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Von Katja Herzberg 04.08.2011 / Inland

Kinderarmes Deutschland

Bundesrepublik altert weiter / Armut unter Minderjährigen bleibt konstant

In Deutschland leben immer weniger Kinder. Sie wachsen überwiegend unter guten Bedingungen auf. Doch immerhin jedes sechste Kind galt auch 2010 als arm, wie das Statistische Bundesamt in einer neuen Erhebung feststellte.
Spielplatz statt Sommerurlaub – auch so wirkt sich Kindera
Spielplatz statt Sommerurlaub – auch so wirkt sich Kinderarmut in Deutschland aus.
Mehr als eine Generation von Kindern und Jugendlichen ist schon im vereinten Deutschland aufgewachsen. Doch noch immer sind die Bedingungen für sie in Ost und West recht verschieden. Zu diesem Ergebnis kam das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner jährlichen Stellungnahme zur Lebenssituation der Kinder, die es gestern in Berlin abgab. Dabei verwies der Präsident des Destatis, Roderich Egeler, insbesondere auf die unterschiedlichen Familienstrukturen und die wirtschaftliche Lage im Elternhaus.

Wie der Mikrozensus für das Jahr 2010 ergab, nimmt der Anteil an Alleinerziehenden zu. Ihre Zahl ist seit 2000 um 3,3 Prozentpunkte auf insgesamt 16,8 Prozent angestiegen. Nur noch drei Viertel aller unter 18-Jährigen leben bei Ehepaaren. In den neuen Bundesländern sind es sogar nur noch 58 Prozent. Dies erklären die Statistiker vor allem damit, dass dort mehr Kinder außerhalb der Ehe geboren werden. Knapp ein Viertel der ostdeutschen Kinder wohnte 2010 mit nur einem Elternteil zusammen, bei den westdeutschen Kindern waren es 15 Prozent.

Gerade die Alleinerziehenden sind oftmals auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Nach Erkenntnissen des Mikrozensus war ein Drittel von ihnen hauptsächlich von Hartz IV, Sozialhilfe und anderen Bezügen abhängig. Insgesamt zählten im vergangenen Jahr 1,96 Millionen Heranwachsende zu Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften.

Viele von ihnen leben in Armut. Wie Egeler darstellte, seien Minderjährige jedoch nicht stärker von Armut betroffen als Erwachsene. Der Anteil liege nach einer europaweiten Vergleichsuntersuchung bei 15 Prozent. Nach Zahlen des Mikrozensus für 2010 sind sogar 18,7 Prozent »armutsgefährdet«, weil das Einkommen der Eltern unter dem statistischen Schwellenwert von 925 Euro im Monat liegt. Davon sind vor allem Kinder von alleinerziehenden Eltern betroffen. Mit 37,5 Prozent nahm ihr Anteil in den letzten Jahren zu. Damit sind Kinder von Alleinerziehenden fast drei Mal so häufig arm wie im Durchschnitt. Zum Ost-West-Unterschied stellte Silvia Deckl, Referentin des Destatis, fest: »Wir haben in den neuen Bundesländern eine deutlich höhere Armutsgefährdungsquote bei der Gesamtbevölkerung und bei Kindern.«

Die elementaren Grundbedürfnisse wie Nahrung, eine ausreichende Menge an Kleidung und Spielsachen können die allermeisten Eltern finanzieren. Doch in 22 Prozent der Haushalte mit Kindern unter 16 Jahren musste auf eine jährliche Urlaubsreise verzichtet werden. Sieben Prozent der Eltern gaben an, ihren Sprösslingen aus finanziellen Gründen keine regelmäßige Freizeitbeschäftigung wie Sport oder Musizieren ermöglichen zu können.

Auf eine Bewertung der Zahlen danach, ob es dem deutschen Nachwuchs heute besser oder schlechter als in den Vorjahren geht, wollte sich Egeler nicht einlassen. Nur so viel: »Wir sehen die Tendenz, dass die Armutsgefährdung bei Alleinerziehenden im Osten höher ist und der Zuzug in die alten Bundesländer weiter besteht«, so Egeler.

»Dies ist ein unverändert hoher Prozentsatz, der nicht hinnehmbar ist«, kommentierte Michael Kruse vom Deutschen Kinderhilfswerk die Armutsquote. Die LINKEN-Politikern Diana Golze kritisierte die Zahl armer Kinder bei Alleinerziehenden. »Hier lauert die Gefahr einer dramatischen Armutsverfestigung.« Sie forderte die Neuberechnung des Hartz-IV-Satzes und einen gesetzlichen Mindestlohn. Eine »faire Ordnung auf dem Arbeitsmarkt« verlangte der IG-Metall-Vorsitzende, Berthold Huber.

Während die Armutsquote in den vergangenen Jahren stabil blieb, nahm der Anteil der Kinder an der Bevölkerung Deutschlands weiter ab. In den letzten zehn Jahren konstatierte das Destatis einen Rückgang um 14 Prozent von 15,2 auf 13,1 Millionen. Im Osten macht sich der Geburtenknick besonders bemerkbar. Die Zahl der Kinder nahm um 29 Prozent ab, im Westen waren es nur zehn Prozent. Damit ist Deutschland der kinderärmste Staat Europas. Nur noch 16,5 Prozent der über 81 Millionen Einwohner sind jünger als 18 Jahre. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Szletal81, 04. Aug 2011 06:57

    Das Lieblingsthema

    der Demoskopen. Damit die Rentner und Sozialempfänger nicht übermütig werden.
    Im welchen Land leben wir eigentlich, daß man noch mehr Kinder braucht?
    Gibt es nicht schon genug prekäre Arbeitsverhältnisse.
    Vielleicht sollten die Schönen und Reichen endlich begreifen, daß man nicht alles nur erben braucht.

    • Permalink

  • Rotspoon, 04. Aug 2011 09:19

    Nein, so läuft das nicht

    Würden die Schönen und Reichen nicht erben, wären sie Nullen. Und Nullen sind Nullen. Haben wir schon mal eine lernfähige Null getroffen?

    • Permalink

  • Rotspoon, 04. Aug 2011 13:31

    Wo laufen sie denn?

    Kinderarmut ist immer relativ und der Anteil der Kinder an der Gesamtbvölkerung ist eine rein statistische Angelegenheit. Entscheidend für die Zukunft eines Landes ist aber, was eine Gesellschaft aus ihen Kindern macht.

    • Permalink

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