»Was schert mich mein Geschwätz von gestern.« Jenes dem Altkanzler Konrad Adenauer zugeschriebene Sprichwort könnte auch vom neuen CDU-Innensenator Frank Henkel stammen. Während der sich vor der Wahl noch vehement dafür einsetzte, dass das unrühmliche Verfahren zur Besetzung des Postens des Polizeichefs abgebrochen und stattdessen ein neues, transparentes Auswahlverfahren gestartet wird, will er jetzt davon nichts mehr wissen. Stattdessen will Henkel den Polizeipräsidenten ernennen.
Möglicherweise spielt dabei auch ein CDU-Parteibuch eine Rolle. Etwas, was die Union im Zusammenhang mit der Wahl des Sozialdemokraten Udo Hansen für den Posten durch den alten Senat ebenfalls damals scharf kritisierte: »Auch für den obsiegenden Bewerber stellt allein die in der Öffentlichkeit bestehende Vermutung, dass dieser nicht nur im Wege der Bestenauslese, sondern auch aufgrund seiner Parteimitgliedschaft ausgewählt worden sei, einen ihm unzumutbaren Makel dar.«
Mit dem »unzumutbaren Makel« muss nun möglicherweise Klaus Kandt leben. Sollte er wirklich als Polizeichef ohne Auswahlverfahren ernannt werden, wird bei jeder kommenden Kritik sein CDU-Parteibuch Thema sein. Eine schwere Hypothek. Dabei müsste Kandt nach allem, was zu hören ist, eine Bestenauslese nicht scheuen. Seine Qualifikationen bezweifelt niemand.
Völlig unklar ist zudem, ob sich Henkel mit seinem Plan nicht wie sein Amtsvorgänger Ehrhart Körting eine juristische Klatsche holt. Die Posse um den vakanten Polizeipräsidentenposten ginge dann von vorne los.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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