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Von Tim Zülch 28.12.2011 / Berlin / Brandenburg

Nach Brandstifter wird gefahndet

Aufräumen nach dem Feuer im Rauch-Haus / Polizei schließt politischen Hintergrund aus

Im Keller des Georg-von-Rauch-Hauses am Mariannenplatz zieht einem noch immer beißender Brandgeruch in die Nase. Die Decken sind verrußt, Balken und Stromleitungen angekohlt. Im ersten Stock ist Enrico Suarez mit dem Akkuschrauber zugange. In der Tür zu seinem Zimmer klafft ein rund ein Meter langes Loch. Die Feuerwehr brach am frühen Sonntagmorgen durch seine Tür auf der Suche nach Brandopfern. Den Schaden kann Suarez notdürftig reparieren, wie er den Rußgestank rausbekommen soll, weiß er indes nicht.

Nachdem es am ersten Weihnachtsfeiertag nach einer Party in dem Hausprojekt zu einem Brand kam, bei dem zwölf Menschen verletzt wurden, waren die Bewohner gestern weiter mit Aufräumarbeiten beschäftigt: Vor dem Haus stapeln sich schon die Reste verkohlter Möbel, ein Haufen Schutt liegt daneben. Für den heutigen Mittwoch haben die Bewohner zu einem Aktionstag aufgerufen. »Kette bilden für Müll, Ruß abkratzen, danach Vokü«, steht als Programm auf einem Plakat im Gemeinschaftsraum. Im Keller sind Elektriker dabei, die Stromversorgung zu reparieren, noch müssen sich die Bewohner mit Strom aus dem Nachbarhaus behelfen. Doch einige Bewohner konnten bereits in ihre Wohnungen zurückkehren. Andere sind bei Freunden und Bekannten untergekommen. Zudem gab es aus anderen Hausprojekten Angebote für Übernachtungsplätze. Bei vielen Bewohnern sitzt der Schock tief.

Dieter Rahnke, Geschäftsführer des Verwalters GSE, sieht jetzt die vordringliche Aufgabe darin, die Wasserversorgung zu ermöglichen und die sanitären Anlagen wieder herzustellen. Momentan müssen die Bewohner Toiletten in nahe gelegenen Restaurants nutzen. Rahnke geht aber davon aus, dass ein Großteil des Schadens von der Feuerversicherung übernommen wird. Die Versicherungsvertreter hatten sich gestern einen ersten Eindruck verschafft.

Das Georg-von-Rauch-Haus wurde 1971 besetzt. In der Folge wurden Mietverträge mit dem Verein »Jugend- und Kulturzentrum Kreuzberg« ausgehandelt. Über Berlin hinaus bekannt wurde das Haus durch den Rauch-Haus-Song der Band »Ton Steine Scherben«. Die Frage, die neben den Aufräumarbeiten die Bewohner beschäftigt, ist die nach dem Brandstifter. Nach Aussage des Landeskriminalamts sei zwar kein Brandbeschleuniger verwendet worden, aber dass zufällig an zwei Stellen gleichzeitig Feuer ausbreche, ist ausgeschlossen. Die Bewohner vermuten deshalb einen rechtsextremen Anschlag.

In den letzten Monaten kam es in Berlin wiederholt zu Brandanschlägen auf alternative Wohnprojekte. Die Täter richteten sich dabei zum Teil nach einer vom »Nationalen Widerstand Berlin« verbreiteten Liste linker Läden. Mit dem Satz: »Wir hoffen, diese Informationen sind für Euch im praktischen Sinne effektiv«, fordern die Autoren darin zu Anschlägen auf. Das Rauch-Haus ist auf der Liste verzeichnet.

Die Polizei schloss gestern jedoch nach derzeitigem Ermittlungsstand einen politischen Hintergrund aus. Vielmehr sucht das LKA mit einer Personenbeschreibung nach einem Mann, der laut eines Zeugen zur Tatzeit vor dem Gebäude nach einem Feuerzeug gefragt haben soll, mit dem er dann zurück ins Haus ging. Die männliche Person soll zwischen 25 und 30 Jahre alt und 1,75 Meter groß gewesen sein, sie habe helle gewellte Haare und einen grünweißen Pullover angehabt.

Für eine Nachbarin, die zum Helfen gekommen ist, ist der Hintergrund jedoch gar nicht so wichtig. »Das ist mir egal, ob der rechtsextrem oder nur rechts oder verwirrt war«, sagt sie. »Das ist in jedem Fall ein Mordanschlag gewesen.«

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