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Von Velten Schäfer
30.11.2011
Tagesthema: Rechtsextremer Terror

Niedrigpreisige Ferndiagnose

Warum sich die ZDF-Sendung »Aspekte« in Jena entschuldigen muss

Am 5. Dezember stellt sich das ZDF-Kulturmagazin in Jena seinen Kritikern. Die Universitätsstadt fühlt sich in einem Beitrag zum braunen Terror zu Unrecht an den Pranger gestellt. Inzwischen hat sich der Protagonist von dem Filmbericht distanziert.

Es ist heutzutage nicht leicht, ein Kulturmagazin zu »promoten«. Christhard Läpple, der neuerdings beim ZDF für »Aspekte« verantwortlich ist, probiert deshalb so allerhand aus. Gerade gab es eine Sendung mit Anke Engelke als Gastmoderatorin. Doch als noch öffentlichkeitswirksamer als die Comedy hat sich offenbar der Krawall erwiesen: Nach dem Beitrag über Thilo Sarrazins ersten Kreuzberg-Besuch im Sommer wurde am 18. November der Münchner Schriftsteller Steven Uhly erstmals in seinem Leben nach Jena verfrachtet. An den Bahnhof »Paradies«, weil sich da so tolle Wortspiele anbieten.

Uhly ist nämlich sichtlich nicht deutschstämmig, und für jemanden wie ihn, so der Fünf-Minuten-Film, ist Jena kein »Paradies«. Sondern, wie der Beitrag nahelegt, ein zu meidender Ort der Angst vor Rassismus und Gewalt - wie, auch das insinuiert der Film, der ganze Osten Deutschlands. Unterlegt ist das Ganze mit Musik wie aus dem Gespensterfilm. Und tiefer, das ist das große Problem an dem Filmchen, geht die Analyse nicht.

Denn es stimmt ja einerseits, dass tatsächlich viele, denen man eine Einwanderung ansieht, sich von Ostdeutschland fernhalten; erst kürzlich hat der Linkspartei-Fraktionschef Bodo Ramelow im Erfurter Landtag aus seiner eigenen Verwandtschaft das selbe erzählt. Andererseits bleibt es erstaunlich, wie platt der Schriftsteller in der Sendung herüberkommt. Schließlich wurde er zum Protagonisten ernannt, weil es in seinem Roman »Adams Fuge« gerade um jene trübe Suppe aus Geheimdienst, Rechtsradikalismus (und ein bisschen Geschäftemacherei) geht, die im Freistaat jetzt so grausig verschüttet worden ist - und die zur Klärung der ungeheuerlichen Eskalation viel mehr beitragen kann als die handelsübliche, hier noch nicht einmal ausgeführte, Niedrigpreis-Ferndiagnose über den barbarischen Charakter des unfreien Ostdeutschen.

Hätte der Beitrag seinen Protagonisten und das Problem ernst genommen, hätte der Tenor also ganz anders lauten müssen. Das hat auch Uhly selbst erkannt, dem seine Rolle in dem Film offenbar unangenehm ist: In einem langen Text für die »Thüringer Allgemeine« distanziert er sich jetzt von dem »Aspekte«-Beitrag: Der sei auf ein »negatives Gefühl zugespitzt worden - und habe ihn selbst dabei in eine Opferrolle gedrängt: »Der Fernsehbeitrag hat Angst zu einem Bild von Jena gemacht und Jena mit dem ganzen Osten gleichgesetzt. Ich selbst (...) stehe da wie ein potenzielles Opfer. Der Beitrag reitet so sehr darauf herum, dass ich den alten positiven Rassismus Westdeutschlands wiedererkenne. Er hat sich modernisiert - wirklich gewandelt aber hat er sich nicht.« Redaktionsleiter Läpple, der vermutlich tatsächlich nicht verstehen kann, inwiefern der Film beleidigend sein könnte, hat die Sendung in einem Internet-Video engagiert verteidigt.

Am 5. Dezember will sich die Redaktion in Jena der Kritik stellen - die in der Universitätsstadt seit der Ausstrahlung der Sendung hochkocht. Eine Resolution »Jena ist sauer« trägt bei etwa 100 000 Einwohnern bereits weit über 4000 Unterschriften.

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