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Von Georg Ackermann, Singapur 08.08.2011 / Wirtschaft

Peking hebt den Mahnfinger

Internationale Aufsicht für Dollar gefordert

China geht mit den USA nach deren Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's hart ins Gericht. Der größte Gläubiger der USA befürchtet eigene Verluste. Erneut werden Stimmen laut, die eine Abkehr vom Dollar als Leitwährung fordern.

Die Nervosität beim größten Gläubiger der Vereinigten Staaten steigt sichtlich. Ein am Wochenende veröffentlichter Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua kommt schon fast einer Abrechnung gleich. »Die Tage, in denen der hoch verschuldete Onkel Sam sein im Ausland geborgtes Geld so einfach verplempern konnte, sind mit dem Verlust der AAA-Note am Freitag gezählt«, schreibt Xinhua. China habe jetzt das Recht, eine Lösung des strukturellen Schuldenproblems zu fordern, um die Sicherheit seiner Dollaranlagen zu garantieren.

Insgesamt hat das Land 1145 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen gebunden. Von den 3,2 Billionen Dollar an Devisenreserven wurden gut zwei Drittel in der US-Währung angelegt. »Das Geld, das wir verdient haben, ist zu einer Last geworden«, heißt es in der South China Morning Post.

Xinhua hebt nun belehrend den Zeigefinger: »Um seine Schuldenabhängigkeit zu heilen, müssen die USA wieder zum gesunden Menschenverstand zurückfinden und erkennen, dass man im Rahmen seiner Verhältnisse leben soll.« Die Ausgaben für den gigantischen Militärapparat sollen zurückgefahren und die aufgeblähten Kosten für das Sozialwesen unter Kontrolle gebracht werden. Wenn dies nicht geschehe, sieht die Agentur weit verheerendere Kürzungen im Kreditrating als gegeben. »Neue Turbulenzen am Finanzmarkt werden uns schließlich alle heimsuchen«, so die Prophezeiung.

China diskutiert bereits seit geraumer Zeit mögliche Wege aus der Dollarfalle. Yu Yongding, ein früheres Mitglied der Zentralbank und dort für die Geldpolitik mitverantwortlich, ist einer der bedeutendsten Trommler für eine Abkehr von der US-Währung. »Es besteht die Gefahr, dass wir unsere Lektion nicht gelernt haben«, schreibt er in einem Gastbeitrag für die Financial Times. Eine Abstufung der USA oder sogar ein Verzug bei der Schuldenrückzahlung bedeute hohe Verluste für das Land. »Die Zeit ist gekommen, dass wir unsere Abhängigkeit vom Dollar beenden.«

Yu weist darauf hin, dass die Volksrepublik bereits Maßnahmen eingeleitet habe, um das Anwachsen der Dollarreserven zu reduzieren. So solle eine stärkere Stimulierung der Inlandsnachfrage den Handelsbilanzüberschuss verringern. Peking lässt auch den starken Yuan mehr und mehr aufwerten. Dies galt lange Zeit als Tabu, weil die Währungspolitiker nicht ihrer Exportwirtschaft schaden wollten. Außerdem werden Projekte forciert, um die chinesische Währung für den internationalen Handel attraktiv zu machen. Sieben Prozent des Außenhandels werden bereits auf diese Weise abgewickelt.

»Es mag vielleicht fünf bis zehn Jahre dauern, bis der Renminbi den Status einer Reservewährung einnehmen kann«, sagt Stuart Gulliver, Chef der Hongkong and Shanghai Banking Corporation, der sechstgrößten Bank der Welt, über die chinesische Währung. Viel hängt davon ab, wie streng es China mit seinen Kapitalkontrollen nimmt. Internationale Investoren spekulieren auf eine weitere Aufwertung, finden Wege, diese Beschränkungen zu umgehen und legen ihr Geld verstärkt im chinesischen Währungsraum an. Die Inflationsrate stieg dort im Juni um 6,4 Prozent, die Zentralbank hob die Zinsen bereits zum dritten Mal.

Immer beliebter werden auch in Yuan notierte Anlagen, die verstärkt in Offshorezentren wie Hong Kong und Singapur angeboten werden. 86 Milliarden Dollar schwer ist dieser Markt bereits. Jaspal Singh Bindra von der Standard Chartered Bank meint dazu: »Die chinesischen Behörden sind begeistert von der Entwicklung.« Er könne sich über mangelnde Unterstützung von dieser Seite nicht beklagen.

