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Reporterin Lupita
Foto: Willi Volks
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Es ist Dienstag 10 Uhr, Zeit für die wöchentliche Radiosendung von COPAE (Kommission für Frieden und Ökologie). Während mir Jorge Ortíz, der Techniker von »La otra Mirada« (Der andere Blick), dem Radiosender der Diözese San Marcos, etwas über die Sendung erklärt, bereitet sich Fernando Martínez, der Projektkoordinator von COPAE, auf seinen Beitrag vor.
Zu dieser Sendung sind weitere zehn lokale katholische Radiostationen mit insgesamt etwa 8000 Zuhörer im Departamento San Marcos nahe der mexikanischen Grenze, vom Hochland bis zur Pazifikküste, zugeschaltet.
Fernando verliest einen sehr politischen Text. Er spricht über die Weihnachtszeit, die eine Zeit der Besinnung, zugleich aber auch eine des politischen Wechsels ist: Am 14. Januar beginnt die Regierungszeit des kürzlich gewählten Präsidenten Otto Pérez Molina - ein Ex-General des Bürgerkrieges, dem massive Massaker an der indigenen Bevölkerung vorgeworfen werden. Vor dieser Regierung , sagt Fernando, stünden viele Herausforderungen, eine davon wäre die Goldmine »Marlin« im Hochland von San Marcos.
Nach dieser Einleitung folgt die einheimische Folklore-Gruppe Cotzic, die davon singt, dass man die Erde nicht ausbeuten kann und dass Sipakapa, ein Ort in unmittelbarer Nachbarschaft der Goldmine, und schließlich ganz Guatemala »nicht verkauft wird«! (Guatemala no se vende!).
Nach der Musik geht der Text von Fernando weiter, er spricht über die Luft-, Boden- und Wasseruntersuchungen, die von COPAE seit fast vier Jahren regelmäßig im Umfeld des Goldbergwerks vorgenommen werden. Sie ergeben eine gefährliche Erhöhung von Schwermetallspuren, die die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig schädigen.
Die Antwort des kanadischen Bergwerksbetreibers sei Schweigen und im guatemaltekischen Parlament sei erst vor Kurzem ausschließlich von den Arbeitsplätzen beim Goldabbau die Rede gewesen, nicht aber von den gesundheitlichen Gefährdungen. Deswegen sei es an der Zeit, sich selbst zu organisieren und friedlichen Widerstand gegen die krank machende Verseuchung der Umwelt zu leisten.
Nach der Sendung machen wir uns auf den Weg zu einer der lokalen Radiostationen in San Miguel, nahe der Mine »Marlin« gelegen. Dort angekommen, begrüßt uns Aurelio Vásquez herzlich. Er ist einer der Reporter, die durch das gemeinsame Projekt von COPAE und INKOTA ausgebildet wurden. Gerade läuft eine vorweihnachtliche Wunschsendung. Nach etwas Musik spielt Aurelio einen Spot von COPAE über die Mine Marlin ein, und ehe ich mich versehen habe, sitze ich hinter dem Mikrofon und erzähle den Zuhörern, dass ich von INKOTA einer deutschen Nichtregierungsorganisation komme, warum wir mit der indigenen Bevölkerung solidarisch sind und ihren Kampf gegen die Zerstörung ihrer Umwelt und ihrer Gesundheit weiter unterstützen werden. Aurelio ist zufrieden mit meinem Beitrag und weiter geht's mit Jingle Bells, dem Wunschtitel von Yessica aus Sipakapa.
Während die Musik noch läuft, kommt Lupita in das Studio. Sie ist mit zehn Jahren die jüngste Reporterin und wird gleich mit ihrer wöchentlichen Sendung, dem »Club für die Kinder«, beginnen. Sie zeigt mir einige bunte Broschüren, aus denen sie etwas über den Schutz der Umwelt verlesen wird.
Wir hören noch kurz in die Sendung rein und machen uns dann auf dem Heimweg. Lupita begleitet uns noch ein Stück des Wegs im Autoradio. Sie spricht über die Regen- und die Trockenzeit und wie man in diesen zwei Jahreszeiten mit »unserer Erde umgehen muss, damit sie reiche Früchte trägt«. Was für ein hoffnungsfrohes Zeichen in diesem so geschundenen Umfeld!
Zum zehnten Mal ruft das »nd« gemeinsam mit SODI, INKOTA und Weltfriedensdienst zur Weihnachtsspendenaktion auf.
Bitte spenden Sie auf das gemeinsame Konto:
Kto: 10 20 101 / BLZ: 100 205 00 - Bank für Sozialwirtschaft / Kennwort: Soliaktion
Spendenstand 19.01. 2012: 32.386,94 Euro Mehr
Als Kolumbus mit seinen drei Kaehnen 1492 gen Westen segelte, musste er drei Maenner mitnehmen: Einen koeniglischen Notar, einen Dolmetscher fuer Arabisch und Haebrarisch, und einen katholischen Priester. Damit hat die Doppelrolle der roemische-katholischen Kirche in Lateinamerika angefangen: Als vereinigente Staatsideologie zur Stuetze des Herrscherhauses, und als Kontrollorgan ueber das "Volk". Die Kardinaele und Bischoefe waren Ideologen fuer die Kolonialisation: "Der Koenig und die Koenigin" Spaniens reihten Lateinamerika in ihre Herrscherzone ein fuer die Verbreitung des katholischen Glaubens und die Rettung der Heidenseelen, auch der Sklaven. Tatsaechlich haben sich in den folgenden 5 Jahrhunderten einige Priester und hin und wieder ein Bischof, mit der Wohl des Volkes und Sklaven befasst. Aber der geopolitisch ideologische Hauptzweck war die Kontrolle des "Volkes" zu Gunsten der Herrscher und des Vatikans in Europa. Mit dem Silber und Gold von Lateinamerika finanzierten Spanien und der Vatikan die Kriege in Europa, besonders den 30jaehrigen Krieg 1618-1648. Auch in Lateinamerika wurden tausenden gefoltert und verbrannt durch die Inquisition des Vatikans: Juden, Protestanten, Indianer . Im "Kalten Krieg" stand die katholische Kirche in Lateinamerika hinter den Militaerdiktaturen, darin koennen auch einige Ausnahmen von Priester nichts aendern welche die Richtlinien des Vatikans nicht befolgten. Heute steht die katholische Kirche gegen soziale Verbesserungen in Brasilien, Venezuela und anderen Nationen: "Weil das Abhaengigkeit erzeugt!" Aber der wahre Grund: Die katholische Kirche ringt um die ideologische Kontrolle - gegen die Linken, auch gegen die Protestanten. Der Unterschied zwischen dem protestanischen Nordamerika und dem katholischen Lateinamerika ist auch einer der Gruende fuer die noch bestehenden Entwicklungsunterschiede. Ob die "Kirche" wirklich am Wohl des "Volkes" interessiert ist, oder damit versteckte ideologische Ziele verfolgt ?
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
Rechtlose Indígenas in Guatemala Die Goldkonzerne nehmen keine Rücksicht auf die Bevölkerung
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