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Beruf und Organisation

Wer streikt, hat recht. Wenn Beschäftigte die Arbeit niederlegen, können sie sich meist sicher sein, dass die Bevölkerung sie unterstützt. Auch wenn die Bürger dadurch Nachteile erleiden. So wie am heutigen Freitag: Die Bus- und Straßenbahnfahrer in Baden-Württemberg sind im Ausstand, der Nahverkehr in mehreren Städten soll zum Stillstand kommen. Die Fahrer sind in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di organisiert und werden nach dem Tarif im öffentlichen Dienst bezahlt. Jetzt fordern sie aber einen eigenen Tarifvertrag.

Vorgemacht hat das die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Sie legt seit Monaten verschiedene Bahnlinien lahm, um einen bundesweiten Spartentarif durchzusetzen. So haben etwa die Fahrgäste im Berufsverkehr nach Hamburg, Bremen und Hannover viel Zeit verloren. Ihre Wut richtete sich aber weniger gegen die streikende GDL, als vielmehr gegen die Privatbahn Metronom. Dass die Pendler für den Fahrtausfall keine Entschädigung beim Abopreis bekamen, brachte die Passagiere auf die Palme.

Gegenwind bekommen die Berufsgewerkschaften indes vom DGB. Der kritisiert regelmäßig, dass die mächtigen Piloten, Ärzte und Lokführer nur für ihre eigenen Interessen einstünden. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Pilotenvereinigung Cockpit, die Ärztegewerkschaft Marburger Bund und die GDL verhandelten früher in Tarifunionen mit ver.di und der DGB-Eisenbahnergewerkschaft EVG bzw. deren Vorgängerorganisationen. Erst als die eigenen Mitglieder sich nicht mehr vertreten fühlten, stiegen die Berufsgewerkschaften aus – schließlich arbeiten Klinikärzte, Fliegerpiloten, und Lokführer unter Hochspannung und verantworten dabei Menschenleben. Dafür wollen sie angemessen entlohnt werden.

Dass Lokführer maximal 2800 Euro verdienen, entkräftet das alte DGB-Argument der »Snobgewerkschaften«. Der Warnstreik der badischen und schwäbischen Bus- und Tramfahrer trägt die Frage der Spartentarife nun in die DGB-Gewerkschaft ver.di hinein. Über Jahrzehnte hatten Straßenbahnführer und Buslenker die Gehaltserhöhungen für lethargische Angestellte und Beamte erkämpft. Damit soll jetzt Schluss sein: Nur wer selber streikt, bekommt sein Recht. Mirko Knoche

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Gewerkschaft und Dienstleistungsgesellschaft

    Vom 17. - 24. September findet in Leipzig der dritte ver.di-Bundeskongress unter dem Motto "Vereint für Gerechtigkeit" statt. Über tausend Delegierte stimmen über hunderte Anträge ab und geben der Politik ihrer Gewerkschaft eine Richtung für die Zukunft. Es wird diskutiert über Themen wie Dienstleistungsgesellschaft, prekäre Beschäftigung, Arbeitsbedingungen in kirchlichen Einrichtungen und politische Streiks.
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