Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin
25.06.2011

Willige Riesen, bequeme Zwerge

GARTEN: Schaublätter und Mammutblätter mit Rekordmaßen

In der Höhe können sie mit Bäumen nicht mithalten, aber im Ausmaß ihrer Blätter überragen sie sie um Längen. Und da diese an die Laubform mancher Art der größten Lebewesen auf unserer Erde erinnern, tragen Schaublätter den Hinweis darauf in ihrem Namen: Rodgersia aesculifolia (Foto: B. Müller) z. B. zeigt sich kastanienblättrig; jedes einzelne Blatt kommt locker auf eine Länge von 30 bis 40 Zentimeter. R. sambucifolia ist etwas kleiner und erinnert an Holunder. Japan, Korea und Westchina sind ihre ursprüngliche Heimat.

Die Staude treibt ihre Blattstiele aus Rhizomen in eine Höhe bis zu nahezu zwei Metern, wenn ihr der Standort besonders gut gefällt; sie stehen gern an Gehölzrändern in einem humosen feuchten Boden. Auch in der Sonne wachsen sie willig, wenn sie gut mit Wasser versorgt werden und die Füße kühl stehen (vorm Austrieb gut mit Kompost mulchen).

Rodgersien beeindrucken nicht nur mit der Größe ihrer Blätter, sondern manche auch mit dem Farbwechsel selbiger. R. podophylla treibt rotbraun bis kupferrot aus, ist dann sattgrün, um im Herbst leuchtend rot die Saison zu beenden. Die Blüten schwingen sich in hohen Rispen über das Blattwerk in weiß, gelblich, rosa und rot, je nach Sorte vom Frühjahr bis in den Spätsommer.

Vermehren lassen sich Schaublätter gut durch Teilen im Spätherbst, auch durch Rhizomschnittlinge und durch Säen. Den leeren Platz um die Staude herum schmücken vor ihrem Austrieb verschiedene Frühblüher. Und als ständige Begleitung eignen sich dann Silberkerze, Eisenhut, Geißbart, Glockenblumen, Farne, Waldgräser und nicht zuletzt Astilben. Oder, bei ausreichend Platz, kann dem einen Riesen noch ein weiterer hinzugesellt werden – das Tafelblatt (Astilboides tabularis). Dessen riesige ungefiederten Blätter können mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter auftrumpfen.

Als Größte im Bunde der riesenblättrigen Stauden sei das Mammutblatt (Gunnera) erwähnt. Ob seiner Ähnlichkeit mit dem Frühjahrsgemüse (das meist nur wie Obst zubereitet wird) heißt es Riesenrhabarber. Es hat die größten und langstieligsten Blätter unter den Stauden, ist aber ob seiner Herkunft aus Afrika, Australien und Südamerika nicht so robust und anspruchslos wie Schau- und Tafelblatt.

Aber natürlich haben auch die Zwerge aus Floras Füllhorn diese höchst sympathischen Eigenschaften. Wer beispielsweise einen Weg mit Trittsteinen gestalten möchte, kann selbige statt mit Gras viel bequemer mit Moos einfassen. Unschlagbarer Vorteil: Der Rasenmäher bleibt stumm! Das Sternmoos (Sagina subulata) bildet dichte weiche Polster, die sich lange mit weißen Blüten schmücken. Auch als Steingartenpflanze ist es gut geeignet.

Jetzt ist Kirschenzeit, ein jedes Jahr wiederkehrendes Vergnügen. Und wenn man dabei in einem gut gepflegten Baum noch herumturnen kann – Hmmm! Außerdem lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, nämlich Ernten mit Schneiden. Der sogenannte Ernteschnitt ist bequem, weil man unten pflücken kann. Und dem Baum gelingt es jetzt viel besser, die Wunden zu schließen als in der kalten Jahreszeit. Zudem wird die Gummiflussgefahr verringert. Auch beim Kernobst sollten jetzt die senkrechten Wasserschosser entfernt werden. Und zwar werden sie besser abgerissen als weggeschnitten, da so die schlafenden Augen an der Triebbasis gleich mit entfernt werden. Risswunden heilen um diese Jahreszeit auch schneller als Schnitte.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken