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Von Kira Taszman 01.12.2011 / Berlin / Brandenburg

Die Katze auf dem Kirchendach

11. Französische Filmwoche Berlin

Etliche Vorurteile kursieren über das französische Kino. Zu viel gequasselt werde darin, sagt die eine Fraktion. Die andere, bestehend aus cinephilen Frankophilen (oder andersherum), schwärmt dagegen vom Esprit eines Rohmer, der Anarchie eines Godard oder dem oh! so unnachahmlichen Flair des Romantikers Truffaut.

Leider hat der gallische Film in Deutschland in den letzten Jahrzehnten kommerziell eingebüßt. Doch dass mit Frankreich als künstlerischer Kino-Nation nach wie vor zu rechnen ist, kann man erneut auf der - mittlerweile elften - Französischen Filmwoche Berlin nachprüfen. Insgesamt 18 Filme aus vier frankophonen Ländern hat sie im Gepäck.

Kleine und größere Filme sind dabei und auch Überraschungshits. So hält Olivier Nakaches und Eric Toledanos Tragikomödie »Ziemlich beste Freunde« in Frankreich mit über 8 Millionen Zuschauern den Jahresrekord. Der Film erzählt die Beziehung des vom Hals abwärts gelähmten weißen Adligen Philippe (großartig: François Cluzet) zu seinem schwarzen Pfleger Driss (ebenbürtig: Omar Sy). Der eine, ein belesener Mozart-Liebhaber, bewohnt ein Schloss, der andere bevorzugt Hip-Hop und entstammt einem Ghetto. Doch Gegensätze ziehen sich an, und so verstehen sich die beiden prächtig - Krisen mit eingerechnet. Inszeniert ist die Buddy-Komödie der besonderen Art ohne Larmoyanz und mit viel Witz. Vielleicht kommen ernstere Töne zu kurz, aber vergnüglich ist der Film auf jeden Fall.

Ein anderes Highlight stellt Joann Sfars Verfilmung seines eigenen Comics »Die Katze des Rabbiners« dar. Der sprechende Kater lebt im Algier des angehenden 20. Jahrhunderts und kommt im Film wie im Comic als spitzmäuliger, knochiger Vierpföter mit viel zu großen Ohren daher. Über Gott und die Welt debattiert das eloquente - und agnostische! - Tier mit seinem Herrchen, dem Rabbi, zweifelt die Tora an und entpuppt sich als vorlauter, aber intellektueller Gesprächspartner. Ein Wüstenabenteuer um ein äthiopisches Jerusalem besteht der Stubentiger in malerischen orientalischen Zeichentrick-Kulissen.

Auch Marjane Satrapis Film-Ruhm begründete eine Comic-Verfilmung: die fabelhafte Autobiografie »Persepolis« (2007). Nun legt die Künstlerin iranischer Herkunft mit dem Spielfilm »Huhn mit Pflaumen« nach. Ihr Filmmärchen handelt von einem persischen Geiger (Mathieu Amalric), der sich aus beruflichen und amourösen Enttäuschungen heraus zum Sterben hinlegt. Der Funke mag jedoch nicht recht überspringen. Zu unschlüssig im Ton und zu gewollt poetisch führt das Werk sein künstliches Personal vor.

Eingestandenermaßen artifiziell ist »The Artist« von Michel Hazanavicius. Der moderne Stummfilm schildert den Fall des - fiktiven - Stummfilmstars George Valentin (grandios: Jean Dujardin), dem der Übergang zum Tonfilm zum Verhängnis wird. Hazanavicius' Schwarz-Weiß-Epos ist eine so liebevolle wie gelungene Hommage an die Anfänge des Kinos. Es kopiert gekonnt die Erzählweise klassischer Hollywood-Stummfilme samt Übertreibung, Ellipsen und flottem Tempo und lässt auch Melodramatik nicht außen vor. Die Rettung des Beaus durch eine Frau berührt und amüsiert zugleich.

Schließlich entzückt ein weiterer animierter Katzenfilm, »Une vie de chat« (Ein Katzenleben) von Alain Gagnol und Jean-Loup Felicioli. Die Geschichte des Einbrecher-Katers Dino punktet mit kunstvoll gezeichneten, farbenfrohen Bildern und einem atemberaubenden Finale auf den Dächern der Pariser Notre Dame. Hunde kommen hier besonders schlecht weg, was den frankophilen Katzenliebhabern der Filmwoche ein hämisches Pläsier bereiten dürfte.

1.-7.12. Cinema Paris, International, Passage und FaF

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