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Von Hans-Gerd Öfinger, Frankfurt am Main 28.10.2011 / Inland

Strukturfragen von Occupy

Die Protestcamper in Frankfurt am Main arbeiten an ihren Inhalten und dem Verhältnis zu anderen Organisationen

Rechte Unterwanderung, das Winterwetter oder programmatische Beliebigkeit? Was könnte die bundesdeutsche Occupy-Bewegung ausbremsen?
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Allmählich entwickelt die Occupy-Bewegung neue Strukturen. Wie viel Zeit sie für diese Lernprozesse hat, wird die Krisendynamik zeigen.

»Es ist bizarr, dass keine gewerkschaftlichen Embleme zu sehen sind.« So beschrieb ein französischer CGT-Gewerkschafter gegenüber »nd« seine Eindrücke vom Protestcamp der Occupy-Frankfurt-Bewegung vor der Europäischen Zentralbank (EZB). Was dem CGT-Mann ins Auge sprang, ist erklärter Wille der Campteilnehmer, die sich nicht von Organisationen vereinnahmen lassen wollen. Die Gewerkschaften leisten logistische Hilfe und drängen sich der Bewegung nicht auf, so der Frankfurter DGB-Regionschef Harald Fiedler. Auch einer von der hessischen Linksfraktion herangekarrten Blockhütte ist kein Hinweis auf den Spender zu entnehmen.

Aus Sicht der Campteilnehmer ist es wünschenswert, dass das Camp eine Aktion von Bürgern und nicht von Organisationen ist. Das Medienecho scheint ihnen recht zu geben. Der Soziologe Dieter Rucht, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac, bescheinigt den Campern »eine gewisse Harmlosigkeit«. Die Protestierenden wollten »nicht jene großen Teile der Bevölkerung abschrecken, die mit ihren Anliegen sympathisieren«, meint er. »Es gibt eine Verträglichkeit des Protestes bis weit ins etablierte Lager bis hin zu den Banken.« So scheint eine gewaltsame Räumung des Frankfurter Camps wie im kalifornischen Oakland derzeit »unnötig«.

Wirkung gezeigt haben offenbar Warnungen vor einer rechten Unterwanderung. So versuchte die Frankfurter NPD, den Protest zu okkupieren. Inzwischen ist man sich auf dem Camp der Gefahr bewusst. Ein Banner macht klar, dass Faschisten und Sexisten auf dem Camp unerwünscht sind. Auch Aktivisten der »Zeitgeist-Bewegung« sind auf dem Rückzug. Sie hatten sich anfänglich medial in Szene gesetzt und nach Teilnehmeraussagen am stärksten auf Distanz zu Gewerkschaften und Attac gedrängt. Ein im Camp-Infostand ausliegender Zeitungsartikel warnt vor »ekligen Holocaust-Äußerungen« dieser »obskuren Bewegung«.

Die Gefahr einer rechten Unterwanderung dürfe jedoch auch kein Vorwand sein, um ernsthafte Gruppen auszuschließen, meint ein Aktivist der »68er Generation«, der die Bewegung mit Sympathie verfolgt: »Das Camp und sein Zuspruch sind Symptome tiefen gesellschaftlichen Unbehagens.«

Ein größerer Feind für die Bewegung könnten die davonlaufende Zeit und das Wetter sein, vor allem wenn erste Novemberstürme aufkommen und die aktive Unterstützung in der Bevölkerung nicht massiv anwächst. Der Camp-Workshop »Inhalte und Prozeduren« arbeitet derzeit über 50 Themen ab: von Kapitalismus über Realwirtschaft und Zinsproblem bis zu Zivilcourage, Tierethik und bedingungslosem Grundeinkommen. Bislang konnte man sich, so ein Camp-Flyer, auf Ziele wie politische Selbstbestimmung, echte Demokratie, eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte und eine Finanztransaktionssteuer einigen.

