Von Eric Dobias, dpa
23.06.2011

Alarmstimmung im Unterhaus vor der neuen Spielzeit

Sicherheitsrisiko 2. Bundesliga: Gefahr durch Ballung gewaltbereiter Fans / Ligaverband soll entstehende Kosten mittragen

Die 2. Fußball-Bundesliga steht vor einer brisanten Saison und wird gleich zum Saisonstart beim Ost-Klassiker zwischen Energie Cottbus und Aufsteiger Dynamo Dresden in Alarmstimmung versetzt. Mit der Rückkehr der Sachsen, des FC Hansa Rostock und dem Abstieg von Eintracht Frankfurt steigt das Potenzial gewaltbereiter Fans im Unterhaus in der Spielzeit 2011/12 drastisch an. »Wer das erhöhte Sicherheitsrisiko nicht sieht, macht die Augen zu«, sagte Holger Hieronymus, stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), bei der Vorstellung des Spielplans. Dieser sei in enger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden erarbeitet worden.

»Die Ballung gewaltbereiter Fußballanhänger in der kommenden Zweitliga-Saison wird die Polizei einer hohen Belastungsprobe unterziehen. Vor allem auf den Reisewegen besteht die Gefahr von gewalttätigen Auseinandersetzungen feindlich gesonnener Ultra- und Hooligangruppen«, warnte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek. Die DFL will dem Rechnung tragen, sei laut Geschäftsführer Christian Seifert aber nicht mehr gefordert als in den Jahren zuvor. »Wir werden gemeinsam im Rahmen unserer Möglichkeiten eine sichere Abwicklung der Saison gewährleisten. Wenn es zu Ausschreitungen kommt, müssen wir darüber diskutieren. Wir sollten aber nicht jedes Spiel zu einem Sicherheitsrisiko hochstilisieren«, sagte Seifert.

Allerdings ist nach den zahlreichen Krawallen in der Vorsaison auch die Politik alarmiert. Die Probleme mit gewalttätigen Fans entstünden weniger in den Stadien und mehr auf den Anreisewegen, erklärte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Mittwoch zum Abschluss der Innenministerkonferenz in Frankfurt. Dort sei weitere Prävention notwendig. Die unter anderem von den Vereinen vorgelegten Sicherheitsmaßnahmen müssten nun ausgewertet und verbessert werden. An den zusätzlichen Kosten müsse sich insbesondere die DFL stärker als bislang beteiligen, sagte Schünemann. Zudem sollten Verhandlungen mit der Deutschen Bahn aufgenommen werden, damit Menschen mit Stadionverbot nicht zu den Spielorten transportiert werden müssten. »Die Ausschreitungen zum Ende der letzten Saison haben gezeigt, dass es weiteren Handlungsbedarf im Bereich der Sicherheitskonzepte gibt«, sagte der innen- und sportpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Stephan Mayer, und machte sich für eine rigorose Verfolgung von Gewalt- und Straftätern stark.

In der vergangenen Saison waren vor allem die Fans aus Frankfurt, Dresden und Rostock mehrfach negativ aufgefallen, was den Vereinen hohe Geldstrafen einbrachte. Am Dienstag verurteilte das DFB-Sportgericht die Sachsen wegen erneuter Fan-Randale in der abgelaufenen Saison zu einer Geldstrafe in Höhe von 24 000 Euro. Die Eintracht darf wegen der Vorkommnisse beim Spiel gegen den 1. FC Köln im ersten Saison-Heimspiel gegen den FC St. Pauli nur 14 000 Tickets an die eigenen Fans verkaufen. Die Hamburger wiederum dürfen den Saison-Auftakt, der vom 15. bis 18. Juli und damit bereits drei Wochen vor der ersten Bundesliga steigt, als Folge des wegen eines Becherwurfs abgebrochenen Bundesligaspiels gegen Schalke 04 nicht im eigenen Stadion bestreiten. Die Partie gegen den FC Ingolstadt wird höchstwahrscheinlich in Lübeck ausgetragen.