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Foto: Uli Winkler
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ND: Die Linksfraktion hat gegen Vorwürfe des Antisemitismus mit einem Beschluss reagiert, der drei Verhaltensregeln zu Israel bzw. zum Nahost-Konflikt enthält. Wie groß ist das Problem des Antisemitismus in der LINKEN?
Gysi: Das Problem des Antisemitismus in der Linkspartei sehe ich nicht. Ich halte nichts davon, den Begriff Antisemitismus inflationär zu verwenden. Ein Antisemit ist für mich jemand, der zumindest jüdische Bürgerinnen und Bürger benachteiligt und diskriminiert, weil sie Juden sind. Solche Einstellungen kenne ich in meiner Fraktion nicht. Im Beschlussentwurf des Fraktionsvorstandes war der Begriff Antisemitismus nicht enthalten, die entsprechende Formulierung in der Einleitung ist erst im Laufe der Fraktionssitzung eingefügt worden.
Warum wurde sie eingefügt?
Um zu sagen, dass wir uns auch gegen jeden Antisemitismus wenden. Es ging im Kern aber darum, mit dem Beschluss Klarheit zu schaffen, dass die Fraktion eine Ein-Staaten-Lösung ablehnt und sich weder an Boykottaufrufen gegen Waren aus Israel noch an der diesjährigen Aktion gegen die Gaza-Blockade beteiligt.
Und wer diesen drei Punkten nicht folgt, wird in die Nähe zum Antisemitismus gestellt.
Nein. In einem in derselben Fraktionssitzung angekündigten zweiten Beschluss werden wir uns gegen die inflationäre Verwendung des Begriffs Antisemitismus wenden und uns dabei auch kritisch mit einer einseitigen Zustimmung zur Regierungspolitik in Israel auseinandersetzen, wie sie der BAK Shalom (Bundesarbeitskreis innerhalb der Linkspartei, d. Red.) z. B. in der Frage der Siedlungspolitik vertritt.
Wer für einen gemeinsamen jüdisch-palästinensischen Staat eintritt, ist also nicht automatisch ein Antisemit?
Richtig. Diese Verknüpfung zwischen dem ersten und zweiten Teil des Beschlusses ist keineswegs beabsichtigt.
Vertritt diese Position überhaupt jemand in der Linkspartei?
Ja, diese Meinungen gibt es, auch innerhalb der Bundestagsfraktion, und deshalb brauchten wir eine Klarstellung zu diesem Thema.
Warum sollen sich Linke nicht an der Aktion »Free Gaza« beteiligen, die die israelische Blockade des Gaza-Streifens mit Schiffen und Hilfsgütern durchbrechen will?
Gegen eine Beteiligung an der Gaza-Flottille habe ich grundsätzlich nichts. Das ist für mich eine Form des zivilen Ungehorsams. Ich kritisiere die mangelnde Transparenz bei den Organisatoren und den Finanziers der Aktion. Solange nicht ausgeschlossen ist, dass dubiose Gruppierungen wie die türkischen »Grauen Wölfe« mitmischen, lehnen wir die Teilnahme ab.
Und wer zum Boykott israelischer Waren aufruft, ist der ein Antisemit?
Da gibt es in Deutschland zumindest eine Nähe zum Antisemitismus. Derartige Aufrufe erinnern an die Nazi-Losung »Kauft nicht bei Juden!« Es gibt bestimmte Themen und Formulierungen, die sind aufgrund der deutschen Geschichte ein Tabu. Für Linke außerhalb Deutschlands stellt sich das sicherlich anders dar.
Warum werden antifaschistische Verpflichtungen gegenüber den Opfern des Holocaust und Beurteilungen zu heutiger israelischer Politik miteinander verknüpft? Ähnliches hört man nicht zu russischer oder früher sowjetischer Politik, obwohl der Nazi-Überfall 20 Millionen Menschen in der Sowjetunion das Leben kostete.
Schlimm. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Die Nazis wollten die slawischen Völker zwar versklaven, aber die Juden sollten vollständig ausgerottet werden, es sollte keine Juden mehr geben. Das ist die Singularität des Holocausts.
Einerseits betont die Fraktion ihr Engagement gegen jeglichen Antisemitismus, andererseits scheuen Sie sich, konkret Ross und Reiter für Ihre Kritik zu nennen. Ist das nicht ein Widerspruch?
