Frankfurt am Main (dpa/AFP/nd). Weltweit abgestimmt haben wichtige Zentralbanken in der Euro-Krise für eine Atempause gesorgt. Die Federal Reserve in den USA, die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Notenbanken Japans, Großbritanniens, Kanadas und der Schweiz erleichtern Währungsgeschäfte untereinander, um Finanzierungsengpässe bei Banken und damit auch bei Unternehmen zu verhindern. Das teilte die EZB am Mittwoch in Frankfurt mit. Ziel sei es, dem weltweiten Finanzsystem mehr flüssige Mittel zur Verfügung zu stellen und damit Spannungen an den Märkten abzubauen.
Bei den sogenannten Dollar-Tauschgeschäften geht es darum, anderen Notenbanken Finanzmittel in US-Dollar bereitzustellen. Am Mittwoch senkten die beteiligten Zentralbanken die Zinsen für solche Geschäfte - damit wird es zum Beispiel für europäische Banken leichter, an Dollar zu kommen. Auch Tauschgeschäfte (»Swaps«) in anderen Währungen sollen bis 2013 möglich sein.
»Letztlich ist es eine Hilfe für das europäische Bankensystem«, sagte der Volkswirt Klaus Adam von der Universität Mannheim der dpa. Die Banken hätten in der letzten Zeit Schwierigkeiten gehabt, sich in Dollar zu refinanzieren, weil ihre in Euro laufenden Wertpapiere von der Gegenseite zunehmend nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert worden seien. Die europäischen Geschäftsbanken würden in die Lage versetzt, sich billiger als bislang in US-Dollar zu refinanzieren, sagte Adam.
Zuvor hatte es bereits Meldungen über zunehmende Spannungen im europäischen Bankensystem gegeben. Das Misstrauen der Institute untereinander wächst zusehends, was zu einem großen Bedarf an Liquidität führt. Statt sich freie Mittel gegenseitig zu leihen, werden diese bei der EZB geparkt: Am Mittwoch näherten sich die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank der Marke von 300 Milliarden Euro. Der große Liquiditätsbedarf war bereits am Vortag deutlich geworden. So lieh die EZB in ihrem wöchentlichen Refinanzierungsgeschäft den Instituten so viel Geld wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Summe dieses Hauptgeschäfts, über das die Banken ihren regelmäßigen Bedarf an Liquidität decken, lag bei 265,5 Milliarden Euro. Die Banken können sich derzeit bei der EZB gegen Sicherheiten so viel Liquidität wie gewünscht besorgen. Diese »Vollzuteilung«, zu der die Notenbank bereits in der Finanzkrise 2008 griff, hat sie in der Euro-Krise wieder aufleben lassen.
Zu der allgemeinen Verunsicherung trug auch die Herabstufung der Kreditwürdigkeit zahlreicher internationaler Großbanken durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bei. In den USA traf es sechs Geldhäuser. S&P senkte die Bewertung für die Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Wells Fargo sowie JP Morgan Chase. In Europa verlor die niederländische Rabobank ihre Bestnote AAA und landete bei AA. Laut S&P war die Rabobank noch das letzte private Institut, das bis dahin die beste aller möglichen Bewertungen innehatte. In Spanien wurde die Großbank BBVA herabgestuft, in Großbritannien Barclays, HSBC, Lloyds und die Royal Bank of Scotland, in der Schweiz die UBS.
Derweil wartet die Branche weiter mit Spannung auf den neuen Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA). Er soll Aufschluss geben, wie viel frisches Kapital die großen Institute zusätzlich brauchen, um krisenfest zu werden. Auch beim neuerlichen Stresstest gibt es Streit zwischen der EBA und den nationalen Aufsichtsbehörden, weswegen sich die Veröffentlichung verzögert. Die Bundesbank etwa dringt auf nicht allzu strenge Kriterien, damit der Stresstest die Lage der ohnehin schon mit Finanzierungsproblemen kämpfenden Institute nicht weiter verschärft. Ursprünglich sollten die Ergebnisse schon Mitte November vorliegen.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
Deutsche Banken bestehen Stresstest Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ist ein Sonderfall
Mehrere Banken durchgefallen Erste Ergebnisse vom Stresstest
Berlin befindet sich im Wandel. Die damit einhergehenden Veränderungen sehen die einen als unvermeidliche und positive Stadtentwicklung. Andere verstehen diesen Prozess als Bedrohung. Investoren, die vom Berliner Charme profitieren möchten, werten ganze Viertel auf: Die Mieten steigen, Clubs werden rausgeklagt und am Ende steht eine ausgetauschte Mieterschaft.
"Eine äusserst gefährliche Entwicklung"
US-Kriegsveteranen demonstrieren gegen das Kriegsbündnis
Preis: 100,00 €
Preis: 11,95 €
Werbung:
Werbung: