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Von Jörg Meyer 23.12.2011 / Gewerkschaftliches

Billiger fliegen mit der Lufthansa

Gewerkschaften wehren sich gegen die Ausweitung der Leiharbeit bei der größten deutschen Fluglinie

Lufthansa will 1,5 Milliarden Euro sparen - auch mit dem Einsatz von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern in der Kabine. Die Konzernpolitik hat ein Gutes: Die lange zerstrittenen Gewerkschaften ver.di und UFO gründeten eine Tarifgemeinschaft.

Eine Nachricht mit Überraschungswert: Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Unabhängige Flugbegleiterorganisation (UFO) gaben am Mittwoch bekannt, dass sie für die kommende Entgelttarifrunde bei der Lufthansa eine Tarifgemeinschaft vereinbart haben. Während sich die Gewerkschaften in den Vorjahren manches Mal alles andere als freundschaftlich gegenüberstanden, wolle man nun »auf Augenhöhe« zusammenarbeiten, sagte ver.di-Luftfahrt-Experte Arne von Spreckelsen gegenüber »nd«.

»Unser Gegner ist der Arbeitgeber, nicht die jeweils andere Gewerkschaft«, so von Spreckelsen und ist an diesem Punkt einer Meinung mit seinem UFO-Kollegen Alexander Behrens.

Der Grund für die neue Einigkeit ist das angekündigte 1,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket des Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Christoph Franz. Ein großer Streitpunkt ist die geplante Bewirtschaftung von Lufthansamaschinen am neuen Berliner Großflughafen BER. »Die Kabinencrews sollen extern bereedert werden und dann in Lufthansa-Uniform für uns fliegen«, sagt von Spreckelsen. »Wo Lufthansa drauf steht, muss auch Lufthansa drin sein«, meint Behrens.

Leiharbeit in der Luft

Im Internet gibt es bereits Stellenangebote für Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen für den neuen Berliner Flughafen BER. Arbeitgeberin ist die Leiharbeitsfirma AviationPower, eine gemeinsame Tochter der Lufthansa-Technik und der Zeitarbeitsfirma Manpower. Bezahlt werden sollen die neuen Beschäftigten nach den Tarifverträgen der Leiharbeit, die um einiges niedriger liegen als die Abschlüsse für das Kabinenpersonal. »Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ihren Teil dazu leisten, dass die Lufthansa im Wettbewerb bestehen kann, aber wir lassen uns unsere Lufthansa nicht kaputtmachen«, sagt von Spreckelsen. Die Sparpläne seien »ein Bruch mit der Tradition der Lufthansa«. Überdies seien Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um zu prüfen, ob dieses Konstrukt, nach dem die Lufthansa am neuen BER arbeiten will, juristisch überhaupt möglich ist.

AviationPower wurde bereits Anfang des Jahres von ver.di scharf kritisiert. Lehrlinge der Lufthansa-Technik wurden nach Ausbildungsende in der hauseigenen Leiharbeitsfirma beschäftigt, um dann nach zwei oder drei Jahren im Mutterkonzern eine Anstellung zu finden - mit dem Einstiegsgehalt versteht sich.

Die beiden Gewerkschaften UFO und ver.di hatten sich in zurückliegenden Tarifrunden oft gegenseitig kritisiert - bis hin zu drohenden Klagen gegen Tarifabschlüsse der jeweils anderen. Das ist nun fürs erste vorbei. Die Tarifgemeinschaft bezieht sich fürs Erste ausschließlich auf die Entgelttarifrunde 2012. »Für alles Kabinenspezifische, also beispielsweise die Verhandlungen um die Arbeitsbedingungen, ist dann die UFO federführend zuständig«, sagt der ver.di-Sekretär.

Schrittweise Annäherung

Die Annäherung der beiden Gewerkschaften zeichnete sich dem Vernehmen nach seit Jahresbeginn ab. Die Arbeitnehmervertreter im Lufthansa-Aufsichtsrat, dessen Vizevorsitzender Frank Bsirske ist, arbeiten schon länger eng zusammen. Auch die Neubesetzung des betreffenden Vorstandspostens auf dem ver.di-Bundeskongress im September mit Christine Behle dürfte für gute Stimmung gesorgt haben. Die Gewerkschafterin sei bei dem Thema »unvorbelastet«, heißt es bei ver.di. Zudem wird ihr eine hohe Fachkompetenz bescheinigt.

Alexander Behrens von UFO ist optimistisch. »Wenn man einem Konzern dieser Größenordnung gegenübersteht, muss man gemeinsam kämpfen.« Von Spreckelsen ergänzt: »Es wäre ja hirnverbrannt, nicht zusammenzuarbeiten.« Dass sie für den BER ihre Forderungen durchsetzen werden, darin sind sich die Gewerkschafter einig. Dass es nur dem Unternehmer nützt, wenn die Gewerkschaften zerstritten sind, ist eine Einsicht, die Hoffnung macht. Zu viel Energie ist in den letzten Jahren in den Kampf der Organisationen untereinander geflossen.

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