Die Agentur Xinhua schlägt in ihrem Artikel sogar noch radikalere Maßnahmen vor: »Wir brauchen eine internationale Aufsicht über die Ausgabe von neuen US-Dollar.« Solange die Weltwirtschaft noch von einer einzigen Währung abhängt, bleibe keine andere Option, um die Katastrophe abzuwenden. Die Amerikaner jedenfalls sollen sich einer tiefen Gewissensprüfung unterziehen, wie sie dem finanziellen Abgrund entgehen wollen.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Finanzkrise

    Wissen sie noch, was sie tun? Der Aktionismus der EU und der europäischen Regierungen gegen die Finanz- und Eurokrise unter Führung von Deutschland und Frankreich strahlt hektische Betriebsamkeit aus. Resultat sind Sparanstrengungen, die zu Sozialabbau führen und die die Lage in den EU-Staaten verschlimmern werden. Indessen wollen in Deutschland soziale Bewegungen und linke Gruppen eine »Choreografie der Proteste« gegen die europäische Krisenpolitik festlegen. Siehe auch: Dossier Griechenland.
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5 Kommentare zu diesem Artikel

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  • DIKU1, 07. Aug 2011 20:59

    Peking hebt den Mahnfinger

    Das Problem der Leitwährung ist eigentlich nicht neu. Ich gehe davon aus, dass bereits im nächsten Jahr eine Neuerung eintritt. Die führende Rolle könnte China spielen.

    • Permalink

  • Rotspoon, 08. Aug 2011 07:36

    Die kapitalistische Weltordnung

    kann auch ohneine LeiDwährung weiter existieren

    • Permalink

  • gem, 08. Aug 2011 12:13

    Verkehrte Finanzwelt im ND

    Was für ein Experte ist Georg Ackermann, der aus dem größten Gläubiger der USA den größten Schuldner macht? "Der größte Schuldner der USA befürchtet eigene Verluste." "Die Nervosität beim größten Schuldner der Vereinigten Staaten steigt sichtlich." Nicht China ist bei den USA verschuldet, sondern ganz im Gegenteil, denn China hat in den letzten Jahren US-Staatsanleihen im Werte von über 250 Mrd. Dollar angehäuft und den USA Kredit in dieser Höhe gewährt. . Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua spricht in einem Kommentar von China als "größtem Gläubiger der einzigen Supermacht der Welt". Aber Herr Ackermann und das ND machen aus China den größten Schuldner der USA. Und das ist keinem ND-Redakteur aufgefallen? Wenn das ND weiterhin als sozialistische Tageszeitung überleben will, sollte es auf Qualität achten, und solche krassen Fehler sollten ihm nicht unterlaufen. Das untergräbt die Glaubwürdigkeit, und der Leser fühlt sich blamiert, wenn er die Darstellung aus dem ND übernimmt und woanders vertritt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gerhard Mertschenk

    • Permalink

  • Onlineredaktion, 08. Aug 2011 12:16

    Re: Verkehrte Finanzwelt im ND

    Sehr geehrter Herr Mertschenk,

    haben Sie vielen Dank für Ihren Hinweis. Hier ist uns in der Tat ein grober Fehler passiert, den wir korrigiert haben.

    Die ND-Onlineredaktion

    • Permalink

  • extradry, 08. Aug 2011 13:59

    Mit der Herabstufung der USA ...

    ... hat sich S&P der Bewertung der Ratingagentur Dagong vom 3. 8. 2011 angenähert:

    On August 2, 2011 the Congress of the US "approved the bill on raising the debt ceiling of the government. Though this decision enables the government to continue the practice of repaying its old debt through raising new debt, it has not changed the general trend that the increase in national debt outpaces the increase in economy and revenue, making this incident a turning point for the US governments solvency to decline even further. Hence, Dagong decides to downgrade the local and foreign currency credit rating of the US put on the negative watch list on July 14 from A+ to A with a negative outlook.

    The key reasons for the downgrade are as follows: [...]

    Dagong estimates that in order to maintain the current debt size it is necessary for the US to cut its deficit by at least $4 trillion within the next 5 years; obviously the deficit cut program approved by the Congress cannot meet the demand of debt deduction, in addition it reflects a declining willingness of and increasing difficulty for the government in cutting the deficit, which will be unable to provide strong support to the current credit rating. Dagong predicts that the deficit level of the US government will remain moderately high in the future and the size of federal debt will exceed the GDP by the end of 2012. [...]"

    Quelle: www.dagongcredit.com/dagongweb/english/pr/show.php?id=108&table=web_e_zxzx

    vgl. auch schon: www.neues-deutschland.de/artikel/202167.html#c7627

    • Permalink

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