Von Anouk Meyer
18.06.2011

Kunstraum Kreuzberg

Stadtlärm

Baustellen, Autos, kreischende Touristenhorden, Musikfetzen: Um uns herum tobt und brüllt, rauscht und lärmt die Stadt. Ein ständiger Lautstärkepegel, vor allem im Sommer, wenn sich das Leben auf den Straßen abspielt und die Fenster weit offen stehen. »Urban Noise«, urbaner Lärm, heißt denn auch die aktuelle Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg – doch leider: Was eine kritische oder enthusiastische Betrachtung zum Thema Stadt und Lärm hätte werden können, erschöpft sich größtenteils in verkopften Videos und Installationen.

Trotz der großartigen Grundidee, das stete Rauschen in Großstädten künstlerisch zu untersuchen, bleiben die Werke der sieben Künstler meist seltsam blass. Etliche Arbeiten setzen sich mit dem Phänomen Lärm eher visuell denn akustisch auseinander. Das funktioniert ganz gut bei Jakob Koldings origineller Zeichnung eines Anzugträgers mit Vogelkopf, der ebenso Symbol für die lautstarke Wichtigtuerei des Stadtmenschen wie auch für seine Austauschbarkeit ist.

Beliebig, ohne Bezug zum Thema erscheinen dagegen Diana Artus’ verschwommene, mehrfach bearbeiteten Fotodrucke aus einem zerkratzen S-Bahn-Fenster heraus oder Stephanie Kiwitts großformatige Fotoserie »4 tolle Tage«, die eine unbesetzte Supermarktkasse ins Visier nehmen. Bei anderen Werken wie von Tomek Mzyk etwa fehlt jeder Hinweis, wo die Bilder entstanden sind. Der selbe Mangel an Information zeichnet Eiko Grimbergs Installation »Future History« aus.

Zwei Werke aber stechen positiv heraus: Einmal die irritierend-provokante Installation »Die Stadt von Morgen« von Andree Korpys und Markus Löffler, deren Titel auf das Motto der Berliner »Interbau 1957« mit der Einweihung des Hansa-Viertels anspielt. Und zum zweiten, der große Schatz der »Urban Noise«-Schau, das fröhliche und durchdachte Chaos im Raum von Christine Schulz. Hier surrt und brummt es, hier kreuzen sich Dia- und Filmprojektionen auf diversen Stahlelementen als Leinwand-Ersatz: abenteuerliche Aufnahmen der Wuppertaler Schwebebahn-Konstruktion, die von unten aussieht wie ein Achterbahngerüst, eine technische Zeichnung, daneben wunderschöne Bilder von glitzernden Millionenstädten und im Mittelpunkt eine rasende Motorradfahrt durch Roms Innenstadt samt Kolosseum. Hier spürt man es, den »Urban Noise«, die Dynamik und Lebensenergie der Großstadt.

Noch bis 19. Juni, täglich 12-19 Uhr, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2

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