Es gibt zumindest missverständliche Äußerungen innerhalb der Partei. Mandatsträger wie ein Fraktionsvorsitzender in Duisburg rufen zum Boykott israelischer Waren auf, ein Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten, der dem Netzwerk Marx 21 angehört, stellte das Gründungsrecht des Staates Israel in Frage, andere fordern ein Rückkehrrecht für alle Palästinenser ins heutige israelische Staatsgebiet, was zur Folge hätte, dass die Juden zu einer Minderheit in Israel würden.
Das sind sehr unterschiedliche Dinge, sehen Sie also doch eine antisemitische Verbindung in solchen Positionen?
Solche Äußerungen sind ahistorisch und unsensibel. Juden waren über 2000 Jahre lang in allen Ländern, in denen sie lebten, eine kleine, ausgegrenzte Minderheit. Der Holocaust war eine Zäsur, denn hier wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Versuch unternommen, das jüdische Volk vollständig zu vernichten – zumindest in Europa. Wenn man heute als deutscher Linker akzeptiert, dass den Deutschen ein Staat geblieben ist, in dem sie die Mehrheit stellen, den Juden aber gleichzeitig erklärt, sie dürfen nur in einem Staat leben, in dem sie eine Minderheit sind, dann ist das für mich nicht akzeptabel. Ein Palästinenser kann das sagen, aufgrund der Geschichte seines Volkes ist das auch nicht problematisch, denn Palästinenser haben kein Verbrechen wie den Holocaust an den Juden verübt. Wir aber sind an die deutsche Geschichte gebunden, auch die deutsche Linke. Im Übrigen macht es mich nachdenklich, mit welcher Leidenschaft innerhalb der LINKEN gerade über Israel diskutiert wird.
Inwiefern?
Bei keinem Thema gibt es innerhalb unserer Partei eine solche Leidenschaft wie bei diesem. Nicht einmal bei den USA, geschweige denn bei den derzeitigen Ereignissen in Syrien wird mit einer derartigen Leidenschaft gestritten, und darüber denke ich nach.
Weil dahinter mehr als nur leidenschaftliches Interesse, vielleicht auch ein antijüdisches Ressentiment stehen könnte?
Es macht mich nur stutzig und ich kann es mir nicht ohne Weiteres erklären. Mehr nicht.
Der Landeschef der Linkspartei in Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, nennt die Auseinandersetzung um den Fraktionsbeschluss laut einer Meldung der »Frankfurter Rundschau« einen »klassischen Stellvertreterkrieg«. Wofür soll sie stellvertretend stehen?
Das sehe ich nicht so. Sie dürfen gerade bei den West-Linken nicht die Bedeutung unterschätzen, die dieses Thema hat. Hierdurch entwickelt sich rasch eine Eigendynamik und die erleben wir möglicherweise auch jetzt.
Sie kündigten einen zweiten Beschluss an, wollen aber die aus dem ersten Beschluss entstandenen Missverständnisse nicht ausdrücklich korrigieren. Warum hat die LINKE mittlerweile wie andere Parteien Schwierigkeiten damit, Fehler einzugestehen?
Weil es kein Fehler war. Was ist daran falsch, sich gegen Antisemitismus auszusprechen und dafür, Klarheit in politischen Positionen zum Thema Israel herzustellen? Im Übrigen habe ich hier im Interview deutlich gesagt, wie der erste Beschluss nicht zu verstehen ist.
Hat die LINKE keine größeren Probleme als das genannte, verliert sie den Anschluss an die wichtigen politischen Debatten?
Nein. Wir positionieren uns dezidiert zu aktuell wichtigen Fragen, z. B. zum Atomausstieg, zu Griechenland, zu Libyen und Syrien. Bei der Energiewende sprechen wir uns u.a. hinsichtlich des Strompreises für einen einheitlichen Sozialtarif für Niedrigverdiener aus und treten für eine Dezentralisierung und Rekommunalisierung der Energieversorgung ein. Mindestlohn und die soziale Frage spielen eine wesentliche Rolle.
Es gab nach den letzten mageren Wahlergebnissen vor allem im Südwesten von einigen die Forderung, sich stärker ökologischen Themen zu öffnen. Sehen Sie das auch so?
