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Von Tomasz Konicz 01.08.2011 / Wirtschaft

Arbeitsalltag nach ultrarechtem Gusto

Ungarische Regierung hebt Privatsphäre auf und organisiert ein brutales System der Zwangsarbeit

Arbeitslose in Ungarn sollen künftig mit bloßen Händen Dämme errichten, wobei sie nahe der Baustelle in Barackenlagern hausen. Dies richtet sich vor allem die Minderheit der Roma.

Ungarns Arbeiter und Angestellte sollen künftig auch am Feierabend im Dienst sein. Ein Gesetzesentwurf der Rechtsregierung von Ministerpräsident Viktor Orban sieht die Einführung verbindlicher Verhaltensauflagen für alle Lohnabhängigen auch außerhalb ihres Arbeitsplatzes vor. So sollen sie von allen Tätigkeiten Abstand nehmen, die das Ansehen des Arbeitgebers beschädigen könnten.

Dieser Gummiparagraph, der die Grenzen zwischen Arbeitswelt und Privatsphäre auflöst, ist Teil einer gerade auf den parlamentarischen Weg gebrachten Reform der Arbeitsgesetzgebung. Der Gesetzesentwurf sieht zudem eine Aufhebung des Kündigungsschutzes von Schwangeren oder allein erziehenden Müttern vor.

Der neue Maßnahmenkatalog soll die Arbeitsgesetze ergänzen, die im Juli von der Regierungskoalition aus Fidesz und Christlich-Demokratischer Volkspartei verabschiedet wurden. Diese sehen unter anderem eine Verkürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes von 270 auf 90 Tage und die Einführung einer allgemeinen Zwangsarbeit für Sozialhilfeempfänger vor. Erneut holt sich die ungarische Rechtsregierung die Inspiration für ein reaktionäres Politikvorhaben aus Deutschland. Budapest verankerte bereits eine »Schuldenbremse« in der Verfassung. Und ähnlich dem Konzept der Ein-Euro-Jobs innerhalb der rot-grünen Hartz-IV-Reform soll künftig Arbeitslosen die Sozialhilfe gekappt werden, die sich der Zwangsarbeit in »öffentlichen Arbeitsprogrammen« verweigern. Bis zu 300 000 Menschen sollen ab Herbst landesweit erfasst werden. Zu den »gemeinnützigen« Arbeiten könnten laut Medienberichten die Errichtung von Fußballstadien, Straßenbau, die Instandhaltung der Kanalisation und das Aufschütten von Dämmen zählen.

Von diesen Maßnahmen wird hauptsächlich die Roma betroffen sein, die rund 7,5 Prozent der Bevölkerung stellt. Aufgrund der allgegenwärtigen Diskriminierung herrscht unter der Minderheit, die während des real existierenden Sozialismus meist in den längst abgewickelten Industriekombinaten und in der Landwirtschaft arbeiteten, derzeit eine Arbeitslosenquote von mehr als 50 Prozent.

In einem Interview machte Orban auch klar, dass diese Arbeiten nicht mithilfe technischer Mittel des 21. Jahrhunderts, sondern »mit der Hand« verrichtet werden sollen. Ungarn müsse »auf den Pfad einer auf Arbeit basierenden Ökonomie zurückkehren; die Bürger müssen verstehen, dass es keinen Weg zum Reichtum durch Spekulation gibt«, tönte der Premier im Parlament. Die Arbeitskolonnen sollen auch an private Unternehmer »ausgeliehen« werden können und etwa beim Ausheben von Gräben oder bei Hilfstätigkeiten auf dem Bau Verwendung finden.

Mit dem Zwangsarbeitssystem wird ähnlich dem deutschen Vorbild eine massive Absenkung des Lohnniveaus forciert. Die Vergütung soll dem Sozialhilfesatz von monatlich 28 500 Forint (circa 110 Euro) entsprechen, während der Mindestlohn bei 78 000 Forint liegt. Auch die Zumutbarkeitsgrenzen wurden verschärft, damit die Arbeitslosen landesweit eingesetzt können. Bei mehr als zwei Stunden Fahrtweg vom Wohnort sollen die Betroffenen in lagerähnlichen Baracken-Unterkünften am Einsatzort untergebracht werden. Die Arbeitskolonen werden des Weiteren dem Innenministerium unterstellt, das auch den entsprechenden Repressionsapparat organisieren soll. »Wir wollen diese Arbeiter nicht überwachen«, versuchte Innenminister Sándor Pintér bei einer Pressekonferenz zu beruhigen. Doch welche Aufgaben sonst die frühpensionierten Polizisten haben sollen, die dafür reaktiviert werden, konnte er nicht sagen.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 31. Jul 2011 22:03

    Nun ja

    EU-Europa wird eben immer bunter: In Lettland paradiert die SS und in Ungarn errichten sie Konzentrationslager

    • Permalink

  • fares, 01. Aug 2011 22:03

    baracken sind keine kz, herr rotspoon

    @rotspoon: konzentrationslager dienten in nazideutschland der gezielten vernichtung ganzer menschengruppen durch arbeit, unterernährung und krankheit. ggf. wurde mit giftgas nachgeholfen. die im artikel genannten baracken zur unterbringung von roma, die, wenn sie sozialhilfe erhalten wollen, zu arbeit gezwungen werden, sind zwar menschenverachtend. sie dienen jedoch nicht deren physischer vernichtung!
    ihr kommentar ist eine extreme verharmlosung der konzentrationslager nazideutschlands und zeugt von geschichtsvergessenheit.

    • Permalink

  • drhwenk, 02. Aug 2011 12:53

    Wehret dem Endspurt...PROVOKANT!!

    Ich finde, einen ostentativeren Wink mit dem Lagerzaunpfahl Richtung "Normalisierung" genuin faschistischer Praktiken, die lupeneine Aufnahme des damaligen Arbeitsdienst ist wohl voll realisiert, auch in Richtung kritisierter Asyllager für Jugoslawienkreogasylanten in der BRD MIT kritisiertem ARBEITSVERBOT, ist kaum möglich.
    Das Arbeitsverbot für Asylanten in der BRD hat übrigens zu einer äußersteten Prekarisiserung und fast Unterbindundung eine Integration über die normalen sozialenProzesse in der Gesellschaft über Jahrzehnte geführt.
    Das hat sichindem Rufge nach "WIEDERGERSTELLUNG"!!! der Zivilgesllschaft geäußert.
    Nun, nach "Arroganz der Macht" kommt das Kontinuum faschistische Praktiken.
    Kennzeichenend ist das: "brutal und sturheil in die absehbare Katastrophe".

    Ein größere Amputation sozailer Handlugsmacht udn Optioen ist auch schon eine.

    • Permalink

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