Der große Lohnabstand zwischen Industrie- und Servicebeschäftigten ist ein ausschließlich deutsches Phänomen, sagen Gerhard Bosch und Claudia Weinkopf vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ). Hierzulande betrage er im Schnitt 6,60 Euro, in Frankreich macht er nur 60 Cent aus. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler gehen über 90 Prozent der Zunahme prekärer Arbeit auf den Dienstleistungssektor zurück. Die Qualitätsunterschiede zwischen Industrie und Dienstleistung sind laut IAQ vor allem das Resultat von Regulierungsdefiziten – das Fehlen eines gesetzlichen Mindestlohns, allgemeinverbindlich erklärte Tarifverträge oder wirksame Equal-Pay-Regelungen für Leiharbeiter. Problematische Arbeitsverhältnisse seien auch eine Folge unterfinanzierter öffentlicher Haushalte und Sozialversicherungen, etwa in Bildungs- oder Gesundheitswesen. Schließlich sei es nötig, eine weitere deutsche Besonderheit abzuschaffen: die Minijobs.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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