Wir sind beim Ökologie-Thema inhaltlich nicht unterbelichtet, aber wir haben hier ein Image-Problem. Beim Stichwort Ökologie denken die meisten automatisch an die Grünen und nicht an uns. Wir müssen uns thematisch nicht verbreitern, sondern uns inhaltlich vertiefen. Die soziale Frage wird in nächster Zeit wieder an Bedeutung gewinnen, da bin ich mir sicher.
In den bundespolitischen Gedankenspielen der SPD finden die LINKEN gar nicht mehr statt. Ist das Böswilligkeit des politischen Konkurrenten oder selbst verschuldet?
Weder noch, es liegt an etwas anderem. Die SPD war doch nicht weniger neoliberal geprägt als die Union. Erst als wir ein politisches Korrektiv zur SPD wurden, hat die deutsche Sozialdemokratie reagiert. Koalitionen mit der SPD stehen zur Zeit auf Bundesebene aber schon deshalb nicht zur Debatte, weil es keine gesellschaftliche Stimmung für Rot-Rot-Grün gibt. Was wir in unserem Land auch brauchen, ist eine kulturelle Wende.
Was verstehen Sie unter »kultureller Wende«?
Dass die Politik wieder das Heft in die Hand nimmt, dass Bürger stärker an Entscheidungen beteiligt werden, dass Entscheidungsprozesse auch in den Parlamenten anders ablaufen. Es ist doch kein Zufall, dass der damalige US-Präsidentschaftskandidat Obama 200 000 Menschen an die Siegessäule in Berlin gelockt hat. Mit Ba-rack Obama haben die Menschen auch in Deutschland auf eine Politik gehofft, in der nicht Lobby-Verbände bestimmen, in der nicht Entscheidungen hinter verschlossenen Türen gefällt werden. Obama konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, das steht auf einem anderen Blatt.
Die Fraktion DIE LINKE hat in ihrer Sitzung am 7. Juni 2011 einstimmig folgenden Beschluss gefasst:
Die Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE werden auch in Zukunft gegen jede Form von Antisemitismus in der Gesellschaft vorgehen. Rechtsextremismus und Antisemitismus haben in unserer Partei heute und niemals einen Platz. Die Fraktion DIE LINKE tritt daher entschieden gegen antisemitisches Gedankengut und rechtsextremistische Handlungen auf.
Die Mitglieder der Bundestagsfraktion erklären, bei all unserer Meinungsvielfalt und unter Hervorhebung des Beschlusses des Parteivorstandes gegen Antisemitismus vom 21.Mai 2011:
Wir werden uns weder an Initiativen zum Nahost-Konflikt, die eine Ein-Staaten-Lösung für Palästina und Israel fordern, noch an Boykottaufrufen gegen israelische Produkte noch an der diesjährigen Fahrt einer ›Gaza-Flottille‹ beteiligen.
Wir erwarten von unseren persönlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Fraktionsmitarbeiterinnen und Fraktionsmitarbeitern, sich für diese Positionen einzusetzen.
Der Impuls für die Beschäftigung mit dem Thema Antisemitismus kam für die LINKE von außen. Um so mehr erhitzt es, da parallel dazu die nächste Flottille in den Gazastreifen ansteht, die Gemüter und beschäftigt Ressourcen der Fraktionen und Vorstände. Resolutionen und Presseerklärungen jagen einander. Der Presse scheint es ein willkommenes Thema zu sein.
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Ich finde dieses Interview von Gregor Gysi sehr gut. Danke dafür.
Leider behauptet Gysi aber, dass der BAK Shalom hinter der israelischen Siedlungspolitik steht. Diese Position ist mir bis heute nicht bekannt.
In der 2. Stellungnahme zur Operation „Gegossenes Blei” bezieht sich der BAK Shalom zur Siedlungspolitik mit folgender Aussage:
"Dennoch ist bis heute die Mehrheit der israelischen Bevölkerung bereit, sich auf eine konstruktive Lösung einzulassen und die Räumung der Siedlungen im Westjordanland und einen Rückzug Israels auf die Grenzen von 1967 zu akzeptieren, wenn international garantiert wird, dass der Terror gegen Israel aufhört und es zu einem friedlichen Verhältnis mit seinen Nachbarn kommt."
bak-shalom.de/index.php/2009/01/16/2-stellungnahme-des-bak-shalom-zur-operation-%E2%80%9Egegossenes-blei/
Ich finde, eine Unterstützung der israelischen Siedlungspolitik sieht anders aus.
