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Von Martin Lejeune, Athen 28.06.2011 / Titel

Wortgefechte um Gaza-Flotte

Organisatoren der Hilfsaktion halten an Vorhaben fest / Israel will Blockadebruch verhindern

Die israelische Regierung hat die Marine des Landes am Montag angewiesen, eine Ankunft der geplanten Hilfsflottille für den Gaza-Streifen in dem Palästinensergebiet zu unterbinden. Am selben Tag bekräftigten die Organisatoren der »Freedom Flotilla II – Stay Human« auf einer Pressekonferenz in Athen, an ihrem Vorhaben festzuhalten. Die Aktion verfolge ausschließlich humanitäre Ziele.

Etwa 200 Medienvertreter hatten sich zu der Pressekonferenz eingefunden. Immer wieder wurde die Veranstaltung von zustimmendem Applaus unterbrochen, nicht nur seitens der zahlreichen arabischen Korrespondenten.

Vanguelis Pissias, Professor an der Technischen Universität Athen und Sprecher des griechischen Schiffes, erklärte: »Die Schiffe laufen aus, wenn der Druck auf die Behörden reduziert wird.« Gemeint sind damit die Bemühungen, die Flottille unter anderem durch scharfe Kontrollen am Ablegen Richtung Gaza zu hindern. Der Druck werde nicht nur von Israel ausgeübt, sondern auch von anderen Regierungen. »Das ist nicht akzeptabel.« Die Teilnehmer seien alle Menschen aus der Zivilgesellschaft, denen die Risiken der Reise bewusst seien. »Wir wissen, dass wir die Gewalt eines Staates gegen uns haben. Aber unser Motiv ist humanitär. Wir wollen dringend benötigte Hilfe nach Palästina bringen. Wir wollen auf die Einhaltung der Menschenrechte achten.« Pissias rief die Medien auf, die Beladung der Schiffe zu kontrollieren und die Güter der Schiffe zu untersuchen, »um die israelische Propaganda auszuschalten«. »Wir stechen in See wegen der Verteidigung der Menschenrechte der Palästinenser. Dies wird von Israel als politisches und nicht als humanitäres Ziel absichtlich missdeutet.«

Am Montagnachmittag verlautete aus Jerusalem, dass die israelische Marine angewiesen worden sei, die Ankunft der Hilfsflottille im Palästinensergebiet zu unterbinden. Israelische Soldaten sollten aber eine »Konfrontation mit den Menschen an Bord der Schiffe so weit wie möglich vermeiden«, hieß es in einer Erklärung von Regierungschef Benjamin Netanjahu.

In den kommenden Tagen sollen sich im Mittelmeer etwa zehn Schiffe treffen, die gemeinsam die von Israel völkerrechtswidrig verhängte Seeblockade des Gaza-Streifens durchbrechen und Hilfsgüter in das Palästinensergebiet bringen wollen. Nach Angaben der Organisatoren der Flottille vom Montagnachmittag sollen sich die Schiffe am Donnerstag oder Freitag vor der Küste der griechischen Mittelmeerinsel Kreta sammeln, um die Fahrt gemeinsam fortzusetzen. Im vergangenen Jahr war die damalige Hilfsflotte von israelischen Spezialeinheiten aufgebracht worden. Bei dem Militäreinsatz starben insgesamt neun Menschen, zahlreiche weitere, darunter auch israelische Soldaten, wurden verletzt.

Unter den Prominenten, die sich an der diesjährigen Gaza-Hilfsflottille beteiligen, ist abermals der schwedische Schriftsteller Henning Mankell. Auf der Pressekonferenz nahm Mankell Bezug auf den südafrikanischen Bischof Desmond Tutu, »der hinter uns steht«. »Tutu erlebte, was die Apartheid den Schwarzen in Südafrika antat. Und Tutu sieht, was die Israelis den Palästinensern antun. Daher sendet uns Tutu seine Unterstützung aus Südafrika.« Die US-Bürgerrechtlerin Alice Walker betonte, sie fahre nach Gaza, »weil unsere Regierung versagt hat bei den Bemühungen um die humanitären Hilfen für die Palästinenser«.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Die LINKE, Israel und der Antisemitismus

    Der Impuls für die Beschäftigung mit dem Thema Antisemitismus kam für die LINKE von außen. Um so mehr erhitzt es, da parallel dazu die nächste Flottille in den Gazastreifen ansteht, die Gemüter und beschäftigt Ressourcen der Fraktionen und Vorstände. Resolutionen und Presseerklärungen jagen einander. Der Presse scheint es ein willkommenes Thema zu sein.
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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Realkritiker, 28. Jun 2011 17:17

    Wie soll die praktische Übergabe der Hilfsgüter im Gaza-Streifen aussehen ?

