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Von Irmtraud Gutschke
15.09.2011
Literatur

Du bist frei!

Tatjana Kuschtewskaja: »Die Wolga«

Begeisterung – ein Talent, das ihr angeboren sein muss. Tatjana Kuschtewskaja tritt der Welt gleichsam mit offenen Armen gegenüber. Eindrücke nimmt sie begierig auf, freut sich darüber. Öffnet man sich ihrem Überschwang, wird man davon angesteckt. Folgt man ihrem Blick, beginnen die Dinge zu strahlen.

Mit Tatjana Kuschtewskaja möchte man tatsächlich mal eine Schiffsreise auf der Wolga unternehmen. Solche Fahrten werden ja von vielen Reisebüros angeboten, man kann sie sich auch selber organisieren. Da sollte man in jedem Fall Kuschtewskajas Büchlein »Die Wolga« dabei haben. Und wer es sich »einfach so« kauft, wird Lust bekommen ...

Sozusagen der russische Nil: 3530 km lang, rund 200 Flüsse fließen der Wolga zu, und selbst ist sie einer der längsten Flüsse der Erde. Ein Drittel der Bevölkerung Russlands lebt an ihren Ufern – nicht nur Russen, auch die Tschuwaschen, die Mari, die Tataren, Kalmücken, Wolgadeutsche ... Sie alle pflegen ihre Religionen, ihre Bräuche. Eigentlich müsste man viel mehr Zeit haben, als Wolgareisenden für Besichtigungen gemeinhin zugebilligt wird. Durch die Fußgängerzone von Twer flanieren, das Mäusemuseum in Myschkin besichtigen, die Altstadt von Jaroslawl bewundern, sich im neugotischen Schloss von Krasny Profintern etwas über Nympheriche erzählen lassen. Im Mekka der Maler, dem alten Pljos, müsste man ein paar Tage bleiben, wie auch in Nishni Nowgorod. »Antonowka«-Äpfel kaufen, eine »Bischof-Ucha« probieren, sich die »Gottesmutter von Kasan« anschauen wie auch die Moscheen dort, beim Gruschin-Festival der Liedermacher in Togliatti dabei sein, sich am Strand von Samara aalen, sich die Markthalle von Saratow nicht entgehen lassen. Natürlich braucht man auch für Wolgograd eine Weile. Die Bootsfahrt zu den Lotosfeldern im Wolgadelta wird unvergesslich sein.

Es scheint, als ob Ljudmila Kuschtewskaja auch noch die kleinsten Dörfer, die verstecktesten Sehenswürdigkeiten kennt, weil sie überall schon mal war. Als junge Dokumentarfilmerin ist sie weit herumgekommen. So ist dies auch ein Buch der Erinnerungen, die mit zusammengetragenen Geschichten, Legenden und allerlei Angelesenem verbunden werden. Eine Wolgareise, gesteht sie gleich zu Beginn, war ein Kindheitstraum, seitdem sie x-mal den Film »Wolga – Wolga« mit Ljubow Orlowa gesehen hatte. Ein Machwerk Stalinscher Kulturpolitik, weiß sie heute, aber das verändert doch ihre Kindheitserinnerungen nicht.

Das ist auch bemerkenswert: wie die Autorin sowjetische Geschichte und heutige Erfahrung integriert. Da liegt es ihr fern, etwas abzuspalten. Was war, das war und braucht nicht im Nachhinein bekämpft zu werden. Ginge es nach ihr, würden keine Denkmäler abgerissen, keine Straßen umbenannt, was in Russland auch vielerorts nicht geschieht. Immer schon war sie ein freier Geist. »Man ist hier frei von allem«, sagt sie über die Fahrt auf dem Fluss. »Du bist frei. Die Welt gehört dem Reisenden, alle übrigen sind nur Zuschauer des Lebens.«

Tatjana Kuschtewskaja: Die Wolga. Geschichte und Geschichten von Moskau bis Astrachan. Wostok Verlag. 223 S. m. zahlr. Abb., brosch., 17 €.

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