Zum Glück gibt es Philosophen wie Moshe Zuckermann. Dank für seinen unterstützenden Artikel in der jW vom 11.06.2011.
Gysi: "Im Übrigen macht es mich nachdenklich, mit welcher Leidenschaft innerhalb der LINKEN gerade über Israel diskutiert wird."
Diese Frage hatte Yossi Wolfson dem ND längst unter www.neues-deutschland.de/artikel/161459.ich-tue-was-linke-tun-ungerechtigkeit-bekaempfen.html beantwortet, nämlich mit: "... ich tue was Linke tun, Ungerechtigkeit bekämpfen!"
Mich macht nachdenklich, daß Gregor Gysi nicht begreifen kann/will, warum viele Linke gerade in Sachen Israel/Palästina nach Wolfsons Definition - ohne sie vielleicht zu kennen - handeln. Die Antwort liegt eigentlich klar auf der Hand, weil nämlich Linke nun mal tun, was Linke tun, Ungerechtigkeit zu bekämpfen!
Gysis Herumgeeiere bezüglich des Aufrufs einer Warenblockade aus von Israel annektierten palästinensischen Gebieten zu blockieren ist nicht nur beschämend sondern stellt grottenfalsche Zusammenhänge zur schändlichen Naziparole "kauft nicht bei Juden" her. Gerade ein Rechtsanwalt sollte Fakten von Propaganda trennen können. Was maßt sich Gysi an, uns "deutschen" Linken diesbezüglich ein Sprech- und Denkverbot erteilen zu wollen!
Fazit: Dieses Interview hat nur Hilflosigkeit und Unvermögen offenbart, nicht einmal zur Schadensbegrenzung taugen Gysis Äußerungen.
... schon klar, Benjamin Krüger, einer der BAK-Sektengründer, ist begeistert, alles andere hätte mich auch sehr gewundert. Nicht nur mich empört aber, daß die zionistisch-rasssistische BAK-Sekte sich innerhalb der solid-Linksjugend und so dominant in der PDL aufspielen darf, statt aus der Linkspartei ausgeschlossen zu werden!
Gregor Gysi hat Recht. Einmal ist die Frage des Boykotts israelischer Produkte (auch solcher aus den Siedlungsgebieten) für Deutschland historisch besetzt. Vergleiche mit Boykottaktionen wie im Fall des früheren Apartheid-Regimes Südafrika sind daher nicht angemessen. Zweitens ist die Leidenschaft mit der diese Debatte über den sog. Antisemitismus-Beschluss geführt worden ist und weiter geführt wird, ausgesprochen irritierend. Hier ist auch die Grenze zwischen Eifern und Geifern überschritten worden. Das hat schon die Formen eines Religionskriegs erreicht. Drittens müssen wir berücksichtigen, dass es in der aktuellen Antisemitismusforschung inzwischen einen erweiterten Antisemitismusbegriff gibt, als wir ihn, geprägt durch die nationalsozialistische Vergangenheit, kennen. Der amerikanische Philosoph Moishe Postone hat einen direkten Zusammenhang zwischen dem von Marx herausgearbeiteten Fetischismus der Warenzirkulation und dem Antisemitismus abzuleiten versucht und in der Folge einen primitiven, auf die Zirkulationssphäre zielenden Antikapitalismus als bereits antisemitisch zu kritisieren versucht. Samuel Salzborn, einer der Autoren der jüngsten Antisemitismusvorwürfe an die Adresse der Linken, knüpft in seiner Habilitationsschrift an diese Kritik von Postone an. Insbesondere die "Personalisierung" von Kapitalismuskritik fällt hier unter den Verdacht des Antisemitismus. Ich teile diese Analyse von Postone nicht. Er hat damit aber ein bestimmtes Feld der Ideologiekritik abgesteckt, mit dem sich die LINKE auseinandersetzen sollte. Fälle von tradiertem Antisemitismus in der Partei kenne ich nicht, Fälle von personalisierendem und primitiven Antikapitalismus dagegen leider zur Genüge.
