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Der 16-jährige Shogi-Revolutionär Dominick Pickhan (o.) – Gelbes Pikachu aus dem Pokémon-Kosmos als einfacher Samurai (r.) Fotos: Grigory Kutuzov, Misako Lijima-Roevekamp
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ND: Das ehrwürdige Shogi haben Sie in eine Versammlung putziger Pokémoncharaktere verwandelt. Wird dadurch nicht das Original verfälscht?
Pickhan: Das kommt auf die Sichtweise an. Mein Set ist vor allem ein neues Angebot, Shogi zu lernen. Gerade Kinder, die mit Pokémon aufgewachsen sind, mögen das. Zum Beispiel wird auf der weißen Seite der Shogigoldgeneral verkörpert von einem gelben Elevoltek aus der Pokémonreihe, den identifizieren die Kinder sofort, und ihnen ist sofort klar, wie der einzusetzen ist.
Ein krasser Unterschied zum spartanischen Design des traditionellen Shogi. Das ist ohnehin ein bisschen enttäuschend: Einen Laien wird der Haufen kryptischer Kanji-Plättchen einigermaßen ratlos lassen.
Durchaus. Beispielsweise kriegt der Laie wohl nicht wirklich mit, dass ein Drache äußerst gefährlich ist.
In Ihrem Szenario dagegen ist alles klar und übersichtlich. Warum aber bevölkern Pokémongestalten nicht bloß den Spielplan, sondern warten zusätzlich außerhalb der Bande?
Markenzeichen des Shogi ist ja eine Sonderregel: Steine, die ich der anderen Seite abnehme, unterstützen künftig meine Armee. Außerdem werden Figuren befördert, sobald sie ins feindliche Lager eindringen. Logisch, dass beide Parteien ungefähr die doppelte Zahl an Kämpfern benötigen, um sie einzutauschen gegen Gefangene oder Rangniedere, die befördert werden sollen. Insgesamt gehören rund 80 Figuren zum Pokémonset.
Da ist auch das gelbe Kaninchen aus dem Pokémonkosmos. Ist das ein König?
Nein. Außerdem ist das natürlich kein Kaninchen, sondern das berühmte Pikachu. Es reiht sich ein bei den neun Samurai, die in etwa den Bauern im hierzulande üblichen Schach entsprechen.
Links und rechts flankiert von einem robusten Elevoltek – das sind die Goldgeneräle, das wissen wir nun – hockt eine Art Maus mit langem Schwanz.
Die vermeintliche Maus ist Mew, und den kennt jeder Pokémonspieler. Mew gilt als Ur-Pokémon, er trägt in sich die Gene aller anderen Pokémon. In meinem Shogi übernimmt Mew den Part des weißen Königs.
Sie sind ganz offensichtlich auch ein Pokémonexperte.
Ich beschäftige mich damit, seit ich sieben Jahre alt bin.
Pokémon sind moderne Fantasiewesen in einer Serie von Videospielen. Die Reihe ist eines der erfolgreichsten Produkte von Nintendo, wurde bisher über 200 Millionen Mal verkauft. Das beunruhigt manche Eltern und Pädagogen. Pokémon verdumme und mache aggressiv, sagen sie.
Jedes andere Computerspiel, angefangen mit »World of Warcraft«, ist doch aggressiver als Pokémon. Wenn ein Pokémon ein Duell verliert, verschwindet er einfach vom Schirm. Und kehrt später vielleicht nach virtueller »Heilung« zurück.
Abgesehen davon, dass Sie eine Pokémonversion entworfen haben: Was fasziniert Sie am Shogi?
Ich spiele auch das westliche Standardschach im SK Ludwigshafen. Ich finde es spannend, dass taktische Muster aus dem Schach im Shogi ebenfalls funktionieren können.
Wie lange haben Sie an Ihrem Pokémon-Shogi gearbeitet?
Ungefähr zwei bis drei Monate. Die meisten Figuren besaß ich bereits. Zu meiner Sammlung gehören um die 300 Exemplare, von den knapp 650 verschiedenen Typen, die aktuell auf dem Markt sind.
Falls morgen die Firmas Nintendo anruft und Sie als Berater für ein Projekt Pokémon-Shogi engagieren möchte …
… wäre das natürlich schön! Wobei es mir in erster Linie nicht um das Geld geht: Ich wünsche mir vor allem, dass meine Idee in großem Stil überhaupt umgesetzt wird.
Gespräch: René Gralla
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