Die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) zeigte sich im Anschluss an den G20-Gipfel höchst zufrieden. Sie sprach von einem »historischen Treffen«, das ein »klares Signal« für mehr Offenheit an den Agrarmärkten gegeben hätte. Der Aktionsplan soll eine Grundlage für den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs im November 2011 sein.
Zentrales Ergebnis der Beschlüsse ist eine Datenbank, die die Produktion und Lagerbestände von Reis, Mais, Weizen und Sojabohnen erfassen soll. Dieses »Landwirtschaftliche Marktinformationssystem« (AMIS) war insbesondere in Indien und China umstritten, die ihre Lagerbestände nicht preisgeben wollten. Nun erklärten sich aber doch alle G20-Länder im Prinzip dazu bereit. Allein diese Bereitschaft sei ein »riesiger Fortschritt«, sagte Aigner. Allerdings können Privatbetriebe ihre Daten freiwillig an das AMIS weitergeben, das bei der Welternährungsorganisation (FAO) angesiedelt sein soll. Diesen Haken hatten Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen im Vorfeld kritisiert. Aigner hielt dem entgegen, die Betriebe hätten ein großes Eigeninteresse daran, die Marktstände zu kennen.
Neben der Datenbank vereinbarten die Agrarminister vier weitere Maßnahmen gegen Preisschwankungen: die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion, eine engere Zusammenarbeit in Krisenzeiten, ein Ende der Exportbeschränkungen im Fall von Hungersnöten und eine stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte. Letztere fällt allerdings in die Zuständigkeit der Finanzminister. Dazu will die Internationale Vereinigung der Wertpapieraufsichtsbehörden IOSCO im September einen Bericht vorlegen. Die agrarpolitische Sprecherin der LINKEN, Kirsten Tackmann, forderte: »Hier müssen sich Agrar- und Finanzpolitiker zusammensetzen und sich bis zum G20-Gipfel im November auf wirksame Kontrollinstrumente verständigen.« Die Einführung eines Agrarmarkt-Informationssystems sei ein »viel zu zaghafter Schritt«, um diesen Preisschwankungen zu begegnen.
Auch Aigner betonte, nicht nur auf den Agrarrohstoff-Märkten, sondern auch auf den Finanzmärkten für Agrarderivate müsse mehr Transparenz geschaffen werden, etwa durch eine Registrierung kommerzieller wie nicht-kommerzieller Händler. »Es muss für alle Seiten erkennbar sein, welche Gruppen sich auf dem Rohstoff-Finanzmarkt betätigen und wer Waren kauft und verkauft. Das können Rohstoffhändler sein, die ihr Risiko absichern, aber eben auch reine Finanzjongleure, die um den schnellen Profit pokern.« Ein Transaktionsregister könne hier Transparenz schaffen. Auch könnten regelmäßige Berichtspflichten für die Warenterminbörsen eingeführt werden, wie sie in den USA längst üblich seien. Diese Vorschläge fanden aber wenig Beachtung innerhalb des Aktionsplanes, da sie ebenfalls in die Zuständigkeit des Finanzministers fallen.
Kritik an dem Aktionsplan kam überwiegend von Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen. Die Spekulationen an den Nahrungsmittelmärkten treffen in erster Linie die Menschen in Entwicklungsländern, die schon heute bis zu 80 Prozent ihrer Einkünfte für die Ernährung ausgeben müssen. Die Menschenrechtsorganisation FIAN kritisierte, das Thema Landraub sei völlig ausgespart worden, obwohl »mittlerweile vielfach dokumentiert wurde, dass durch diese Investitionen das Recht auf Nahrung der lokalen Bevölkerung verletzt wurde«, sagte FIAN-Agrarreferent Roman Herre. Private Investoren würden riesige Agrarplantagen aus dem Boden stampfen oder auf steigende Preise spekulieren.
Überwiegend ausgespart wurde auch das Thema Agrartreibstoffe. Hier wollen die G20-Agrarminister weitere Analysen abwarten.
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Wissen sie noch, was sie tun? Der Aktionismus der EU und der europäischen Regierungen gegen die Finanz- und Eurokrise unter Führung von Deutschland und Frankreich strahlt hektische Betriebsamkeit aus. Resultat sind Sparanstrengungen, die zu Sozialabbau führen und die die Lage in den EU-Staaten verschlimmern werden. Indessen wollen in Deutschland soziale Bewegungen und linke Gruppen eine »Choreografie der Proteste« gegen die europäische Krisenpolitik festlegen. Siehe auch: Dossier Griechenland.
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Leider ist das Spekulationsobjekt Nahrungsmittel immer noch nicht für die Finanzmärkte tabu. Alle Kraft darauf zu verwenden, Nahrungsmittel aus den Rohstoffen der Finanzmärkte herauszulösen, scheint wieder einmal nicht gewollt zu sein, weil die Staaten und deren Vertreter selbst an der Börse zocken. Es sind hier die falschen Leute zu Beschlüssen aufgefordert. Wir brauchen eine neue Machtverteilung. Ethik und Moralgremien, die sich am Wohl der Volker orientieren müssen, wären sicher angebrachter. Dann würde es auch nicht mehr heißen, Konzerne wandern ab, weil z.B. Deutschland zu teuer ist, sondern wil andere Länder zu billig sind. Das würde das Weltbild und die Maßnahmen in den armen Ländern aus einem anderen Blickwinkel betrachten lassen.
Während Spekulanten, Banken und Investmentgesellschaften mit Lebensmitteln Kasse machen, steigt die Zahl der Hungernden weltweit!
Dagegen protestiert die Initiative handle-fair.de!
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