    Bekanntlich sind Hilfsgüter wie Medikamente und Lebensmittel in Kartons verpackt, die auf Paletten, oder direkt in Container transportiert werden. Zur Be- und Entladung braucht man schweres Gerät wie Gabelstapler und Krane. Medikamente müssen sogar in klimatesierten Behältern transportiert und gelagert werden. Einzig und allein im Hafen von Gaza - Stadt sind die Möglichkeiten zur Entladung der Schiffe und entsprechende Lagermöglichkeiten vorhanden. Nur, diese Anlagen sind das Eigentum der Hamas und die bestimmen wer überhaupt etwas von der zivilen Bevölkerung bekommt. Es liegt in der Natur der Sache, daß man zunächst die eigenen Getreuen versorgt, bzw. wie oft üblich die Hilfsgüter für teures Geld weiterverkauft. So wird die "Kriegskasse" der Hamas für Waffenkäufe deutlich entlastet. Mit diesen Waffen werden dann auch wie vorher Kinder und Jugendliche für ihren Kampf zur Vernichtung Israels ausgerüstet. Sollten diese Hilfsgüter überhaupt in Gaza-Stadt ankommen stärken sie nur das terroristische Hamas Regime, die daraus neues Gewaltpotenzial gegen Israel hervorbringt, was automatisch wieder die Gegengewalt Israels provozieren wird. Die Opfer werden wieder wie immer unschuldige Zivilisten mit Frauen und Kindern sein. Die einzige Möglichkeit diese Gewaltspirale zu brechen ist, daß die Hamas bedingungslos das Existenzrecht Israels anerkennt und Israel im Gegenzug die Blockade des Gazas aufhebt. Weiter, wenn die Hamas die Bevölkerung im Gaza entwaffnen würde. Die Linke will mit politischen Mitteln alle Konflikte dieser Welt beenden, nur außer "Sprüche" ist nirgendwo praktische Friedensarbeit von den Linken zu sehen oder zu hören. Es wäre für die Redaktion des ND doch eine Aufgabe bei Initiatoren dieser Flotte zu recherchieren, was und wie viel man an Hilfsgüter nach Gaza bringen will und auch zu erfahren was man im Gaza organisiert hat, um die Hilfsgüter auch wirklich an die Zivilbevölkerung überall Gaza zu verteilen, damit sie nicht nur der Hamas zu Gute kommen ?

    • Permalink

  • Ani-metaber, 28. Jun 2011 18:25

    Re: Fazit: Wer einem Palästinenser was zu essen gibt, der stärkt die Hamas

    – die Eigentümer (sicher mit Grundbucheintrag) des Gaza-Hafens ist.

    Gab es für Sie nicht die Möglichkeit, sich solche Bedenken vorher zu überlegen und nach der gerechten Verteilung vor der Abreise zu fragen?
    Haben Sie das gemacht, oder wollten sie ohnehin keine Hilfe für Palästinenser?
    Immerhin hatten auch Sie ein Jahr Zeit sich um Güterverteilung Gedanken zu machen und wie macht dies wohl die UN oder Mr. Niebel?
    Wissen Sie welche Pläne die Organisatoren bei der Verteilung haben, offenbar nicht?
    Ich weiß es auch nicht, aber dann brauche ich mir darüber auch erst mal keinen Kopf machen.
    Theoretisierend könnte ich ja auch sagen, dass aufgrund des geminderten Nachfragedrucks die Preise sinken, die Menschen glücklicher und weniger gewaltbereit und damit die Unterstützung für die Hamas sinken würde – aber ehrlich gesagt wäre mir solch eine Betrachtung zu blöde,
    und angesichts der humanen Katastrophe im Gazastreifen auch nicht eingefallen da unmenschlich und unangemessen..

    Die Hamas will übrigens Israel nicht zerstören, sondern wenn, dann allen Palästinensern ihre Heimat wiedergeben – dass sie es nicht erreichen kann und deshalb Kompromisse eingehen muss und auch wird, ist ihr wohl auch hinlänglich bekannt -
    Warum sie aber bedingungslos auf Rechte verzichten sollte, das kann ja wohl nur kriegstreibenden Zionisten und bundesdeutschen Nachkriegshelden einfallen, die glauben, die Palästinenser hätten die Verantwortung und die Folgen des deutschen Massenmordes an den europäischen Menschen jüdischen Glaubens oder Herkunft zu tragen.
    Die Hamas zu verteufeln hilft da nicht weiter, sondern ist allenfalls eine Erlösung für die, die ihre Hände gerne in den Schoß legen möchten.
    Auch sollte man den Palästinensern zugestehen, dass sie ein Anrecht auf ihre Wahrheit haben und damit ihren Stolz bewahren können, dass Israel nur entstehen konnte, weil die britische Besatzungsmacht der indigenen Bevölkerung Palästinas das Selbsbestimmungsrecht genommen hatte.

    • Permalink

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