17.11.2011

Die Enttäuschung

Die deutschen Fußballerinnen scheiterten früh bei der Heim-WM

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nd-Sportredakteur Mark Wolter berichtete von der Fußball-WM.

Der 9. Juli in Wolfsburg sollte kein besonderer Tag sein. Die deutschen Fußballerinnen sprachen vor ihrem ersten K.o.-Spiel schon davon, wie schön es wird, zum Halbfinale wieder nach Frankfurt zu fahren. Und die Journalisten im Medienraum witzelten lieber über die Meldung zu ICE-Zügen, die regelmäßig ihren Stopp in der beschaulichen Autostadt vergessen, als über den Gegner aus Japan zu reden. Keine Frage, das Viertelfinale in der Provinz – nur ein Zwischenhalt.

Ein paar Stunden später trotteten die DFB-Frauen mit einem eigentlich für das Finale vorbereiteten Spruchband durch die Arena: »Ein Team – ein Traum – Millionen Fans – Danke!« Endstation in Wolfsburg. Die Favoritinnen und Titelverteigerinnen verabschiedeten sich nach ideenlosem Spiel und einem Tor von Karina Maruyama durch einen japanischen Konter in der 108. Minute.

Der Schock saß tief. Zuschauer vergaßen zu pfeifen, die Spielerinnen blieben lange ungläubig auf dem Rasen hocken – beinahe so, als hätte man ihnen allen vorher verheimlicht, dass ein Ausscheiden im Viertelfinale der Heim-WM überhaupt möglich ist. »Das ist total surreal«, meinte Torhüterin Nadine Angerer und Saskia Bartusiak konnte sich »nicht vorstellen, nach Hause zu fahren«.

Die Erwartung war höher, das Ziel nur der Titel. »Dritte Plätze sind etwas für Männer«, lautete der Werbeslogan vor dem Turnier. Für die Spielerinnen sollte es der Karrierehöhepunkt werden, für den Frauenfußball und die Bundesliga der Knalleffekt für mehr Aufmerksamkeit. Statt vor durchschnittlich 26 000 WM-Zuschauern spielen sie nun im Liga-Alltag wieder vor ein paar Hunderten. Dass es selbst mit WM-Titel wohl kaum mehr wären, ist auch kein Trost.

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