Für den Frankfurter IG Metall-Aktivisten Heinz Klee, der letzte Woche mit Emblemen seiner Gewerkschaft auf dem Camp aneckte, liegt das Problem tiefer als in der Frage von Gewerkschaftsfahnen bei Occupy-Aktionen. »Die Arbeiterbewegung müsste auf der Straße stehen und statt Rettungspaketen für Großbanken die Enteignung von Siemens, Daimler und Deutscher Bank fordern. Das tut sie aber nicht«, kritisiert Klee die DGB-Linie. In dieses Vakuum stießen »kleinbürgerliche Bewegungen wie Occupy«. Programmatische Unverbindlichkeit und Hoffnungen auf einen »besseren Kapitalismus« seien gefährlich, so der Metaller. Die Spaltung zwischen unorganisierten Demokraten und Gewerkschaften habe schon in den 1930er Jahren zur Katastrophe geführt, warnt er.

Ob die Wut der Postbank-Angestellten über einen Generalangriff auf ihre Arbeitsbedingungen und die Empörung der Occupy-Bewegung jemals zusammenfinden und sich gegenseitig stärken können, muss sich in den nächsten Wochen zeigen.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Finanzkrise

    Wissen sie noch, was sie tun? Der Aktionismus der EU und der europäischen Regierungen gegen die Finanz- und Eurokrise unter Führung von Deutschland und Frankreich strahlt hektische Betriebsamkeit aus. Resultat sind Sparanstrengungen, die zu Sozialabbau führen und die die Lage in den EU-Staaten verschlimmern werden. Indessen wollen in Deutschland soziale Bewegungen und linke Gruppen eine »Choreografie der Proteste« gegen die europäische Krisenpolitik festlegen. Siehe auch: Dossier Griechenland.
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  • Occupy Bewegung - Sturm der 99 Prozent

    Die antikapitalistische Bewegung »Occupy Wall Street« breitet sich täglich weiter aus. Attac und neu gegründete Facebookgruppen der Occupy-Bewegung rufen auch in Deutschland zum Protest auf.
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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • drmath, 28. Okt 2011 13:15

    Leider reicht das Begeungsbewuustsein oft nicht zur bewussten "konsequenten" Wahl - nämlich der LINKEN

    Es ist schin tragisch, wenn AKTIVISTEN MÜHEN UND VERFOLGUNG AUF SICH NEHMEN UND DANN BEI DER SIMPLEN GEFAHRLOSE, DATENGESCHÜTZTEN AKT DER FOREMELLEN PARALAMENRSICHEN WAHL IHRE STIMME OF PARTIENGEBNEn GEBEN, die exakt das Geneteil 4 oder 5 Jahre RECHTSRELAVANT entscheiden.

    Hier in der BRD sind das die GRÜNEN und die SPD, die die Bankenaufsicht und die Finanzmarktderegulierung beschlossen haben.

    Wenn Herr Steinbrück als "Finazkrsienfinzminister" vor der letzten Wahl gegen der eigenen Politik und Regierung, bei Fortführung der großen Kolaition Wahlkampf, aufruft,
    istsogar die Realsatire bei weitem überschritten.
    In der Tat: "Übersprungshandlungn" udn "Übersprungsideen"
    sind bei Wählern und Mitgliedern von GRÜNEN und SPD
    erwartungsgemäß eingeroffen.

    • Permalink

  • drmath, 28. Okt 2011 13:25

    Re: Leider reicht das Begeungsbewuustsein oft nicht zur bewussten "konsequenten" Wahl - nämlich der LINKEN 2/2

    In den USA, dem Herkunftsland der Occupy Bewegung,ist es noch schlimmer - oder besser, klarer (Doppelbedeiutungskonstruktion): Selbst eine alterntivlose Obamawahl reicht nicht aus.

    Im Hessenisst der aktuelle SPD Chef ein Gwerkschafstmann.
    extra so "auserkoren".
    Nur damit die Teilnehmer von Occupy nocht so verständlislos vor dem Machenschaften stehen, deren Opfer und Objekt sie sind.
    Tja, das ist richtig große Macht und richtig großes Geld.
    DA SIND DIE RICHTIG GROSSEN SCHURKEN DIE REGEL.

    Übrigwsnkan ein bischen Sex zur Vernesserung der Beziehungen zwichghen den Geschelchterr nicht schaden.
    Im Gegenteil.

    MAKE LOVE NOT WAR!!! SCHON VERGESSENß

    (To make love heistS im engslcihen auhch, miteinander ins Bett gehen.).

    • Permalink

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