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Von Ariane Mann 20.12.2011 / Berlin / Brandenburg

Ohne ÖBS brechen die Projekte weg

Ex-Senatorin Heidi Knake-Werner (LINKE) zu Gast im Frauenzentrum Paula Panke

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Steht vor dem Aus: Krabbelgruppe im Frauenzentrum Paula Panke

»Der Öffentliche Beschäftigungssektor war für mich als Arbeitssenatorin ein zentrales Projekt und hat vielen Menschen große Chancen gegeben«, erzählt Heidi Knake-Werner (LINKE) im Frauenzentrum Paula Panke e.V. in Pankow. »Zu menschenwürdigen Bedingungen konnten Arbeitslosengeld-II-Empfänger wieder längerfristig beschäftigt werden, bekamen existenzsichernde Löhne, waren sozialversichert.«

Das war für die Berliner Senatorin a. D. »allein schon ein großer Erfolg. Was dann aber von vielen Frauen und Männer geleistet wurde, war enorm.« Sie haben die Stadt bereichert und ihr Selbstwertgefühl wiedererlangt. »Viele Projekte in kulturellen und sozialen Einrichtungen werden nun wegbrechen.« Sie denke beispielsweise an das Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg, wo Künstler ihre Fähigkeiten einsetzen konnten, die sonst verloren gegangen wären. »Vor allem aber wurde mit dem Instrument ÖBS Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit finanziert.«

»Außerordentlich betroffen« vom Ende seiner erfolgreichen jahrelangen Arbeit in der flexiblen Kinderbetreuung ist auch das Frauenzentrum Paula Panke in der Pankower Schulstraße. »Heidi Knake-Werner, für uns die Mutter des ÖBS, hat uns sehr unterstützt, als wir das Pilotprojekt starteten«, erinnert Astrid Landero vom Frauenzentrum. Deshalb habe die Senatorin im Ruhestand auch die Einladung zu dem Gespräch mit Kinderbetreuerinnen und betroffenen Eltern über das bevorstehende Aus des einmaligen Serviceangebotes für Pankower Familien angenommen.

Mit den Mitteln aus dem Öffentlichen Beschäftigungssektor hat das Zentrum seit 2007 erfolgreich ein Projekt flexibler Kinderbetreuung in häuslicher Umgebung verwirklicht. Aus Hartz-IV-Empfängerinnen wurden Vollzeitbeschäftigte. Sie betreuen Kinder berufstätiger oder studierender Mütter zu Hause, wenn die Kindereinrichtungen schließen oder noch nicht geöffnet haben. Erst mit diesem Betreuungsangebot war es vielen jungen Familien oder Alleinerziehenden möglich, Erwerbstätigkeit im Handel, Gesundheitswesen, bei der BVG oder im Theater nachzugehen. Kita-Öffnungszeiten sind mit Schichtdienst selten zu vereinbaren. Die flexible Kinderbetreuung springt hier ein, und die Frauen sind nicht selten schon um 5.30 Uhr in den Familien oder bis 23 Uhr.

Doch am 31. Januar 2012 hört das auf. Astrid Landero hat vom Pankower Jobcenter gerade eine Ablehnung ihrer Projektvorschläge erhalten - neben der Kinderbetreuung geht es auch um die Begleitung älterer Frauen in Krisensituationen. Von den 27 beschäftigten Frauen bei Paula Panke werden dann nur sieben übrig bleiben. Mehrheitlich sind sie über 55 Jahre alt und haben wenig reale Chancen auf einen beruflichen Neuanfang. »Allein in diesem Jahr wurden 153 Kinder in 137 Familien betreut, 42 Familien stehen auf der Warteliste«, schildert Projektleiterin Kathrin Jürschik die Situation. Viele Mütter, insbesondere alleinerziehende, sehen ihren Arbeitsplatz nun ebenfalls gefährdet.

Die 59-jährige Heike Wirbel ist von Anfang an als Betreuerin dabei. Mehr als 60 Kinder hat sie kennen gelernt. »Es war eine schöne Arbeit. Die Kinder und die Eltern waren zufrieden.« Seit dem 1. Dezember ist sie wieder Hartz- IV-Empfängerin. »Es hat viele Tränen gegeben, ich war wie eine Oma für die Kinder, die nicht verstehen, dass ich nicht mehr kommen kann.«

Das Frauenzentrum schließt sich all denen an, die mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose fordern. In der Erklärung heißt es: »Wir brauchen einen stabil geförderten Öffentlichen Beschäftigungssektor. Wir brauchen in Berlin dringend flexible bezahlbare Kinderbetreuung, um eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleisten zu können.«

In einem Brief wird sich das Frauenzentrum mit seinen Forderungen an die neue Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) wenden. »Besser ist es, persönlich hinzugehen. Zu mir kamen viele mit ihren Anliegen«, empfiehlt die Senatorin a. D. zum Abschluss der Gesprächsrunde.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • GudrunWolf, 21. Dez 2011 12:29

    weiterdenken

    die idee mit der flexiblen kinderbetreuung hat sich offenbar bewährt, wenn in pankow über 100 familien dieses angebot angenommen haben. warum werden keine möglichkeiten geprüft und entwickelt, daß die betreuerinnen jetzt mit diesem startkapital in die selbständigkeit gehen?
    weil den beteiligten viellleicht klar ist, daß ein existenzsichernder stundenlohn für selbständige kinderbetreuung bei 12,50 beginnt. für facharbeit müßte man mindestens 20 euro die stunde verlangen. wenn eine verkäuerin selbst nur 8 euro stundenlohn hat, bleibt sie am besten zu hause.
    aber das jobcenter könnte den ansonsten wieder arbeitslosen frauen bis zu 2 jahre ein eingliederungsgeld von bis zu 366 euro monatlich zahlen, damit sie in dieser zeit ihr geschäftsmodell so weiter entwickeln, daß es auch ohne zuschüsse tragfähig wird. ist so eine anregung von mir...

    noch ein zweiter gedanke: die beschäftigten in den öbs waren nicht wirklich sozialversicherungspflichtig. denn für sie wurden keine beiträge in die arbeitslosenversicherung gezahlt und allein darum müssen sie nach dem projekt wieder zum jobcenter betteln gehen und können nicht mit einem rechtsanspruch auf arbeitslosengeld von einem halben jahr in der arbeitsagentur direkt vorsprechen. so hätte ihnen die möglichkeit offen gestanden, jetzt mit dem gründungszuschuß eine fortsetzung ihrer arbeit selbständig zu probieren.
    aber auch das ist ja nicht mehr gewollt, wie die neuen gestzlichen änderungen zum gründungszuschuß und die begründung von frau von der leyen zeigen.

    meine schlußfolgerung: solange wir und politiker glauben, mit der organisation von öffentlich geförderter beschäftigung können die strukturprobleme des arbeitsmarktes gelöst oder verdeckt werden, versperren wir uns der einsicht, der verantwortung und den neuen möglichkeiten, dass arbeit selbstbestimmt organisiert und auf realem austausch basieren sollte.

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