... jaja, Antikapitalismus ist böse, Freiheit ist Sklaverei und Krieg ist Frieden (frei nach George Orwells 1984)
Meines Erachtens gründet sich die Aufregung über diesen Beschluss nur zum Teil auf dessen Inhalt, den ich teilweise abstrus finde. Es geht vielen Linken, die ansonsten auch mal über den einen oder anderen ihnen nicht gefallenden Beschluss hinwegsehen würden, einfach darum, das ständige Verbeugen vor „Mehrheitsmeinungen“, das Bestreben anderen Parteien „gefallen zu wollen“, nicht länger mittragen zu können. Warum sind die Umfragewerte so schlecht, warum sinkt die Zustimmung in den Berliner Stammbezirken? Doch nicht weil wir immer noch nicht genug SPD oder Grüne sind, sondern weil einfach nicht klar genug gemacht wird, woher wir kommen und wofür wir stehen, im Osten wie im Westen
Ich glaube noch nicht mal er selbst bezeichnet sich als Philosoph. Aber egal.
Der in Rede stehende Beschluß der LINKE-Fraktion im Bundestag ist unausgereift - allein die offenbar notwendigen Interpretationen durch GG sprechen dafür.
Außerdem ist er selbstherrlich, oder seit wann ist die Fraktion die Partei ("...haben in unserer Partei heute und niemals einen Platz..."), so sehr ich auch hoffe, daß diese Position auch real in der gesamten LINKEn akzeptiert wird.
Was soll dieser Schnellschuß, wenn gleichzeitig ein ergänzender bzw. erklärender Beschluß notwendig wird? Meinungen, die dieses Vorgehen der Fraktionsmehrheit als Bückling vor dem herrschenden Zeitgeist, dem Mainstream der Medien und der ständigen Gegnerschaft der sogenannten Meinungsmacher und Themensetzer interpretieren, sind wohl nicht ganz von der Hand zu weisen.
Alles in allem ist dieses Interview zwar interessant und aufschlußreich, aber die Antworten sind wenig souverän: GG bleibt meines Erachtens unter seinem Niveau. Und JR hat auch schon bohrender gefragt ...
Zum eigentlichen Problem möchte ich noch anmerken:
Wenn Religion/Kirche und Staatlichkeit verbunden bzw. vermischt werden, gibt es immer Probleme (vgl. auch Iran oder Heiliger Stuhl - im weiteren Sinne auch Ostblock-Länder bis 1989/90 in Bezug auf Partei und Staat). Genaue Kritik muß stets zwischen Kritik der Ideologie/Religion des Kritisierten und der Kritik der - auch im Namen dieser Ideologie betriebenen - herrschenden Politik im jeweiligen Staat unterscheiden.
Und diesbezüglich steht der "Staat Israel" (so die offizielle Bezeichnung; obwohl EU-weit als einzige Demokratie im Nahen Osten dargestellt, reicht es noch nicht einmal zur "Republik", sollen damit viele andere Möglichkeiten offengelassen werden?) wirklich nicht glänzend da:
- mehrere angezettelte Nahost-Kriege (Ausgang zulasten der Palästinenser),
- Gebietsannexionen (im Widerspruch zu nach wie vor geltenden UN-Resolutionen),
- permanente Angriffsbereitschaft (Gaza, Libanon, irakisches AKW usw.)
- "Mauerbau" (läßt da Berlin oder der Süden der USA grüßen?),
- Verletzung grundlegender Menschenrechte (Minderheiten, nichtjüdische Flüchtlinge, Dissidenten wie Vanunu, Gaza-Abriegelung usw.),
- Quasi-Monopolisierung von wirschaftlich wichtigen Ressourcen (Wasser, fruchtbare Böden),
- Entwicklung und Vorhalten eigener Atomwaffen.
Diese Punkte mögen reichen.
Noch einmal ausdrücklich:
Es geht nicht um Juden oder Nichtjuden, sondern um die imperialistische Poltik des Staates Israel, welche kapitaldominierte Interessen exemplarisch offenbar werden läßt! (Die Nationalität/Staatsangehörigkeit/religiöse Gebundenheit von Vertretern dieser Politik ist - wie bei jeder anderen Interessenvertretung - zweitrangig; sie wird nur immer wieder thematisiert, um die tieferliegenden Verhältnisse bzw. Ursachen verbergen zu können. Leider scheint auch GG dies nicht zu sehen - ansonsten würde er in der gegenwärtigen Lutherdekade auch gegen dessen ausgeprägte Judenfeindlichkeit polemisieren, oder?)
Und wenn jüdische Israelis fürchten, eine Minderheit im "eigenen" Staat zu werden, könnten sie sich die Frage stellen, warum ihr Staat nicht attraktiv genug ist, Juden aus entwickelten Ländern des "Westens" zur Immigration zu bewegen.
