Faustpfand für Aufteilung der Einnahmen

Wenige Wochen vor der für den 9. Juli geplanten Unabhängigkeitserklärung Südsudans trifft heute Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Khartum ein. Im Januar hatte Sudans Präsident Omar Hassan Al-Baschir der Welt noch versprochen, die Trennung werde friedlich geschehen. Doch nun erreicht der Nord-Süd-Konflikt einen neuen Höhepunkt. Es geht um die Aufteilung der Öleinnahmen.

USA-Außenministerin Hillary Clinton hat sich am Montag für die Entsendung von UN-Friedenstruppen in die umkämpfte sudanesische Region Abyei ausgesprochen. Sie würde es begrüßen, wenn die verfeindeten Seiten gemeinsam nach äthiopischen Blauhelmen fragen würden. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südsudan haben wieder Konjunktur. Im Mai war es die zwischen Nord- und Südsudan umstrittene Provinz Abyei, die von der Armee des Nordens besetzt wurde. Inzwischen kam es auch im ölreichen Bundesstaat Süd-Kordofan zu Zusammenstößen, und zuletzt bombardierte der Norden ein Gebiet im südlichen Bundesstaat Al-Wahda (Einheit), wie ein Sprecher der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) klagte.

Beobachter bezweifeln jedoch, dass Al-Baschir einen neuen Bürgerkrieg heraufbeschwören will. Erdölanlagen werden bei Anschlägen bewusst geschont. Die Besetzung der Grenzregion ist demnach sein Unterpfand für wirtschaftliche Verhandlungen im Rahmen der Teilung. Khartum will sich die Aufgabe der Ölfelder reichlich vergüten lassen.

In Sudan wurden bereits in den späten 70er Jahren Ölvorkommen entdeckt. Doch anhaltende Konflikte zwischen Sudanesen arabischer Abstammung im Norden und Christen sowie Anhängern von Naturreligionen im Süden machten es anfangs nahezu unmöglich, die Ölindustrie zu entwickeln. Die Regierung des Nordens heuerte schließlich ethnische Milizen im Süden an, um die Ölfelder in Beschlag zu nehmen. 1999 begann der Norden, das schwarze Gold zu exportieren.

Zwar geht es in den Verhandlungen um mehr als Geld. Aber die Wirtschaft beider Teile Sudans basiert fast vollständig auf Ölgewinnung. Und beide sind stark voneinander abhängig. Denn obwohl sich der Großteil der Ölreserven im Süden befindet, besitzt der Norden alle Leitungen und Raffinerien. Daher wird trotz politischer Abspaltung wirtschaftliche Zusammenarbeit unumgänglich sein.

Idealerweise soll es noch vor dem 9. Juli ein Abkommen geben. Beide Seiten wollen vermeiden, dass die Ölgewinnung auch nur kurzfristig zum Stillstand kommt. Hunderte Millionen Dollar könnten im Sand versickern. Sudan fördert täglich rund eine halbe Million Fässer Rohöl.

Unlängst hatte Südsudans Regierung erwogen, sich von der überwältigenden Macht des Nordens auch wirtschaftlich unabhängig zu machen. Eine neue Ölleitung sollte aus dem Süden des Landes direkt an die kenianische Küste führen. Doch als man sich bewusst wurde, dass die Bauarbeiten mindestens drei Jahre dauern würden, wurde der Plan verworfen. Südsudan ist so groß wie Frankreich, hat aber weniger als 100 Kilometer asphaltierte Straßen. Man kann sich nicht leisten, für drei Jahre auf dem Trockenen zu sitzen. Stattdessen will Südsudan mit Khartum eine Transitgebühr aushandeln. Dass al-Baschir sich allein mit einer solchen zufriedengibt, ist allerdings höchst unwahrscheinlich.

Mit jedem Tag der Besetzung der Grenzregion fühlt sich Südsudan mehr unter Druck gesetzt. Die Südsudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM), die frühere Rebellengruppe, die offiziell die Führung des halbautonomen Südsudan übernahm, bat daher vor Wochenfrist um sofortige Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Die Übernahme Abyeis verstößt eindeutig gegen das Friedensabkommen von 2005, das Sudans 22-jährigen Bürgerkrieg beendete. Es legt fest, dass die Armeen des Nordens und des Südens gemeinsam die Bundesstaaten Süd-Kordofan und Blue Nile sowie die Region um Abyei kontrollieren. Doch al-Baschir ignoriert den Aufruf des UN-Sicherheitsrats, seine Truppen abzuziehen.

Wie er gehofft hatte, befindet sich der Süden nun in der Zwickmühle. Einerseits will er sich gegen die Invasion des Nordens wehren. Andererseits wird er von der internationalen Gemeinschaft gedrängt, Zurückhaltung zu üben, um Frieden zu wahren. Auf keinen Fall will Südsudan seine lang erwartete Unabhängigkeit durch einen neuen Bürgerkrieg riskieren.

Schon jetzt müssen die Einwohner der Grenzregion bitterlich für den Kampf ums Öl zahlen. Laut UNO campieren mehr als 50 000 Sudanesen, die aus Sicherheitsgründen aus Städten und Dörfern fliehen mussten, trotz Beginn der Regenzeit auf der Straße.

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