Regenwaldschutz ist wieder angesagt: 25 000 Unterschriften hat der Verein »Rettet den Regenwald« für die Yasuní-Initiative gesammelt. Heute sollen sie anlässlich einer Sitzung des Haushaltsausschusses vor dem Bundestag übergeben werden. Der Verein ruft gemeinsam mit der Grünen Jugend, dem Umweltverband BUND und der BUNDjugend zu einer Kundgebung auf. Vor Ort wird auch Avaaz sein - das internationale Kampagnennetzwerk hat vor wenigen Tagen ebenfalls eine Petition gestartet; dort haben bereits über 80 000 Menschen unterzeichnet.
Es geht um einen artenreichen Regenwald, zwei Naturvölker und ein gigantisches Ölfeld. Die ecuadorianischen Regierung schlägt vor, den Wald nicht abzuholzen und das Erdöl unter der Erde zu belassen, um zu verhindern, dass 407 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Im Gegenzug sollen die Industrienationen die Hälfte der potenziellen Öl-Erträge in einen von der UN verwalteten Treuhandfonds einzahlen. Ecuador kann dieses Geld für Umweltschutzprojekte, für Bildung und Krankenhäuser nutzen.
Schon 2008 hatten sich alle Bundestagsfraktionen für dieses Projekt ausgesprochen. Doch FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) weigert sich, die Gelder auszuzahlen. Auch in den Reihen der Koalition gibt es etliche Befürworter der Yasuní-Initiative. Mögliche Wackelkandidaten aus der Unionsfraktion wurden von Umweltaktivisten bereits über Facebook und Twitter auf die entscheidende Sitzung des Haushaltsausschusses hingewiesen. Bleibt es bei der Finanzblockade, könnte der Wald noch im Dezember Ölbohrungen zum Opfer fallen.
Wie kommt es, dass Tausende Bürger für den Regenwald in Ecuador unterschreiben und Umweltbewegte auf die Straße gehen? »Die Yasuní-Initiative ist im Rahmen von Klimagerechtigkeit geeignet als eine neue Idee, wie Klimaschutzprojekte gefördert werden können«, sagt Aktivist Jürgen Kraus. In der Tat entspricht die Initiative den Grundzügen der Klimagerechtigkeit: Die reichen Industriestaaten zahlen, die Entwicklungsländer profitieren und das Klima allemal. Das Öl bleibt im Boden und kann so gar nicht erst verbrannt werden - auch das ist eine zentrale Forderung der neuen Klimabewegung, die sich im Umfeld des gescheiterten Klimagipfels von Kopenhagen im Dezember 2009 herausgebildet hat.
Zuvor waren es vor allem die etablierten Umweltverbände, die sich für mehr Klimaschutz eingesetzt haben. Sie versuchen, durch Lobbyarbeit die UN-Konferenzen zu beeinflussen, unterstützen auch Instrumente wie den Emissionshandel. Die Yasuní-Initiative hingegen setzt an der Quelle an: »Das Öl gar nicht erst fördern und dadurch CO2 vermeiden - so hat die Klimabewegung in Deutschland noch nicht gehandelt«, sagt Kraus.
Was hat dieser Regenwald mit dem Klima zu tun???
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