Siegt da - menschlich verständlich - das Interesse am persönlichen Wohlbefinden? So etwas soll es ja schon öfter gegeben haben (z.B. 1960/61 und 1989 in der DDR, Auswanderung aus Mexiko, Kuba und anderen lateinamerikanischen Ländern). Offenbar bestimmt auch hier überwiegend das Sein das Bewußtsein (wer stellte dies doch gleich fest?)
Nach Fonatane ist dies ein "weites Feld", aber zu beackern ist es nur ohne wechselseitige Ausgrenzung und in Kooperation.
"Gerade ein Rechtsanwalt sollte Fakten von Propaganda trennen können."
Er missachtet grundsätzliche Regeln seines Berufes.
Da steht ganz vorn die Frage nach der Befangenheit, welche er nicht beantwortet.
Darüber hinaus ist es ein gravierender Unterschied Anwalt in einer Sache, wie z.B. der Sozialismus zu sein, oder ein gewiefter Rechts oder Faktenverdreher, was einen westlichen Werte- Anwalt ausmacht, zu sein.
Nicht ohne Grund kann man davon ausgehen, das eine Anwalts-klicke in Partnerschaft mit einigen Staatsbeamten das Volk regelrecht unterdrückt.
Die Griechen nennen diese Antidemokraten auch „Politiker“.
Mein Urteil, er ist ein Anwalt gegen die Sache des Sozialismus.
Zum Thema Israel-Palästinenser wurde in der DDR alles gesagt. Nichts hat sich bis heute verändert.
Eine Ausnahme besteht, die SED Nachfolgepartei (ihre Nomenklatura) steht im anti-palästinensischen Lager.
Es war also im Nachhinein ein richtiger Schritt, wenn die übergroße Mehrheit diese Nachfolgepartei verlassen hat.
Im übrigen wurde mir die Sperre schon angedroht, welche ich in direkten Zusammenhang mit den Anwalts-Doktrinen bringe.
Wer die Antideutschen und die BAK-Leute im besonderen erfunden und installiert hat
"WIR" wollen weder wissen, woher wir kommen, noch wollen "WIR" irgend wo hin. "WIR" wollen eigentlich nur an unseren Fleischtöpfen ruhig unsere Tage verbringen.
Gute Frage! Als es noch keine Posten in der Partei zu vergeben waren, hab ich nix von denen gehört. Wieviel sind das eigentlich? Ein Unter-AK bei SOLID meint jedenfalls ganz schön Einfluß auf DIE LINKE haben zu wollen. Diese sollte aber eher eine aktive internationalistische, solidarische Partei mit Unterdrückten sein anstelle sich vor anderen zu buckeln, die einen bis auf Außerste bekämpfen, wenn man etwas zu stark wird. Die letzten 20 Jahre waren doch wohl Lehrstoff zu Genüge.
Der Beschluß war eine Lachnummer (Zuckermann), dieses Interview (ausgenommen die Fragen!) ist eine einzige Eierei und das Ober-egghaed rauscht durch den deutschen Blätterwald dem ehec hinterher. Alles Schall und Rauch.
BAK war ein neues Spielzeug, das jemand ins Laufgitter des Babys geworfen hat, damit es weiter am Boden herumkriecht.
Lieber Gregor,
meinst du nicht auch, dass es den Deutschen bei ihren vielen Massakern in der Sowjetunion schiet egal war, ob die Opfer richtige Juden oder eine andere Nationalität hatten? Ich glaub nicht dass, sie sich die Ausweise vorher zeigen lassen hatten. Die Russen und die andern slawischen Völker sollten nur solange als Sklaven herhalten, solange sie gebraucht werden. Es gibt ja auch Dokumente, die über Zwangssterilisierungen, mit denen die slawische Bevölkerung dezimiert werden sollte, berichten.
Aber in einem Land, in dem der Russenhass vor allem im westlichen Teil (ist schon blöd, dass man ausgerechnet gegen die verloren hat) noch grassiert, gelten als Hauptopfer die Juden mit dessen Staat man gut zusammenarbeitet. Dass die die Völker der Sowjetunion die meisten mit 10 - 17 Millonen zivile Opfer zu beklagen hatten, na ja das gilt in diesem Lande unter ferner liefen...
Da sollte man als Linker schon aufpassen.
