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Von Volkmar Draeger
15.12.2011

Von Kabarett bis Klamauk

Im Schlosspark Theater absolviert Hallervorden »Stationen eines Komödianten«

Am Pult stehend, mit Fliege und Asthmaspray, sinniert Dieter Hallervorden in der letzten Nummer seines Programms über ein Thema, das die Nation spaltet: Dieter oder Didi. Er gab den Volltrottel, bekennt er, und liebe doch zugleich die sublime Pointe, die feinfühlige Komik. Dass da noch eine versteckte Attacke lauert, ahnt man: Als der Vortrag endet und er sich umdreht, ragt der nackte Arsch aus dem Anzug. Nach Offenbachs berühmtestem Cancan dann die Filmeinspielung.

Didi wird immer fetter, verbrennt sich, speit Feuer, fällt mit dem Gesicht in die Sahnetorte, lässt Wasser aus den Ohren trillern. Praller Klamauk also. Dieter singt live den Song vom Narren, der nach Hause geht, nach dem Sinn seines Tuns fragt - aber ein Narr gibt eben nie auf. Zwei Stunden intensiven Spiels liegen da hinter Hallervorden, drei Zugaben vor ihm, und mit alldem hat er seinem Publikum einen frohen, bisweilen schadenfrohen Abend beschert, wenn er mit beißendem Spott und grotesker Zuspitzung gesellschaftliche Missstände seziert.

Seit einem halben Jahrhundert ist Dieter Hallervorden bereits eine Institution in Sachen Kabarett, und nur Haarspalter oder Beckmesser stellen die Frage, die er oben selbst formulierte, wohl Wind aus den Segeln nehmend. Und wenn bisweilen hinter dem Witz noch eine tiefere Wahrheit aufblitzt, schadet das nicht.

Das dachte sich wohl auch der Hausherr des Schlosspark Theaters und nahm sein Jubiläum 2008 zum Anlass für eine retrospektive Schau großer Hits. Ausreichend Material stand ihm dafür zu Gebote: aus den Fernsehprogrammen von Nonstop Nonsens bis zu Hallervordens Spottlights, allesamt Straßenfeger mit hoher Einschaltquote und reger Wiederholungsgefahr, aus den Soloprogrammen, den Filmen und seinem Kabarett, den »Wühlmäusen«. Was »Hallervorden« mit dem schlichten Untertitel »Stationen eines Komödianten« heißt, zeichnet so temporeich wie kurzweilig anhand der populärsten Sketche den Weg vom Vorsprecher an einer Schauspielschule bis zum Arrivierten seiner Szene nach. Hallervorden braucht dazu nicht mehr als an jeder Seite der Bühne ein Rednerpult, hinter dem die benötigten Requisiten für blitzschnelle Umzüge lagern.

Die Kostüme und Perücken, in und unter die er schlüpft, sind indes nur äußerliches Attribut: Was den wahren Komödianten an ihm ausmacht, sind vielmehr die wie auf Knopfdruck veränderten gestischen Haltungen und jene einzigartige Gesichtsplastik, mit denen er seinen Figuren unverwechselbar Profil gibt. Und welche sind das alle! Da ist eingangs der Erzähler, der hintergründig die Gäste begrüßt, auch die katholischen Geistlichen mit ihren Gemahlinnen, und verschmitzt resümiert, er habe immerhin schon zehn Jahre länger durchgehalten als die DDR. Da ist der Billige Jakob, ein spitzfindiger Bauchladenverkäufer, den er gemeinsam mit seinem langjährigen Bühnenpartner Harald Effenberg und als Reminiszenz ans Kabarett gibt. Auch seine frühe Eignungsprüfung spielt er nach und, Erinnerung an die »Wühlmäuse«, die Szene um Lohnerhöhung.

Dann im Film: Spottlight und die anschließenden Proteste, von Stoiber über CDU und NPD bis zum Beamtenbund. Der Spott aber trifft noch immer. Aus Urteilsbegründungen auf zum Schreien komische Klagen zitiert er, ist beflissener Kellner, obwohl der Koch streikt, sieht sich in der Bahn in anrüchiges Kartenspiel verstrickt, liest mit Effenberger Nachrichten für Gastarbeiter.

Auch nach der Pause mäandert Hallervorden zwischen Kabarett und Klamotte, brilliert im Spiel mit dem Wort, wie es zu absurder Komik führen kann. Einem Bekannten muss er den Tod von Katze und Mutter beibiegen, hat als Luther Stress mit der zeitgemäßen Übersetzung des Gebots, man solle nicht töten, singt sich im Chanson gegen Frankreichs Atombombentest im Atoll aus Chiracs Sympathie, versteht als Mutter die Politiker nicht, ist Backe aus Spottlight, der sich entsetzt, weil seine Frau plötzlich mit ihm kuscheln will. Neues hat Dieter Hallervorden erfunden, mauseflink in der Vergangenheit gewühlt und dabei in Effenberg den perfekten Dialogpartner. Und der ausverkaufte Saal tobt. Hallervorden - einfach wunderbar.

Wieder 17.-19.12., 20 Uhr, Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz, Kartentelefon 789 56 67 100, Infos unter www.schlossparktheater.de

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