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24.12.2011

Weihnachten hat starke soziale Macht

Alle Jahre wieder: Weihnachten ist nicht irgendein Fest im deutschen Traditionskalender. Für Christoph Wulf, Erziehungswissenschaftler und Anthropologe an der Freien Universität Berlin, ist es das wichtigste Familienritual in Deutschland. »Weihnachten hat eine starke soziale Macht«, sagt er. Wer sich der Feier auf Dauer entziehe, könne zum Außenseiter werden.

Wulf forscht über Weihnachtsrituale. Was ist zu Weihnachten anders als bei einer Geburtstagsfeier? Wulf: »Weihnachten ist nach wie vor das wichtigste Familienritual. Beim Geburtstag wird einer gefeiert. Zu Weihnachten ist es die ganze Familie, die sich feiert. Das hängt mit der christlichen Tradition zusammen, bei der die Geburt eines Kindes gefeiert wird. Nach wie vor ist Weihnachten heute das Fest von Eltern und Kindern. Sie freuen sich darüber, dass sie miteinander verbunden sind. In der Familie werden die Kinder gefeiert, weil es ohne sie die Familie nicht gibt. Durch Kinder wird sie am Leben erhalten.«

Was verstehen Sie unter einem Weihnachtsritual? Wulf: »Das Ritual ist in diesem Fall eine Inszenierung und Aufführung, bei der Familien ihre besondere Existenz feiern. Sie müssen sich inszenieren, um sich von anderen zu unterscheiden. Da geht es um Vertrauen und Wohlfühlen, es geht um gemeinsame Erinnerungen und Geschichten. Es entsteht ein Fluss von Gefühlen, der die Menschen verbindet und den wir oft als beglückend erleben. Das Weihnachtsritual hat eine große soziale Dynamik, unabhängig davon, wie jemand Weihnachten interpretiert. Man kann sich dieser Macht nicht entziehen. Je älter man wird, desto mehr Traditionen und Bilder erinnert man. Diese Erinnerungen geben Sicherheit und Sinn. Sie wirken selbst dort, wo Familien auseinandergebrochen sind.«

Was gehört alles zum Ritual dazu? Wulf: »Das erste Element hat etwas mit religiösen Praktiken zu tun. Viele Menschen gehen zu Weihnachten in die Kirche - und oft nur an diesem Tag. Auch wer nicht religiös ist, wird sich eine Form von Beschaulichkeit suchen, vielleicht Musik hören oder etwas anderes Kontemplatives tun. Das zweite wichtige Ritual ist das gemeinsame Essen. Viele Familien haben ein bestimmtes Festmenü, das sie jedes Jahr zubereiten. Die einen essen Ente, die anderen Karpfen, die dritten Kartoffelsalat mit Würstchen. Entscheidend ist, dass es ein Familienessen gibt, das sich immer wiederholt und das man erinnert. So erzeugt man Gemeinschaft. Es entsteht sogar eine Art Familiengeschmack. Um einen Tisch herumzusitzen und sich zu unterhalten, das ist das Zentrum des Weihnachtsrituals.«

Und was ist mit Geschenken? Wulf: »Das ist das dritte Element. Eine Dimension ist nach wie vor die Religiöse. Gott schenkt den Menschen seinen Sohn zur Erlösung. Der Austausch von Geschenken in der Familie ist eine Analogie dazu. Es begründet Gemeinschaft und ist die Grundbedingung des Sozialen: Ich gebe etwas. Der andere nimmt es an. Und ich erwarte eine Gegengabe.«

Welche rituellen Elemente gibt es noch? Wulf: »Die Offenheit. Es wird nichts verplant zu Weihnachten. Man spielt mit den Kindern, erzählt sich Geschichten, hat Zeit füreinander.« Aber es läuft nicht immer so harmonisch ab. Wulf: »Da tauchen natürlich auch Konflikte auf, weil es hohe Erwartungen gibt, an Harmonie und an das Glück. Man wird leicht enttäuscht durch irgendwelche Äußerungen, die das zerstören. Manchmal werden Konflikte in Familien aber auch reduziert, wenn man zusammen feiert. Rituale haben die Möglichkeit, Differenzen durch gemeinsames Tun außer Kraft setzen.«

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