Am Mittwoch ging die Auseinandersetzung zwischen der britischen Koalitionsregierung und den Gewerkschaften in die nächste Runde. Rund 30 Gewerkschaften beteiligten sich an einem Streiktag, der den gesamten öffentlichen Sektor lahmlegte. Es war der bislang größte Streiktag der britischen Gewerkschaftsgeschichte, mit fast drei Millionen Beteiligten. Unter anderem wurden der öffentliche Personenverkehr in Nordirland, staatliche Behörden, Schulen und Krankenhäuser bestreikt. Entzündet hatte sich der Streik an geplanten Verschlechterungen der Renten im öffentlichen Sektor. Hier will die Regierung längere Lebensarbeitszeiten, höhere Einzahlungen der Beschäftigten in die Rentensysteme und niedrigere Renten nach Abschluss des Berufslebens durchsetzen.
Zudem sorgt der Verwendungszweck der von den Beschäftigten verlangten Mehreinzahlungen in die Rentensysteme für Zündstoff. Dieses Geld soll für die Rückzahlung der durch die Bankenrettungspakete entstandenen Staatsschulden eingesetzt werden.
Der Streiktag ist Ausdruck eines sich rapide verschärfenden sozialen Klimas in Großbritannien. Das wirkt sich auch auf den privaten Sektor aus. Am Vorabend des Streiks veröffentlichte die Gewerkschaft das Ergebnis einer Urabstimmung aus der Bauindustrie. 82 Prozent aller direkt beim Baukonzern Balfour Beatty Beschäftigten stimmten für Kampfmaßnahmen. Dieser Betrieb ist eines von sieben Bauunternehmen, die im Baugewerbe Lohnkürzungen um 35 Prozent durchsetzen wollen. Gegen diese Pläne gab es in den vergangenen Wochen immer wieder heftige Proteste, Blockaden und Besetzungen. Nun kann es ab dem 7. Dezember zum ersten offiziellen landesweiten Streik in der Bauindustrie seit den 1970er Jahren kommen.