Von Hendrik Lasch, Halle
29.12.2011

Zum Ersten oder zum Dritten

Kandidatenkür für OB-Wahl in Halle läuft

Die OB-Kür in Halle ist die einzige größere kommunale Wahl in Sachsen-Anhalt 2012. Derzeit formiert sich das Bewerberfeld. Die SPD landete zuletzt einen Paukenschlag. Die LINKE hüllt sich bis Mitte Januar in Schweigen.

Wer in Sachsen-Anhalt in einem Arbeitsamt gearbeitet hat, kann es zu etwas bringen. Bestes Beispiel: der Ministerpräsident. Rainer Haseloff war jahrelang Chef des Arbeitsamtes in Lutherstadt Wittenberg; heute ist der CDU-Politiker Chef der Landesregierung.

Womöglich hoffen die Sozialdemokraten in Halle, das Vorbild könne Schule machen. Viele Monate suchten sie ohne Erfolg nach einem Kandidaten, der bei der OB-Wahl im Sommer 2012 aussichtsreich ins Rennen gehen und die SPD-Regentschaft im Rathaus verlängern könnte. Dieses führte von 2000 bis 2007 Ingrid Häußler; auf die Chemikerin folgte die jetzige Amtsinhaberin Dagmar Szabados. Kürzlich nun trug die lange Suche Früchte: Als Bewerber vorgestellt wurde Kay Senius, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt und Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. »Aller guten Dinge«, sagte der 55-Jährige bei seiner Vorstellung, »sind drei.«

Kleinkrieg im Rathaus

Mit der Aufstellung von Senius ist den Genossen zweifellos ein Paukenschlag gelungen. Zwar wenden Skeptiker ein, er habe sich bisher keinerlei Meriten in der Kommunalpolitik verdient. Das heißt indes auch, dass er von den Querelen im Rathaus unberührt ist. Dort liefern sich Szabados und ihr Finanzdezernent Bernd Wiegand - der jetzt für die Freien Wähler ins OB-Rennen geht - seit Monaten einen unappetitlichen Kleinkrieg. Als Leiter einer Behörde mit 9000 Beschäftigten gilt Senius zudem als erfahrener Verwaltungschef. Schließlich könnte sein bisheriges Spezialthema - die Arbeits- und Beschäftigungspolitik - im OB-Wahlkampf durchaus eine Rolle spielen.

Ob allerdings in Halle tatsächlich aller guten Dinge drei sind, ist offen; zudem erheben den gleichen Anspruch auch andere. Die CDU möchte ebenfalls einen dritten Nachwende-OB stellen. Sie hatte 1990 die erste Wahl gewonnen; Peter Renger trat aber nach nur einem Jahr wegen MfS-Vorwürfen zurück. Danach amtierte Klaus Peter Rauen über neun Jahre, bevor ihn die SPD-Frauen ablösten. Nun soll Bernhard Bönisch ins Rennen geschickt werden, altgedienter Stadtfraktionschef sowie Abgeordneter im Landtag.

LINKE wartet bis Januar

Daneben sind bereits einige Bewerber bekannt, die nicht meinen, dass ein dritter Amtsinhaber von SPD oder CDU optimal für die Stadt wäre. Neben dem Dezernent Wiegand haben die Grünen Stadtchef Oliver Paulsen aufgestellt; die Piraten schicken Christian Kunze ins Rennen. Frühere Wahlen lassen vermuten, das noch etliche Einzelbewerber dazukommen.

Größere Chancen als diese dürfte ein Bewerber der LINKEN haben - der bisher aber nicht bekannt ist. Der Name werde Mitte Januar bekannt gegeben, sagte der Stadtparteichef Swen Knöchel auf Anfrage. Er kündigte an, man werde mit einem »nicht unbedingt erwarteten Kandidaten« antreten. Hartnäckigen Spekulationen, man werde Petra Sitte ins Rennen schicken, bezeichnete Knöchel als verfehlt: »Sie bleibt im Bundestag.«

Das Mandat dafür hatte Sitte im Jahr 2009 direkt gewonnen. Generell gilt Halle als Hochburg der LINKEN im Land; auch bei Landtagswahlen triumphieren hier Direktbewerber regelmäßig. Allerdings erinnert der Stadtchef auch daran, dass Personenwahlen bisher keine Domäne der Genossen waren. 2007 hatte es Stadtfraktionschef Bodo Meerheim wider Erwarten nicht einmal in die Stichwahl um das OB-Amt geschafft.

Womöglich auch deshalb wurde diesmal mit SPD und Grünen über eine gemeinsame Kandidatur verhandelt; im zersplitterten Stadtrat verfügen die drei Fraktionen zusammen über eine klare Mehrheit. »Das war eine ernsthafte Option«, sagt Knöchel. Die SPD aber ließ die Gespräche platzen. Nun geht jeder allein an den Start.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken