Rund 2000 Besucher weilten am Wochenende im rund 900 Einwohner zählenden Kronprinzenkoog (Kreis Dithmarschen) nahe der Nordsee. Die Vorzeigegemeinde könnte mit ihrer Energieproduktion aus Sonne, Wind und Biomasse locker den Bedarf der Landeshauptstadt Kiel decken. Verschiedene Aussteller informierten im Rahmen der Solar-Bundesliga-Feierlichkeiten über die Möglichkeiten, Solarenergie flächendeckend in Parks oder individuell für den kommunalen Kindergarten oder das Eigenheim zu nutzen. Die von der Natur gegebene Sonnenscheindauer gerade auch in Schleswig-Holstein ist ein wichtiges Element in der angestrebten Energiewende. Als Bremsklötze wirken hier noch Netzeinspeisung und -verteilung sowie die Speicherung.
Bisweilen wird darauf verwiesen, dass die Photovoltaik die teuerste Form alternativer Energiegewinnung sei, auch weil sie über Jahre mit Subventionen angeschoben werden musste. Derzeit gibt es pro Kilowattstunde etwa 29 Cent an Einspeisevergütung, an der Leipziger Strombörse hat sich der allgemeine Großhandelspreis bei sechs Cent eingependelt. Sukzessive soll bis 2020 der Photovoltaikstromanteil in Deutschland auf zehn Prozent steigen, die Vergütungen dafür parallel dazu zurückgefahren. Allein im Vorjahr gingen 230 000 neue Anlagen ans Netz. Bundesweit bietet die Solartechnologie inzwischen rund 150 000 Arbeitsplätze – und damit auch eine nicht zu unterschätzende kommunale Wertschöpfung.
In Kronprinzenkoog möchte man Vorreiter mit Vorzeigecharakter sein und steht über alle Parteien hinweg aufgeschlossen als innovative Spielwiese zur Verfügung. Am vergangenen Donnerstag wurde der Prototyp eines Solarcarports eröffnet. Für insgesamt 200 000 Euro hat man dort eine Unterstell- und Lademöglichkeit fürs Auto zugleich geschaffen. »Die E-Mobilität wird steigen«, meint Bürgermeister Thomas Masekowitz. Er ist überzeugt, dass der Trend auch bis an die kleinen Orte an der Nordseeküste vordringen wird. Dafür will er gewappnet sein und überlegt, mit dem Verleih von Elektroautos, E-Fahrrädern und E-Rollern eine verkehrstechnische Attraktion des sanften Tourismus anzustoßen.
Im Rahmen der Solar-Bundesliga werden seit elf Jahren Vorzeigegemeinden ausgezeichnet. Meist sind kleine Gemeinden hier ganz groß. Im Bereich der Solarwärme kommt der Sieger in diesem Jahr aus Schalkham (Bayern). Unter 1662 mitmischenden Kommunen belegt das thüringische Braunsdorf den zweiten Platz. Unter den Großstädten hat Ulm mit seiner Solarenergiebilanz am besten abgeschnitten. Der sportliche Wettkampf wird seit 2001 von der Fachzeitschrift »Solarthemen« in Kooperation mit der Deutschen Umwelthilfe ausgerichtet. Nachahmer gibt es in sieben europäischen Ländern sowie in Nordamerika.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Neubau statt WM-Werbung Trotz-Signal an die Politik: Solarworld AG errichtet weitere Fabrik
Sind Frauen die besseren Politiker?
Preis: 12,95 €
Preis: 11,95 €
Werbung:
Werbung: