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Von Oliver Händler
23.06.2011

Ersehnte Aufmerksamkeit

Deutsche Fußballerinnen freuen sich auf WM-Euphorie

Von diesem Heimspiel hat die gebürtige Berlinerin Ariane Hingst schon als Kind geträumt: »Ausverkauftes Olympiastadion, fast 75 000 kommen nur für uns, und meine ganze Familie ist dabei.« Am Sonntag um 18 Uhr eröffnet die deutsche Nationalmannschaft gegen Kanada offiziell die Fußball-WM 2011, und die Spielerinnen, von denen ein ganzes Land nicht weniger als den Titel fordert, können es kaum noch erwarten.

»Ich will, dass es endlich losgeht. Von mir aus könnten wir morgen schon spielen«, sagte Torhüterin Nadine Angerer. »Wir wissen, dass 99,9 Prozent der Zuschauer uns anfeuern werden. Das macht das Warten noch schwieriger.« Von der sich langsam anbahnenden Euphorie hatten die DFB-Kickerinnen am Dienstagabend einen ersten Eindruck erhalten, als sie beim Auftakttraining von etwa 1000 Fans erwartet und bejubelt wurden. »Man spürt, dass die Erwartungen an die Mannschaft sehr hoch sind«, sagte Managerin Doris Fitschen. »Aber auch die Spielerinnen haben ja den Titel als Ziel ausgegeben.«

Dazu sollen möglichst gleich am Sonntag drei Punkte gegen die wieder erstarkten Kanadierinnen eingefahren werden. Das 5:0 vom September in Dresden nimmt keiner mehr zum Maßstab. »Niemand von uns denkt noch an dieses Spiel. Wir wissen, das war im letzten Jahr, das ist Vergangenheit. Die Kanadierinnen sind sehr gut aufeinander eingespielt und haben die anderen Testspiele sehr erfolgreich absolviert«, so Hingst.

Dass die 173-malige Nationalspielerin womöglich nicht in der Anfangsformation stehen wird, mache ihr nichts aus, sagt Hingst. »Ich bin ganz optimistisch, im Turnierverlauf auch zu spielen. Ich weiß, wie lange so ein Turnier geht«, spielte Hingst das Thema herunter, auch wenn sie ein Einsatz in ihrer Heimatstadt freuen würde. In den letzten Tests kam die diesjährige DFB-Pokalsiegerin vom 1. FFC Frankfurt nur zu ein paar Kurzeinsätzen von der Bank.

Ein ähnliches Schicksal droht immer noch Rekordnationalspielerin Birgit Prinz. »Sie ist enorm wichtig für diese Mannschaft«, weiß Zimmerkollegin Hingst. »Aber am Ende ist sie auch nur eine von 21 Spielerinnen.« Bundestrainerin Silvia Neid will offiziell noch die Trainingseindrücke bis Sonntag abwarten. »Aber einige werden bald ahnen, ob sie spielen oder nicht. Das merken sie schon an den Formationen, in denen wir im Training spielen werden«, sagte Neid. Diese Übungseinheiten werden dann wohl nicht mehr öffentlich sein wie die ersten drei in den vergangenen Tagen.

Für den DFB besteht indes kein Zweifel mehr daran, dass diese WM ein Erfolg wird. »Unsere Spiele sind komplett ausverkauft, was man vor wenigen Jahren noch nicht erwarten konnte«, freute sich Doris Fitschen. »Auch die Resonanz der Medien kommt bei den Spielerinnen gut an. Endlich haben wir die Aufmerksamkeit, für die wir so lange gekämpft haben«, so Fitschen weiter.

Ob dies auch in vier Jahren bei der WM im fernen Kanada anhält, ist fraglich. Ebenso, ob der Euphoriefunke auf die Spiele ohne deutsche Beteiligung bei der WM 2011 überspringt. Gestern wurde zwar die Marke von 700 000 verkauften Karten übersprungen, doch nur ein Vorrundenspiel ohne DFB-Elf ist bislang ausverkauft.

Das ist Nadine Angerer erst einmal egal. Die beste Torhüterin des WM-Turniers 2007 freut sich auf das Spiel in Berlin. Angst habe sie keine vor der Riesenkulisse. »Wieso, das wird cool. Ich werde die Energie, die die deutschen Fans ausstrahlen, aufsaugen und jede Sekunde genießen.«

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