26.08.2011

Dritte Auflage für Rot-Rot?

Velten Schäfer berichtet aus Mecklenburg-Vorpommern

Wenn sich nicht noch etwas Grundsätzliches verändert, ist der neue wie der alte Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern Sozialdemokrat und heißt Erwin Sellering. Zu deutlich lag seine Partei in den letzten Monaten in Führung, und zu groß ist auch Sellerings persönlicher Popularitätsvorsprung vor den Herausforderern Lorenz Caffier (CDU) und Helmut Holter (LINKE). Nach nicht einmal drei kompletten Amtsjahren macht der bart- und bauchlose Intellektuelle aus dem Westen den urigen Landesvater Harald Ringstorff fast vergessen.

Die Spannung im Nordosten konzentriert sich also auf die Koalitionsentscheidung der SPD nach der Landtagswahl. Wird Sellering die rot-schwarze Koalition weiterführen, was verschiedene Umfragen nahelegen, nach denen diese Koalition die im Lande populärste wäre? Oder entscheidet er sich für die Linkspartei, zu der es eine größere programmatische Nähe gibt? Bis auf Weiteres darf darüber spekuliert werden. Wie auch über die Frage, ob den SPD-Genossen die Zusammenarbeit mit der Union nun Spaß gemacht hat in den letzten fünf Jahren. Während sich die Medien ab etwa 200 Kilometer Entfernung vom Geschehen auf die Formulierung »geräuschlos« geeinigt zu haben scheinen, war aus der Nähe des Öfteren ein deutliches Knirschen und Quietschen zu vernehmen, gelegentlich sogar ein leises Stöhnen und Fluchen.

Käme es zu einer dritten Auflage der Rot-Rot-Koalition im Nordosten, wäre dies der bisher einzige wirkliche Wahlerfolg der LINKEN im Superwahljahr. Gute 20 Prozent der Stimmen wären dafür eine gute Basis. Die »Schäfchen« aber, so das parteiübergreifend geflügelte Wort im Nordost-Wahlkampf, werden »erst am 4. September gezählt«.