Ich denke jedes einzelne Opfer der Faschisten war eines zuviel, egal welcher Nationalität.
Achso: Zuerst ist jeder wohl Mensch und danach gehört er einer Nationalität an, wenn er denn will.
Es ist kaum zu begreifen, warum gerade jetzt sich die Bundesfraktion mit einem anscheinend auch für sie heiklen Thema befaßt. Will Gregor und die Fraktionsspitze so wieder in die bürgerlliche Presse kommen? Haben wir nicht andere Probleme? Nach wie vor existiert ein großes Potential an unterbezahlten Leiharbeitern und Arbeitslosen, das der Unterstützung bedarf. spitzen sich die sozialen Probleme in Griechenland, Spanien und Portugal und der Kampf der Arbeiter und Angestellten gegen die Auswirkungen der Krisen und die Unterstützung der Banken durch "Finanzspritzen" der EU zu. In der Außenpolitik müßte die genaue Lage in Libyen und Syrien hinterfragt werden. Warum also Leidenschaft für Palästina? Die infame Zielstellung dieser Frage in Richtung Antisemitismus geht wohl total daneben. In einem hat Gregor recht, wir Deutschen haben ein besonderes Verhältnis zu den Menschen jüdischen Glaubens und den Einwohnern von Israel. Darf der so schreckliche Holocaust eine Akzeptanz der heutigen Politik Israels begründen? Für mich steht jedenfalls fest: Israel hat seit 1948 palästinensiches Land besetzt und besetzt es noch immer. Araber sind in Israel Menschen zweiter Klasse. Israel hat ein ganzes Volk in Geiselhaft genommen und in Gaza eingemauert für die Gewalttaten einzelner Widerstandskämpfer. Da kann ein Linker nicht neutral bleiben, er muß sich auf die Seite der Unterdrückten stellen. Und notfalls muß staatliche Gewalt auch mit einer Form von Gegengewalt beantwortet werden. Mit dem neutralen Eiapopeia wird sich auch das palästinensische Volk nicht von seinen Besatzern und Unterdrückern befreien können.
einäugigen Mitläufer, was sich als selbstgerechte Moralisten aufspielt, schlichtweg vergessen. Gernausowenig wie die Strafverfolgung der Täter.
Deshalb folgendes zur Erinnerung:
Am 17. Juni und den Tagen danach wurden 34 Demonstranten und Zuschauer von Volkspolizisten und sowjetischen Soldaten erschossen oder verloren ihr Leben an den Folgen von Schussverletzungen. Nach Todesurteilen von sowjetischen und DDR-Gerichten wurden sieben Menschen hingerichtet.
Insgesamt werden 507 Tote angegeben und rund 1600 Menschen sind in diesem Zusammenhang zur psychischen Vernichtung zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden.
Unter den Blinden ist der Einäugige König.
Übrigens Ihr Beitrag ist ein klassischer Troll.
Das Hamburger Abendblatt schreibt realkritisch ;-))) unter www.abendblatt.de/politik/deutschland/article258709/Juni-1953-Zahl-der-Opfer-korrigiert.html wie folgt:
"Zum 51. Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR haben Historiker die Zahl der Todesopfer berichtigt. Danach kamen um den 17. Juni 1953 mindestens 55 Menschen ums Leben, wie eine gestern erschienene Studie das Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam belegt. Damit würden frühere Angaben richtig gestellt, die im Westen mit 507 Toten zu hoch und in der DDR mit 25 Toten zu niedrig gelegen hätten, erklärte Hans-Hermann Hertle vom ZFF."
Aber was hat der 17. Juni 1953 mit dem Gysi-Interview zu tun, bloß mal so gefragt, oder haste bloß keene realkritikasternden Argumente gegen die geballte Kritik an den Genossen Gregor? :-ppp
Die Verbindung von "raffendem" bzw. Finanzkapital und Judentum ist eher weniger bei der Linken zu finden, sondern in rechten und Stammtischkreisen.
Trotzdem gebe ich Dir Recht, dass der primitive, sich gegen "Zocker" und Finanzkapital im scheinbaren Gegensatz zum "Realkapital" richtende Antikapitalismus ein Problem der Linken darstellt; und zwar eher als der "Antisemitismus", mit dem er per se nichts zu tun hat.
Es geht weniger darum, "woher wir kommen und wofür wir stehen", sondern darum wo wir hinwollen und wie und mit wem wir das erreichen können.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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