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Aktionen gegen prekäre Jobs

H&M-Verkäuferinnen wehren sich

Stuttgart (nd-von Leesen) »Vivi wird uns fehlen« oder »Wir brauchen André doch« steht auf den T-Shirts von Verkäuferinnen der Cannstatter H&M-Filiale in Stuttgart. Auf den Shirts sind zudem die Gesichter der Genannten gedruckt. Die zumeist jungen Frauen demonstrieren damit gegen die Nicht-Verlängerung von Arbeitsverträgen von fünf Kolleginnen und Kollegen. Die Aktion ist ungewöhnlich im Einzelhandel, und dass gerade Verkäuferinnen von H&M sich öffentlich gegen Pläne der Geschäftsleitung wehren, ist noch ungewöhnlicher.

Der schwedische Textileinzelhandelskonzern steht seit Jahren wegen Behinderung von Betriebsräten und prekärer Beschäftigung in der Kritik. »Als Verkäuferinnen stellt H&M fast nur Ungelernte ein, auf Teilzeit und befristet«, erklärt Bernd Riexinger, ver.di-Geschäftsführer des Bezirks Stuttgart. In der Regel werden Zehn-Stunden-Verträge abgeschlossen, bei denen die Beschäftigten so flexibel sein müssen, jederzeit auch sehr viel mehr zu arbeiten. »Prekäre Beschäftigung ist bei H&M das Normale«, unterstreicht Riexinger. »Die stellen lieber drei Leute mit je zehn Stunden ein als eine Verkäuferin mit 30 Stunden.«

Damit das nicht beispielgebend für andere Unternehmen im Einzelhandel wird, kämpft ver.di Stuttgart besonders vehement mit Betriebsräten und H&M-Verkäuferinnen. Schon seit Monaten läuft die Kampagne »Wir tragen zum Erfolg bei«, bei der Infomaterial an Kunden verteilt wird. Im Weihnachtsgeschäft trugen H&M-Verkäuferinnen in der Stuttgarter Haupteinkaufsstraße Armbinden mit der Aufschrift »Mehr Personal, weniger Befristungen«. Die Forderungen der Gewerkschaft lauten: Keine Befristungen mehr, mehr Vollzeitstellen, 170 Euro Ballungsraumzulage, Stellenbesetzungspläne auf Abteilungsebene und Umsatzbeteiligung. Für das vorige Jahr hat das Unternehmen 12,1 Milliarden Euro Umsatz und 2,1 Milliarden Euro Gewinn vermeldet.

Auf den aktuellen Protest bei H&M im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt ist der ver.di-Geschäftsführer ziemlich stolz. »Das ist gelebte Solidarität, die die Kolleginnen da zeigen.« In der Geschäftsleitung versteht man die Kritik an den flexiblen Teilzeit-Arbeitsverträgen nicht. »Viele Mitarbeiter schätzen genau diese flexible Form der Anstellung«, sagt eine Sprecherin. Doch immer mehr H&M-Beschäftigte würden gerne so arbeiten, dass sie davon auch leben können.

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